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Cyberattacke in PolenHacker erbeuten Daten von 19 Millionen Patienten

Kriminelle haben sich Zugriff auf Millionen Gesundheitsdaten verschafft. Es soll einer der größten Cyberangriffe in der Geschichte Polens sein.

Aus Warschau

Gabriele Lesser

Millionen Menschen in Polen haben Angst: Was wollen Hacker mit ihren Patientendaten? Können Diebe mit der persönlichen Identitätsnummer „Pesel“ nun knapp 19 Millionen Bankkonten leer räumen? In Warschau bestätigte Digitalisierungsminister Krzysztof Gawkowski am Mittwochabend, dass es sich um einen der größten Cyberangriffe in der Geschichte Polens handle. Zugleich wies er darauf hin, dass mehrere Geheimdienste den Tätern auf der Spur seien und die Datenbeute bislang weder im Internet aufgetaucht noch der polnischen Regierung zum Ankauf angeboten worden sei.

Ersten Ermittlungen zufolge steckten „weder Russland noch ein anderer Staat“ hinter dem Cyberangriff. Obwohl das Motiv der Täter unklar ist, geht der Minister von einem finanziellen Interesse der Hacker aus. Der polnische Staat werde sich aber auf keine Verhandlungen einlassen und auch nichts zahlen.

Der Datenverwaltungsservice MyDoc, der in Polen von rund 12.000 medizinischen Institutionen genutzt wird, kündigte an, jedem einzelnen Patienten beistehen zu wollen, der durch den Datendiebstahl Schaden erlitten habe. Neben der Pesel-Nummer, Namen, Adressen und Geburtsdaten sind auch Informationen zu Arztbesuchen, Rezepten und Krankheitsverläufen verschwunden. Noch ist nicht klar, wer überhaupt betroffen ist. Das Digitalisierungsministerium will eine Website freischalten, auf der jeder nachprüfen kann, ob die eigenen Patientendaten gehackt wurden oder nicht. Polens Datenschutzgesetz legt genau fest, wie eine individualisierte Suche aussehen muss.

Tipps vom polnischen Digitalisierungsminister

„Es handelt sich in erster Linie um Daten aus dem Jahr 2024 und früher“, versucht auch MyDoc in einer schriftlichen Erklärung zu beruhigen. Allerdings ist auch wahr, dass Geburtsdaten oder auch die Pesel-Nummer lebenslang gültig sind. Die Vermutung liegt nahe, dass es den Hackern um diese Informationen ging und nicht um ein paar Rezepte oder Arztbesuche.

Die Bürger in Polen könnten zum Schutz ihrer Daten im Internet selbst viel tun, sagt Gawkowski. Ganz wichtig sei es, die persönliche Identifikationsnummer (Pesel) sperren zu lassen, sodass sie kein Unbefugter benutzen könne. Dies könne man über die „mObywatel-App“ tun. Mithilfe dieser App können polnische Bürger die meisten Ämtergänge mit ein paar Klicks erledigen, und die Pesel-Nummer sperren und wieder entsperren lassen.

Wichtig seien auch schwer zu erratende Passwörter und möglichst eine doppelte Authentifizierung, bevor man Zugang auf sein eigenes Konto erhalte. Umgekehrt solle man immer bei der Bank oder einer Institution anrufen, wenn man eine Mail zur angeblichen Verifizierung der Daten bekomme. Oft handle es sich bei solchen Mails auch um Datenklau.

Inzwischen meldeten sich die Hacker beim polnischen Webportal Die vertrauliche dritte Seite. Mit den Patientendaten eines bekannten Politikers legten sie den Beweis vor, dass sie tatsächlich die Daten oder zumindest einen Teil davon in ihrem Besitz haben. Angeblich hätten sie die Informationen aus einer Amazon-Cloud kopiert. Weder der polnische Staat noch das betroffene Unternehmen wollen sich auf Zahlungen einlassen. Die Täter könnten nun versuchen, die Patientendaten auf andere Weise zu Geld zu machen.

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