Curtis Sittenfeld „Mittelalte Frauen“: Nicht das Ende des Lebens
Wechseljahre, Freundschaften, Beziehungen: In „Mittelalte Frauen“ öffnet Curtis Sittenfeld ein Kaleidoskop der Geschichten von Frauen in der Lebensmitte.
Sie sind Managerinnen, Autorinnen, Produzentinnen, Ehefrauen, Mütter – und vor allem Freundinnen. In 12 Geschichten lässt Curtis Sittenfeld, selbst 50 Jahre alt, „Mittelalte Frauen“ – so auch der Titel – über ihr Leben reflektieren. Die Auslöser sind immer andere: Jess sieht auf einer Party ihren Ehemann mit einer anderen Frau sprechen, in die er offensichtlich verliebt ist, und denkt: „Wenn du dein Glück verfolgst, dann will ich das vielleicht auch.“ Sie trennen sich, und Jess zieht zurück in ihre Heimat, um ihren Schwestern nahe zu sein.
Die atheistische Filmproduzentin Heather will den Eheratgeber eines katholischen Priesters verfilmen und rettet damit ihre Ehe. Die bürgerliche, reflektierte Jill sieht sich mit ihrem eigenen Rassismus konfrontiert und versucht sich zu rehabilitieren, indem sie den Hund ihrer Schwarzen Nachbarin sucht.
Gekonnt lässt Sittenfeld literarisch eher unterbelichtete Themen wie Wechseljahre und Mammografie-Untersuchungen einfließen, ohne dass diese die Geschichten dominieren. Sittenfeld zeigt überzeugend, dass das „mittlere Alter“ nicht das Ende des Lebens einleitet und Neuanfänge möglich sind – innerhalb oder außerhalb des bisherigen Lebensentwurfs. Und: „Mittelalte Frauen“ ist eine Hymne auf Freundschaften, die uns durchs Leben tragen.
Zur Buchmesse in Leipzig 2026 erscheint wieder die Literataz – diesmal schon vorab in der wochentaz vom 14. März. Darin geht es um die neuen Bücher von Judith Hermann, Carla Hinrichs, Judith Holofernes, Siri Hustvedt, Michal Hvorecký, Hasan Kikić, Rinah Lang, Dorota Masłowska, Sophia Merwald, Quinn Slobodian, Eva von Redecker, Christoph Ribbat, Lukas Rietzschel, Kuku Schrapnell, Ben Tarnoff, Curtis Sittenfeld, Ronen Steinke, Yasemin Toprak, Michael Wildenhain. Alle Texte zur Buchmesse finden Sie in unserem Schwerpunkt auf taz.de.
Die Buchmesse in Leipzig geht von Donnerstag, 19.3, bis Sonntag, 22.3.
Die taz ist wieder mit einem eigenen Stand vor Ort, an dem in zahlreichen Talks mit Autor:innen diskutiert wird – live auf der Bühne in Halle 5 und als Stream im youtube-Kanal der taz.
Trotz der Vielfältigkeit der Geschichten eint die meisten, dass die Protagonistinnen Teil der weißen Mittelschicht der USA sind und bürgerliche Leben führen. Schwarze Menschen und FLINTA-Personen kommen nur in Nebenrollen vor, Arbeiter*innen oder Arbeitslose gar nicht. Was wohl schlicht daran liegt, dass sich die Autorin in diesem Milieu am besten auskennt. Johanna Treblin
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