Ein Mann aus Ruanda trägt einen bunten Mundschutz

Jeder schützt sich, wie er kann: Ein Verkäufer in Kigali, Ruanda Foto: Maggie Andresen/reuters

Covid-19 in Afrika:Reiche und Mächtige zuerst

Covid-19 ist in vielen Staaten Afrikas angekommen – oft eingeschleppt von den Eliten. Nicht das Virus, sondern die Maßnahmen fordern erste Todesopfer.

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AUS KIGALI 28.3.2020, 17:45 UHR

Die Polizisten tragen Mundschutzmasken und sind bewaffnet. Zu dritt stehen sie vor dem Eingangstor eines Einfamilienhauses, sie warten, bis der Hauseigentümer seine Sachen gepackt hat und in sein Auto steigt. Dann eskortieren sie ihn in ein leeres Hotel.

Der ruandische Geschäftsmann war vor einer Woche aus Dubai zurückgekehrt. In seinem Flugzeug saß eine Person, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Jetzt sammeln die Behörden sämtliche Passagiere des Fluges ein, um sie in Quarantäne zu stecken.

Ruandas Hauptstadt Kigali gleicht einer Geisterstadt: Kaum ein Auto, Motorradtaxi oder Fußgänger ist unterwegs. Bars und Bürogebäude sind geschlossen, lediglich Supermärkte, Banken und Apotheken haben auf. Vor den Eingangstüren wurden lokal hergestellte Handwaschanlagen mit Pedalen installiert. Das Sicherheitspersonal prüft nicht mehr auf Waffen, sondern auf Händewaschen.

Die Polizei hat Straßensperren errichtet, Abertausende Polizisten patrouillieren. Sie fragen jeden, wohin es geht und warum. Wer keinen triftigen Grund hat, muss eine Strafe von 50 Euro zahlen. „Es ist ratsam, dass Beifahrer besser auf der Rückbank sitzen, um Abstand zu wahren“, mahnt ein Polizist einen Autofahrer und dessen Frau.

Nur in den Gassen der Wohnviertel trifft man vereinzelt auf Menschen. Hier und da hat eine Bude offen, wo es Wasser, Zigaretten, Bier oder Telefonkredit gibt. Ein paar Jogger wagen sich im Dunkeln raus, obwohl auch das verboten ist. Der Rest verbarrikadiert sich.

Das kleine Ruanda im Herzen Afrikas registrierte am 14. März die erste Coronainfektion: ein Inder, der eine Woche zuvor aus Mumbai eingeflogen war. Seitdem gehen die Zahlen nach oben. Laut Stand vom Freitag sind es 50 Fälle, fast alle importiert aus Indien, Dubai, den USA oder Europa. Nur zwei haben sich in Ruanda angesteckt.

Genau wie beim Plastikverbot will sich Ruanda auch bei der Coronabekämpfung als Musterland präsentieren

Direkt nach dem ersten Fall traf die Regierung drastische Maßnahmen. Alle ankommenden Reisenden wurden vom Flughafen weg in eine zweiwöchige Quarantäne in leer stehende Hotels gesteckt, Schulen und Kirchen geschlossen, Konferenzen abgesagt. Unter der Hotline 114 melden sich stetig mehr Leute mit Symptomen. Polizisten holen sie ab. Immerhin: Die Quarantäne ist kostenlos, Tests auch. Bis zu 30 werden täglich durchgeführt, in fünf Stunden stehen die Ergebnisse fest.

Am 22. März kam der volle Lockdown, der erste in Afrika: Grenzen und Flughäfen geschlossen, Ausgangssperre verhängt, Überlandstraßen abgeriegelt. Nur noch „für die Öffentlichkeit wesentliche Berufe“ dürfen weiter ausgeübt werden, so das Gesundheitsministerium. Ruandas Zentralbank verkündete: Sie habe Sonderbusse zur Verfügung gestellt, die die Mitarbeiter abholen und nach Hause bringen. In Bussen mit 30 Sitzplätzen dürfen nur 10 Leute in Distanz zueinander sitzen. Die Regierungsgeschäfte werden online geführt.

Nicht nur beim Plastikverbot und bei der Korruptionsbekämpfung, sondern auch im Kampf gegen das Virus will sich Ruanda als Musterland präsentieren. Ein Grund: Im Juni ist in Kigali das Treffen der Regierungschefs der Commonwealth-Staaten angesetzt, einer der größten internationalen Gipfel der Welt. Seit Jahren hat Ruanda in den Bau von Hotels, Straßen, Konferenzzentren investiert. Die Prestigeveranstaltung steht nun auf der Kippe.

Deswegen fährt Präsident Paul Kagame alle Geschütze auf. Schon im Februar hatte er das Gesundheitsministerium angeordnet, Regierungsmitglieder testen zu lassen, bevor sich die 400 Staatsangestellten zur jährlichen geschlossenen Sitzung trafen. Laut einer Rede Kagames hat die damalige Gesundheitsministerin Diane Gashumba geantwortet, es gebe keinen Grund zur Besorgnis, Gebete würden helfen. Das kostete sie den Job.

Neuer Minister wurde Daniel Ngamije, Arzt und langjähriger Koordinator des HIV- und Tuberkulose-Programms. Staatsminister wurde Oberstleutnant Tharcisse Mpunga, der bis vor Kurzem eine auf Krebserkrankungen spezialisierte Klinik leitete – ein deutliches Zeichen, dass nun auch das Militär im Kampf gegen Corona aufmarschieren muss.

Laut unbestätigten Berichten ist der Geheimdienst nun beauftragt, Kontaktpersonen der Infizierten aufzustöbern, mit Hilfe von Handydaten. Was sonst nach Überwachungsstaat aussieht, wird als Vorteil bewertet: Menschen vertrauen darauf, dass es so gelingt, die Ausbreitung einzudämmen. Andere sind skeptisch und fürchten sich, die 114 anzurufen, weil sie nicht in den Fängen des Geheimdienstes landen wollen.

Das Durchgreifen hat Folgen: Der Chef des Krebszentrums beschwert sich online, dass seine Patienten nicht zur lebenswichtigen Strahlentherapie durchgelassen werden. Zwei Männer wurden von der Polizei erschossen, weil sie, so Polizeisprecher John Bosco Kabera, „sich mit Offizieren anlegten“.

Nicht das Coronavirus, sondern die Maßnahmen dagegen fordern jetzt die ersten Todes­opfer.

Ugandas Regierung hat wenig im Griff

Als Ruanda die ersten Fälle meldete, setzte im Nachbarland Uganda Panik ein. Soldaten marschierten an der ohnehin geschlossenen Grenze auf. Die Regierungen der beiden Staaten trauen einander nicht über den Weg.

Uganda hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen offiziell gemeldeten Fall. Manche Ugander bezweifelten das. Ihr Land ist voller indischer und chinesischer Geschäftsleute sowie westlicher Touristen. Es herrschte Grippe, überall husteten die Leute. Doch der Coronatest kostet 12 Euro, ein Viertel des Monatsgehalts. Dementsprechend waren gerade einmal 20 Leute getestet worden.

Gesundheitsministerin Ruth Aceng beharrte, sie habe die Lage im Griff. Doch „alles im Griff“ sieht anders aus: Anreisende am internationalen Flughafen mussten lediglich Formulare ausfüllen und versichern, sie würden sich in zweiwöchige Quarantäne begeben. Überprüft wurde das nicht. Obwohl Präsident Yoweri Museveni Versammlungen verbot, hielt er einen Wirtschaftsgipfel ab.

Vor der Coronakrise gab es in ganz Uganda nur 55 Intensivbetten und 75 Beatmungsgeräte

Erst als die Todeszahlen in Europa in die Höhe schnellten, ordnete der Präsident am 17. März an, alle Einreisenden in Quarantäne zu stecken – auf eigene Kosten, für 100 Dollar pro Tag, zwei Wochen lang. „Wenn ihr das nicht wollt, dann kauft euch ein Ticket und fliegt zurück in eure Heimatländer“, so Gesundheitsministerin Aceng.

Das Central Inn, nahe dem Flughafen, ist ein 3-Sterne-Hotel am Strand des Victoriasees. Es gehört Mitgliedern der Präsidentenfamilie. Wer sich die 100 Dollar pro Tag nicht leisten kann, schläft dicht gedrängt in der Lobby. Jimmy Spire, ein Ugander im Central Inn, postete Fotos auf Facebook, dazu schreibt er: „Wir wurden hier unter hohem Infek­tionsrisiko zusammengepfercht. Es gibt keine Sicherheitsinformationen oder -maßnahmen. Niemand kümmerte sich darum, dass einige sogar weggegangen sind.“ Mehrere Personen waren da bereits durch Bestechung aus dem Hotel herausgelangt. Sechs Chinesen entkamen so, sie wurden später verhaftet und positiv getestet.

Viele Ugander forderten daraufhin in sozialen Medien härtere Maßnahmen. Doch Musevenis Machtzirkel ist mit den 2021 anstehenden Wahlen beschäftigt. Der 75-jährige Präsident wägt jede Entscheidung ab. Das Virus könnte ihm nach 34 Jahren die Macht kosten.

Ugandas Gesundheitssystem ist durch Korruption so marode, dass die meisten Kliniken schlecht ausgestattet sind: Schwangere Frauen müssen eine eigene Klinge zur Entbindung mitbringen, um die Nabelschnur abzutrennen. Vor der Krise gab es für 43 Millionen Menschen landesweit gerade einmal 55 Intensivbetten und 75 Beatmungsgeräte. Erst vergangene Woche hat das Staatskrankenhaus Mulago hochgerüstet. 900 Betten mit Atemmasken stehen jetzt bereit.

Mädchen in Schuluniformen waschen sich die Hände an einem mobilen Waschbecken aus Plastik

Schülerinnen aus Ruanda am 16. März Foto: Stringer/afp

Und nur wenige Ugander haben eine Krankenversicherung. Wer seine Krankenhausrechnung nicht zahlen kann, wird „gefangen“ gehalten, im Notfall muss die Familie einspringen. Auf die taz-Anfrage, ob eine Covid-19-Behandlung kostenfrei sei, gibt es keine Antwort. Gleichzeitig fliegen Regierungsmitglieder im Krankheitsfall auf Staatskosten ins Ausland. Als die ersten Meldungen von überfüllten Kliniken in Europa eintrafen, twitterten die Ugander: „Wo fliegt ihr nun hin, wenn ihr krank werdet?“

Andererseits verfügt Uganda über eines der besten Virusforschungsinstitute Afrikas. Ob Ebola oder Zika, das ursprünglich aus Uganda stammt – ugandische Ärzte haben überall geholfen. Das gab das Selbstvertrauen, auch mit Covid-19 fertigzuwerden.

Dann landete am 21. März eine Ethiopian-Airlines-Maschine aus Dubai, und im Flughafen schlug die seit dem Ebola-Ausbruch im Nachbarland Kongo installierte Körpertemperaturkamera aus. Ein ugandischer Geschäftsmann, der nach einer fünftägigen Reise zurückkehrte, hatte 38,7 Grad Fieber. Er kam sofort ins Krankenhaus. Am nächsten Tag bestätigte das Gesundheitsministerium den ersten Fall.

Die ersten Hilfslieferungen im Kampf gegen Covid-19 kommen aus China nach Afrika. Die Stiftungen von Jack Ma, Milliardär und Gründer des Internetgiganten Alibaba, spenden Millionen von Mundschutzmasken, Corona-Testkits und Schutzkleidung – übrigens auch nach Deutschland.Volle Transportmaschinen von Ethiopian Airlines landeten in den vergangenen Tagen in Uganda, Ruanda und Kongo sowie in anderen afrikanischen Ländern. Doch nicht alles kommt an: Kongos Zoll hat nun 64 Tonnen Material am Flughafen von Kinshasa blockiert. Der Grund: Es seien keine Importsteuern bezahlt worden.

Was anschließend geschah, zeigt, was in Uganda schiefläuft. Im selben Flieger saßen 84 weitere Passagiere, insgesamt waren in den vergangenen zwei Wochen knapp 600 Leute aus Dubai eingereist. Doch kein Einziger davon landete in Quarantäne. Gesundheitsministerin Aceng kam in Erklärungsnot, sie startete einen Aufruf, dass sich nun alle, die aus Dubai angereist sind, zum Test melden sollen. Nur 60 kamen.

Als am Montagvormittag die Minister zur Kabinettssitzung zusammenkamen, veröffentlichten die Medien skandalöse Informationen: Drei Minister, die zuvor aus Risikoländern zurückgekommen waren, hatten sich aus dem Flughafen gestohlen und nicht in Quarantäne begeben. Sie saßen nun ohne Schutzmaßnahmen mit am Tisch.

In der Hauptstadt Kampala macht sich seitdem Panik breit. Täglich steigen die Preise. Produkte wie Salz oder Mehl sind viermal so teuer. Ein halber Liter Desinfektionsmittel kostet 40 Euro. Familien, die kein Geld haben, packen ihre Sachen und fahren aufs Land, wo die Großeltern Felder beackern. Auf den Überlandstraßen aus Kampala hinaus stauen sich Autos und Busse. „Wir sind erledigt“, twitterte einer: „Unsere Regierung will uns umbringen“, so ein anderer: „Die Reichen und Mächtigen kriegen zuerst die wenigen Betten.“

Der erste Fall drängte letztlich auch Präsident Museveni zum Handeln. Seitdem hält er täglich lange Reden: Er schließt Schulen und Kirchen, erzählt Anekdoten von Hochzeiten ohne Gäste und rät, vier Meter Abstand zu halten. Dabei sitzen seine Minister dicht gedrängt neben ihm. Am Tag nachdem er ein Versammlungsverbot ausrief, tourte er durchs Land, um Industrieparks zu eröffnen, wo Tausende zusammenkamen. Er betonte dabei: Covid-19 könne die Wirtschaft „boomen“ lassen. Alkoholhersteller sollen Desinfektionsmittel produzieren, Fabriken Fahrräder bauen, damit dicht vollgedrängte Verkehrsmittel zu meiden seien.

Schön wär’s. Inmitten der TV-Ansprachen fällt wegen Netzüberlastung der Strom aus. Die Hauptstädter klagen über trockene Wasserhähne. Am Donnerstag kam es in Kampalas Innenstadt zu ersten Plünderungen, Schüsse fielen. Frauen, die Obst auf der Straße verkaufen, wurden von Sicherheitskräften verprügelt. Laut Stand vom Donnerstag gibt es in Uganda 19 bestätigte Covid-19-Fälle, alle importiert, darunter ein acht Monate altes Baby.

Selbst die Staatszeitung New Vision, die sonst nie Kritik an der Regierung äußert, verweist klagend auf das vorbildliche Ruanda. Da meldet sich Musevenis Sohn und Sicherheitsberater, Muhoozi Kainerugaba, auf Twitter: „Wie könnt ihr es wagen, ein anderes Land zu loben anstatt unseren großartigen ugandischen Staat?“

Sorge im Bürger­kriegsland Kongo

Was in Ruanda und Uganda eine Herausforderung ist, ist im Nachbarland Kongo ohne funktionierenden Staat ungleich schwieriger. Dort wurde der erste Corona-Fall am 10. März gemeldet. „Nur noch Gott kann uns jetzt helfen“, sagte Gesundheitsminister Eteni Longondo in einer Pressekonferenz dazu.

Der erste Fall war ein Kongolese, der in Frankreich lebt und in die Hauptstadt Kinshasa geflogen war, weit weg vom Kriegsgebiet im Osten. Er hatte Fieber und wurde vom Flughafen in ein nahes Hospital gebracht. Dort brach sofort Panik aus. Die Ärzte verfügten über keinerlei Schutzanzüge und rannten davon. Tage später ging ein selbstgedrehtes Video viral: Darin sitzt der Patient in einem leeren Zimmer auf einem Stuhl und klagt, er wurde einfach allein gelassen. Erst dann fing Kongos Regierung an zu reagieren.

Ein Grenzbeamter steht an einer Schranke, hinter ihm ist sehr wenig los

An der Grenze von Ruanda zum Kongo ist wenig los Foto: Olivia Acland/reuters

In dem Bürgerkriegsland wurde erst vor wenigen Wochen die letzte Ebola-Patientin aus der Behandlung entlassen – ein Erfolg nach 2.250 Toten und eineinhalb Jahren Seuchenbekämpfung im Kriegsgebiet, finanziert mit internationalen Geldern. Jetzt fürchten sich die Kongolesen, ihrer Regierung alleine ausgeliefert zu sein. Für rund 80 Millionen Einwohner stehen gerade 200 Atemgeräte zur Verfügung, die meisten in der Hauptstadt. Nur die wenigsten Kliniken in den Provinzen haben Strom. Das Land kämpft zudem mit einer Masernepidemie mit über 6.000 Toten.

Das Coronavirus trifft vor allem Kongos Elite: Auch hier sind die meisten der laut Stand von Donnerstag 54 Infektionen importiert. Nach dem ersten Fall wurden zahlreiche Regierungsmitglieder, die zuvor in Europa gewesen waren, positiv getestet. Darunter Jean-Joseph Mukendi, Berater von Präsident Felix Tshisekedi und berühmter Menschenrechtsanwalt. Er starb am Mittwoch an den Folgen des Virus, der vierte Todesfall im Land. Ein anderer Toter ist der Bruder des Wirtschaftsministers.

Die gut gestellte Elite in der Hauptstadt reist in der Regel ins Ausland, sobald sie krank wird. Jetzt schleppen sie das Virus ein: Mukendi war eben erst aus Frankreich zurückgekehrt.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

In einer TV-Rede verhängte Präsident Tshisekedi am Dienstag den „Gesundheits-Ausnahmezustand“. Er erklärte die 10-Millionen-Stadt Kinshasa zum „Epidemie-Herd“ und ließ sie abriegeln. Auch der Flugverkehr ins Ausland sowie innerhalb des gewaltigen Landes wurde gesperrt, der Schiffverkehr ebenso; Grenzen dicht gemacht, Schulen und Kirchen geschlossen. Ab Samstag sollen in Kinshasa alle Bürger zu Hause bleiben. Polizei und Militär sind zur Einhaltung der Maßnahmen abgeordnet. Kongolesen fürchten sich mehr vor ihren Streitkräften als vor dem Virus. Der Präsident reagiert damit auf die Forderungen von Aktivisten und besorgten Bürgern. Sie fürchten, dass das Virus von Kinshasa auf den Rest des Landes überspringt. Doch zu spät: Am Donnerstag wurde der erste Fall im kriegsgeplagten Osten bestätigt.

Tshisekedi hat nun eine Task-Force eingerichtet. Sie wird geleitet von Jean-Jacques Muyembe, Generaldirektor des Nationalen Instituts für biomedizinische Forschung. Er gilt als Afrikas bester Seuchenexperte und gab am Dienstag eine Pressekonferenz, die im Staatsfernsehen übertragen wurde. Zu sehen war Muyembe in einem überfüllten Konferenzsaal vor einer Horde dichtgedrängter Journalisten und Fotografen, die alle ohne Schutzmaßnahmen ein einziges Mikrofon umherreichen.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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