Corona und Protestbewegungen: Von der Straße ins Netz

Auch Demos fallen der Corona-Krise zum Opfer. Aktivisten wie die „Fridays for Future“-Bewegung müssen deshalb improvisieren.

Eine Menschenmenge demonstriert

Seebrücke und andere demonstrieren in Berlin im Juli 2019 Foto: Klaus Martin Höfer/imago images

BERLIN taz | Wie demonstrieren, wenn größere Menschenansammlungen wegen der Corona-Krise zu vermeiden sind? Diese Frage stellen sich derzeit viele Protestgruppen und Initiativen, die sonst ihren Widerstand auf die Straße tragen. Deshalb fallen der Epidemie auch viele geplante Demonstrationen zum Opfer – oder sie werden in den digitalen Raum verlegt.

Letzteres haben die Klimaaktivisten von „Fridays for Future“ (FFF) getan. Wegen der Epidemie hat die Gruppe bundesweit ihre Protestaktionen für Freitag abgesagt. Um aber auch in der Viruskrise auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, haben die Klimaaktivisten ihren Protest kurzerhand ins Netz verlagert. Unter dem Hashtag #NetzstreikfürsKlima sind die FFF-Anhänger zum digitalen Demonstrieren aufgerufen.

„Heute streiken wir online, ohne Ansteckungsgefahr. Weil eben jede Krise ernst genommen werden muss“, schrieb FFF-Aktivistin Luisa Neubauer auf Twitter. Der digitale Protest funktioniert so: Jeder bastelt sich ein Protestplakat, hängt es gut sichtbar ins Fenster oder an eine Straßenecke und postet sein Werk schließlich in den sozialen Netzwerken.

„Treat every Crisis like a Crisis“, war etwa im Post eines Aktivisten zu lesen – eine Anspielung auf die aktuelle Krisenreaktionen, die sich die Schüler in ähnlicher Weise auch für den Klimaschutz wünschen. Ganz auf den digitalen Protest will die Gruppe aber nicht setzen. Am globalen Klimastreik, der (noch) für den 24. April angesetzt ist, hoffen sie wieder auf die Straße zu können.

Aufrütteln, ohne auf die Straße zu gehen

Auf ihre Straßenaktion verzichten muss auch der Osnabrücker Ableger der Bewegung Seebrücke. Das breite Bündnis zur Flüchtlingsnotrettung hatte für Samstag eine Menschenkette geplant, um auf die humanitäre Notsituation der Flüchtlinge in Griechenland aufmerksam zu machen und gegen die EU-Flüchtlingspolitik zu protestieren. 500 bis 600 Teilnehmer wurden erwartet.

Doch wegen Corona hat das Bündnis die Aktion vorsichtshalber abgesagt. „Das schmerzt, weil die Situation in Griechenland wirklich gravierend ist“, sagt Michael Bünte von der Seebrücke der taz. Anstelle der Menschenkette soll es nun nur eine kleine Mahnwache geben. Bünte befürchtet, dass die desaströse Lage der Flüchtlinge im aktuellen Nachrichtenfluss untergehen könnte.

Um das zu verhindern, setzen er und seine Mitstreiter auch auf andere Mittel. Durch eine Petition zur Aufnahme von minderjährigen Flüchtlingen etwa: „Unsere letzte große Petition war mit 70.000 Unterschriften wirklich erfolgreich.“ Aufrütteln, auch ohne in Scharen auf die Straße zu gehen – für Bünte geht das durchaus.

Auch die Rechten planen wegen der Corona-Krise um. Der nationalistische und flüchtlingsfeindliche Brandenburger Verein „Zukunft Heimat“ etwa hat eine für Samstag geplante Demonstration in Cottbus abgesagt. Dort sollte auch AfD-Rechtaußen Björn Höcke sprechen – Wortführer des frisch vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen „Flügels“.

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