Corona und Naturschutz: Animal Distancing

Bundesumweltministerin Schulze mahnt, aus der Pandemie zu lernen. Naturschutz brauche mehr Gewicht, weil viele Erreger aus der Wildnis kommen.

Fledermaus als Streetartbild.

Tier und Mensch sollten sich nicht zu nah kommen: Fledermaus als Streetart in Venezuela Foto: Juan Carlos Hernandez/ZUMA/dpa

BERLIN taz | Woher kommt Corona? Warum kann ein Virus die Welt lahmlegen? Was tun, damit sich das nicht wiederholt? Ein Gegenmittel könnte nach Meinung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) der Naturschutz sein.

Er könne „zu einer Art Lebensversicherung werden“, erklärte Schulze am Donnerstag. Dass ein Virus auf den Menschen überspringt und eine Pandemie entsteht, dieses Risiko sei umso höher, „je mehr der Mensch die Natur zerstört“.

HIV, Ebola, Vogelgrippe, Mers, Sars. Ursprünglich sind dies alles Tierkrankheiten. Nur sind sie bereits auf den Menschen übergegangen. Rund 70 Prozent der menschlichen Infektionserreger stammen aus dem Tierreich.

Weil Menschen Ökosysteme zerstören

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist das neueste. Es komme vermutlich, so Sandra Junglen, Virologin an der Berliner Charité, von einer Fledermaus. Die hat ein anderes Tier angesteckt. Von diesem sprang das Virus dann wohl auf einem Wildtiermarkt im chinesischen Wuhan auf den Menschen über.

Der Mensch kommt den Tieren zu nahe, der Natur überhaupt. Denn: Zahlreiche Krankheiten entstünden, weil Menschen „intakte Ökosysteme zerstören“, sagt Junglen. Würden etwa Regenwälder abgeholzt und für die Landwirtschaft genutzt, verschwänden viele Arten. Andere kämen gut mit der neuen Umgebung zurecht. Sie passten sich an, drängten bis in Siedlungen vor – mit für den Menschen neue Viren, gegen die er noch keine Abwehr hat.

Die Covid-19-Epidemie komme „nicht überraschend“, sagt Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle, einer der wichtigsten Ökologen Deutschlands. Der Professor hat den jüngsten Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES koordiniert und beobachtet den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Krankheiten schon lange. Ändere sich nichts, sagt er, würden den Menschen bald weitere Viren zu schaffen machen.

Umweltschützer verlangen inzwischen ein generelles Import- und Verkaufsverbot für Wildtiere in Europa. Das wiederum lehnt Umweltministerin Schulze ab. Deutsche Zoos würden mit Zuchtprogrammen helfen, gefährdete Arten zu erhalten. Dafür müssten Tiere eingeführt werden. Sie hält es für wichtiger, den illegalen Handel mit Wildtieren zu stoppen. Für das organisierte Verbrechen ist dieser mittlerweile fast so lukrativ wie Drogen- oder Menschenhandel.

Zweitens solle, sagt Schulze, der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Naturschutz weiter erforscht werden, um eine „neue globale Biodiversitätsstrategie“ zu beschließen. Im Oktober soll auf einer UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt in China eine neue Strategie beraten werden.

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