In den Wäldern erholt sich die Natur: Neues Gesetz zum Insektenschutz

Der aktuelle „Bericht zur Lage der Natur“ ist alarmierend. Von der EU-Kommission werden ambitionierte Vorschläge gegen das Artensterben erwartet.

Feldlerche mit aufgespannten Flügeln

Feldlerche in NRW. Der Bestand dieser Vögel ist in den letzten 40 Jahren um die Hälfte gesunken Foto: Imago

BERLIN taz | Zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium zeichnet sich neuer Ärger ab. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will ein neues Gesetz zum Schutz der Insekten auf den Weg bringen. Noch in diesem Jahr solle es verabschiedet werden, kündigte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des „Berichts zur Lage der Natur“ an. Das Insektenschutzgesetz solle Änderungen in verschiedenen Gesetzen erwirken, zum Beispiel gegen Lichtverschmutzung, im Bereich der Landschaftsplanung und im Schutz von Gewässerrandstreifen.

Im Bundeslandwirtschaftsministerium will man davon allerdings nichts wissen. Vorgesehene Rechtsänderungen seien Bestandteil des im Herbst vergangenen Jahres von der Bundesregierung beschlossenen Aktionsprogramms Insektenschutz. Das Umweltministerium bezeichne „die in seiner Vorbereitung befindliche Umsetzung einzelner Maßnahmen als Insektenschutzgesetz“, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Besonders wichtige Teile des Aktionsprogramms – etwa den Einsatz von Ackergiften betreffend – liegt im Agrarressort.

In der intensiven Landwirtschaft sieht der „Bericht zur Lage der Natur in Deutschland“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) einmal mehr die größte Bedrohung für die heimische Artenvielfalt. Während sich der Zustand der Natur in Wäldern und Städten teils verbessert habe, sei er in den Agrarlandschaften überwiegend schlecht, heißt es in dem Bericht. Untersucht hat das BfN nicht nur die Lage einzelner Tiere und Pflanzen, sondern auch „Lebensraumtypen“ wie Steppenrasen oder Küstendünen. Dabei zeigt sich Deutschland dreigeteilt: Etwas mehr als einem Drittel der Biotope geht es schlecht, ein Drittel ist in einem „unzureichenden“ Zustand, ein Drittel in einem guten.

Am besten geht es Tieren, Pflanzen und Böden in den alpinen Regionen, am schlechtesten in den „atlantischen“ Gebieten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein – den Regionen intensiver Fleischerzeugung. Dort würden beispielsweise „Magere Flachland-Mähwiesen“ mit verschiedenen blau oder rot blühenden Kräutern vermehrt in Ackerland verwandelt. Darunter leiden etwa Feldlerchen, die offenes Grünland benötigen. „Wiesen und Weiden verschwinden“, sagte Schulze, „hier brauchen wir dringend eine Trendwende“.

Applaus für EU-Kommission

Hoffnungen darauf nährt die EU-Kommission, die am heutigen Mittwoch zwei Strategien zum Naturschutz vorstellen will: die Biodiversitäts- und die „From-Farm-to-Fork-Strategie. Vorab bekannt gewordene Versionen der Strategien fanden Lob in der Umweltszene: Enthalten waren demnach für den Zeitraum bis 2030 umfangreiche Vorgaben für Schutzgebiete, für extensiv – also schonend genutzte – Flächen sowie die Reduktion von Düngemitteln und Pestiziden.

Dem Brüsseler Büroleiter des Naturschutzbundes Nabu, Raphael Weyland, fehlt in den Entwürfen das Thema Konsum – Stichwort Fleischverzehr – sowie eine engere Verzahnung mit der Gemeinsamen Agrarpolitik der nächsten Jahre, die derzeit ebenfalls geplant wird. Insgesamt habe die Kommission für Ihre Arbeit aber „Applaus verdient“.

Auch der EU-Abgeordnete der Grünen, Sven Giegold, lobt: „Sollte all dies tatsächlich so beschlossen werden – und sollte sich die Kommission gegen den anhaltenden Druck aus Teilen der Landwirtschaft stemmen –, wäre es ein Riesenschritt auf dem Weg, den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen.“

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