Corona-Impfungen in Russland: Herbst der Spritzen

Russland will ab Oktober Ärzt*innen und Lehrer*innen gegen das Coronavirus impfen. Der US-Virologe Anthony Fauci äußert Bedenken.

Zwei Hände in medizinischen Gummihandschuhen halten eine Spritze. Neben den Händen ein nackter Arm mit Leberflecken.

Was wohl die Impfgegner*innen sagen? In Russland soll ab Oktober gegen Corona geimpft werden Foto: Christoph Schmidt/dpa

NISCHNI NOWGOROD/WASHINGTON dpa/afp | Russland möchte im Herbst mit den ersten Impfungen gegen das Coronavirus beginnen. Der Start sei für Oktober geplant, sagte Gesundheitsminister Michail Muraschko der Staatsagentur Tass zufolge am Samstag in Nischni Nowgorod. Zunächst sollten Ärzt*innen und Lehrer*innen geimpft werden, dann schrittweise der Rest der Bevölkerung. Seinen Angaben zufolge sind die klinischen Tests eines in Russland entwickelten Impfstoffes mittlerweile abgeschlossen. Dessen Zulassung sei in Vorbereitung. Einen Zeitplan nannte er nicht. Zuletzt war der 10. August als Zulassungstermin im Gespräch.

Bereits im Mai hatte das staatliche Gamalaja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Dieser habe bei allen Testpersonen eine Immunität gegen Corona erzeugt, ohne dass negative Nebenwirkungen aufgetreten seien.

Bislang hat Russland noch keine wissenschaftlichen Daten zu dem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht. Kremlchef Wladimir Putin hatte bei der Entwicklung Druck gemacht. Weltweit arbeiten Forscher*innen unter Hochdruck an einem Mittel gegen das Virus. Nach Angaben von Muraschko wird derzeit ein weiterer Impfstoff gegen das Virus Sars-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollten folgen.

Russland hat nach offizieller Statistik landesweit mittlerweile mehr als 845.000 Corona-Infektionen verzeichnet. Täglich kommen mehr als 5.000 neue Infektionen hinzu. Mit Stand Samstag starben nach offiziellen Angaben mehr als 14.000 Menschen mit dem Virus, mehr als 646.000 galten als wieder genesen. Die meisten Infektionen gibt es in Europas größter Metropole Moskau, wo ihre Zahl zuletzt wieder anstieg und dennoch am Samstag Kinos, Theater und Konzertsäle erstmals seit Mitte März wieder öffneten.

Fauci zweifelt

Der führende US-Seuchenexperte Anthony Fauci äußerte indes Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Corona-Impfstoffen, die in Russland und China entwickelt werden. „Ich hoffe, dass die Chinesen und die Russ*innen den Impfstoff tatsächlich testen, bevor sie ihn jemandem verabreichen“, sagte Fauci am Freitag bei einer Kongressanhörung auf die Frage, ob die USA die Impfstoffe verwenden würden, wenn diese vor anderen verfügbar seien. Nach Ansicht des Virenexperten werden die USA bei der Beschaffung von Impfstoffen jedoch nicht auf andere Länder angewiesen sein.

Fauci äußerte Zweifel an dem Vorgehen von China und Russland: „Behauptungen, einen Impfstoff vertriebsbereit zu haben, bevor man ihn testet, halte ich bestenfalls für problematisch.“ Vor allem mehrere chinesische Unternehmen stehen an der Spitze des weltweiten Impfstoffwettlaufs.

Zwei chinesische Unternehmen, Sinovac und Sinopharm, haben in Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten Versuche die dritte Testphase eingeleitet. Ein weiterer Impfstoff wird bereits den Angehörigen des chinesischen Militärs verabreicht, ohne die letzte Testphase durchlaufen zu haben.

Drei von westlichen Firmen entwickelte Coronavirus-Impfstoffe befinden sich ebenfalls in der dritten und letzten Testphase. China und Russland wird vorgeworfen, versucht zu haben, Informationen zur Impfstoffforschung von anderen Ländern zu stehlen. Peking und Moskau streiten die Vorwürfe ab.

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