Buch „Berlusconi confidential“: Wie wird man einen Autokraten los?
Ein Journalist hat ein Buch über Berlusconi geschrieben. Warum das interessant ist? Weil es einiges über die moderne politische Kommunikation aussagt.
A uf jedem Gipfel steht man am Rande des Abgrunds.“ Dieses Zitat des polnischen Satirikers Stanisław Jerzy Lech hat der italienische Journalist Marco Galluzzo seinem neuen Buch „Berlusconi confidential“ vorangestellt. Der Titel spricht für sich. Und da das Buch kaum seinen Weg in die deutsche Übersetzung finden wird, erzähle ich hier ein bisschen davon.
Galluzzo gehörte in Berlusconis drei Amtszeiten zwischen 2001 und 2010 zu der Gruppe von Journalisten, die dem Regierungschef „überallhin folgten“. Was konkret bedeutete, dass sie Tag und Nacht vor Berlusconis römischem Palazzo herumlungerten und der Dinge harrten, die dort in schöner Regelmäßigkeit vor sich gingen.
„Immer wieder ihr“, sprach Berlusconi sie an. In regnerischen Nächten bat er sie herein („Was machst du hier, hast du kein Zuhause?“). Wenn er im Dienstwagen saß, ließ er zum Schrecken seiner Leibwächter das Fenster runter und gab den mitlaufenden Journalisten Interviews. Galluzzo nennt das „einen journalistischen Kriegszustand ohne Regeln“: Jeder Hinterausgang wurde besetzt, auch auf Auslandsreisen war fast jedes Mittel recht, sich in die Nähe des „Cavaliere“ genannten Milliardärs an der Regierungsspitze zu schmuggeln.
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Warum ist das über das Anekdotische hinaus interessant? Mindestens deswegen, weil der Kampagnenleiter Berlusconis, Antonio Palmieri, mit den Worten zitiert wird, dass mit Berlusconi die zeitgenössische politische Kommunikation beginne: die Personalisierung, der direkte Kontakt mit den Wählern, deren Wünsche und Ängste wie bei Konsumenten haarfein analysiert wurden.
Berlusconi überließ einerseits nichts dem Zufall, andererseits handelte er meist spontan und ließ sich von seiner Entourage nicht kontrollieren. Alles wird einfach, weil anders als in traditionellen Parteien alles auf den Leader zugeschnitten ist. Gleichzeitig wird alles kompliziert, weil der mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen gesegnete Leader sich wie ein seinen Launen freien Lauf lassendes Kind benimmt, das noch dazu nie ins Bett gehen will, jedenfalls nicht, um zu schlafen.
Wie wird man so einen, den nicht umsonst eine innige Freundschaft mit dem Mafiaboss Putin verband, wieder los? Wie stürzt man ihn vom Gipfel in den Abgrund? Die für Linke deprimierende Antwort ist Geschichte: Es waren die Märkte.
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