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Blockade der Straße von HormusTeherans Nadelöhr und Washingtons Lösung

Derzeit entscheidet Iran, welche Schiffe die Meerenge passieren dürfen – und nutzt dafür mehrere Inseln. Werden diese bald Ziel einer US-Invasion?

Noch hat der Iran hier die Kontrolle: ein brennendes Frachtschiff in der Straße von Hormus Foto: imago

Die Straße von Hormus ist schmal – teils nur etwa 33 Kilometer an Wasser trennen dort Oman und Iran. Es gibt dort deshalb auch keine internationalen Gewässer – die Hoheitsgewässer eines Landes umfassen in der Regel ein Gebiet von etwa zwölf Seemeilen ab Küste aufs Meer hinaus. Stattdessen überlappen dort die Gewässer von Iran und Oman.

Trotz dieser theoretischen Kontrolle blieb die Straße von Hormus bislang für den Schiffsverkehr im Regelfall frei zugänglich. Das ist nun – vorerst – vorbei. Die Islamische Republik blockiert im Zuge des Kriegs mit den USA und Israel die Meerenge. Das tut sie nicht physisch, sondern mit der Drohung, Schiffe zu beschießen, die versuchen, die Straße zu passieren.

Doch es gibt einen Ausweg für Reedereien – gegen Geld, versteht sich. Seit über zwei Wochen existiert ein bestätigter Korridor, durch den Schiffe passieren dürfen. Er führt zwischen den beiden iranischen Inseln Qeshm und Larak hindurch. Zwischen ihnen liegen etwa neuen Kilometer Wasser. Wer die beiden Inseln kontrolliert, beherrscht – stark vereinfacht gesprochen – die Straße von Hormus.

Das hat die Islamische Republik schon lange erkannt – und auf Qeshm Infrastruktur geschaffen, um die Passage der Meerenge bei Bedarf unterbinden zu können. Experten beschreiben sie als „unsinkbaren Flugzeugträger“. Nach Berichten etwa von AlJazeera existiert auf der Insel eine ausgedehnte unterirdische „Raketenstadt“. An der Insel liegt außerdem eine große Zahl von Schnellboote, die die Revolutionsgarden im Arabischen Golf nutzen.

Das Nadelöhr im Nadelöhr

Ihre strategische Lage machte Qeshm immer zu einem beliebten Objekt. Nur ein Beispiel: Im 16. und 17. Jahrhundert kontrollierte zeitweise Portugal die Insel; die Ruinen eines Forts zeugen bis heute davon. Die Insel lag an der wichtigen Handelsroute zwischen Ost und West. Vertrieben wurden die Portugiesen schließlich durch eine monatelange Blockade des safawidischen Gouverneurs der Region mit britischer Unterstützung.

Durch das Nadelöhr – die Passage zwischen Qeshm und Larak – im Nadelöhr – der Straße von Hormus – müssen nun also auf Geheiß Irans alle passierenden Schiffe. Nach Angabe des Marineindustrie-Newsportals Lloyd's List hatten bis zum 18. März bereits neun Schiffe den Korridor durchfahren.

Verschiedene Regierungen – etwa Indien, Pakistan, Irak und China – seien im Gespräch mit den Revolutionsgarden, um Frachter für die Passage registrieren zu lassen. Wohl alle Schiffe, die bislang passieren durften, sind mit Ländern, die Iran aktuell nicht zu seinen Feinden zählt, verbunden.

Der Prozess wird derzeit seitens der Garden formalisiert: Schiffe müssen sich mit Angaben zum Meldeland, der Ladung und dem Zielort registrieren, dann sollen die Schiffe überprüft werden. Fällt diese Prüfung positiv aus, sollen sie gegen eine noch unbekannte Summe passieren dürfen. In mindestens einem Fall, berichtet Lloyd's List, sei eine Gebühr an Iran für das Passieren des Seewegs gezahlt worden: Zwei Millionen US-Dollar.

Geschlossen für Irans „Feinde“

Während Schiffe, die diesen neuen iranischen Bedingungen nicht nachkommen wollen, im Arabischen Golf festsitzen, nutzt Iran die Straße von Hormus auch selbst. Ewa für den Export von Getreide. Außenminister Abbas Araghtschi selbst erklärte: Die Straße von Hormus sei nicht tatsächlich geschlossen – nur für Irans „Feinde“.

Die de-facto-Blockade seitens Iran macht sich jedenfalls auf den Märkten deutlich bemerkbar. Etwa 25 Prozent des weltweiten Öltransports passierten laut der Internationalen Energieagentur vor dem Krieg die Straße von Hormus. Hinzu kommen etwa 20 Prozent des globalen Transports von flüssigem Erdgas (LNG). Der Preis für Rohöl pro Barrel notiert derzeit bei knapp 100 US-Dollar, zuvor schwankte er um etwa 60 US-Dollar. Der Preis für TTF Gas – also in Europa genutztem Erdgas – hat sich seit Beginn des Krieges etwa verdoppelt.

Kommt die US-Bodeninvasion in Iran?

Was sollen die sogenannten Feinde – Israel, die USA, die arabischen Golfstaaten – nun tun?

Eine Option, die von Experten diskutiert wird, ist etwa die Einnahme iranischer Inseln in der Straße von Hormus durch das US-Militär. Primäre Kandidaten sind dabei sicherlich Qeschm und Larak. So könnte die Kontrolle Irans über die Seestraße zumindest teilweise gebrochen werden. Das Regime könnte noch immer Schiffe attackieren, etwa mit Drohnen. Doch einer seiner direktesten Zugänge könnte so gekappt werden.

Gegenüber den Inseln liegt die Stadt Bandar Abbas, wo bei einem Luftangriff jüngst Alireza Tangsiri, Kommandeur der Marine der Revolutionsgarden, getötet wurde.

Außerdem wäre die Einnahme der drei kleinen Inseln Abu Musa, Lesser Tunb und Greater Tunb möglich. Sie liegen quasi am westlichen Eingang der Straße von Hormus.

Ihre Zugehörigkeit ist umstritten. Iran hatte sie – noch vor der Islamischen Revolution – im Jahr 1971 eingenommen. Damals zog sich Großbritannien aus der Region zurück. Und die bis dahin unter britischem Protektorat stehenden Emiraten Abu Dhabi, Ajman, Dubai, Fujairah, Sharjah, Umm Al Quwain und später auch Ras Al-Khaimah wurden die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Emirate Ras Al-Khaimah und Sharjah beanspruchen die drei Inseln für sich. Unter dem aktuellen iranischen Regime werden die Inseln auch von den Revolutionsgarden genutzt.

Insgesamt 7.000 Soldaten werden verlegt

Eine weitere Option, die diskutiert wird, ist die Einnahme der Insel Kharg. Sie liegt weit entfernt von der Straße von Hormus, am westlichen Ende des Arabischen Golfs. Von Kharg aus exportiert Iran einen Großteil seiner fossilen Rohstoffe. Die USA und Israel haben sie – wie auch andere Inseln – bereits mehrfach bombardiert. Kharg einzunehmen löst zwar nicht das Problem der Blockade, würde aber die Fähigkeit des Iran, noch irgendwie ausländische Devisen einzunehmen, weiter kappen.

Dass bald eine Bodenoperation kommen könnte, ist durchaus möglich. Derzeit verlegt das US-Militär Truppen in die Region: 2.000 Soldaten der 82nd Airborne Division und zwei Divisionen der Marine Expeditionary Units. Diese sind unter anderem für maritime Landeoperationen – also den Angriff mit Truppen auf ein Gebiet von See aus – trainiert. Insgesamt werden wohl etwa 7.000 Mann verlegt.

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