Bischof zum Weltflüchtlingstag: „Man lässt keinen Menschen ertrinken, Punkt“
Der evangelische Bischof Christian Stäblein erinnert an das Schicksal der Menschen auf der Flucht. Dass vielen nicht geholfen werde, sei „furchtbare Realität“.
Foto: Britta Pedersen/dpa
epd/dpa/taz | Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni hat der Berliner Bischof und Beauftragte für Flüchtlingsfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christian Stäblein, an die Not und das Schicksal von Fliehenden erinnert. Fast 118 Millionen Menschen seien derzeit weltweit auf der Flucht, sagte Stäblein am Samstag im RBB-Radio 88.8.
Die christliche Haltung dazu sei klar: „Man lässt keinen Menschen ertrinken, Punkt“, bekräftigte Stäblein. Dass es trotzdem passiere, sei „eine furchtbare Realität“.
Seit Jahrzehnten sind Zehntausende Menschen bei dem Versuch ertrunken, das Mittelmeer Richtung Europa zu überqueren. Allein im Jahr 2025 kamen laut UN-Flüchtlingshilfe dabei fast 2.000 Menschen ums Leben. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Hilfsorganisation wie Sea Watch, die versuchen Menschen zu retten, werden immer wieder blockiert und attackiert.
Stäblein erinnerte auch an den 75. Jahrestag der Genfer Flüchtlingskonvention. Sie besage unter anderem, dass für Menschen auf der Flucht ganz besonders Schutz und Menschenrechte gelten.
Er nehme wahr, dass die Stimmung in der Frage des Umgangs mit Geflüchteten hochsensibel sei, sagte Stäblein: „Sie schwankt zwischen Willkommenskultur und Abschottung – zwischen Angst, Sorge, Ablehnung und Zuversicht.“ Zugleich hob der Bischof das Engagement der Gesellschaft hervor: „Weltflüchtlingstag ist daher auch ein Tag des Dankes: an alle, die dafür sorgen, dass unser Zusammenleben gelingen kann.“ Denn, entscheidend bleibe die Integration.
Vor 10 Tagen hatte auch der katholische Papst Leo XIV. sichere Fluchtrouten gefordert und Europa davor gewarnt, sich an den Tod von Migranten auf den Fluchtrouten über das Meer zu gewöhnen. Bei einem Besuch am Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria sagte das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken, der Kontinent dürfe nicht die Menschenwürde beschwören und zugleich hinnehmen, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu „Friedhöfen ohne Grabsteine“ würden.
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