„Bild“-Chefredakteurin entschuldigt sich: Fuck AfD, ähm, doch nicht
Da denkt man für einen kurzen Augenblick, die „Bild“-Chefredakteurin Marion Horn zeigt klare Kante gegen die AfD. Doch dann macht sie einen Rückzieher.
Foto: Jens Kalaene/dpa/picture alliance
Ü ber das Verhältnis von Springer und vor allem der Bild-Zeitung zur AfD wird viel diskutiert. Wer es sich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einfach macht, sieht in Springer vor allem den persönlichen Gegner. Merz halte an der „Legende fest, dass er vom Axel-Springer-Verlag verfolgt wird“, sagte Bild-Chefredakteurin Marion Horn vor einer Woche im Interview mit dem Mediendienst Kress Pro.
Und lieferte prompt eine kleine Sensation. Denn sie erklärte auch, ihre Einstellung sei „Fuck AfD“. Doch obwohl diese Ansage klar Aufmerksamkeit und Respekt verdient, blieb die sonst um keinen Schwatz verlegene Medienblase erstaunlich still.
Dabei sagt Horn im auf Augenhöhe von Kress-Pro-Chefredakteur Markus Wiegand geführten Interview wörtlich: „In meinem Büro hängt ein Poster. Da zieht so ein Sportflugzeug eine Werbung hinter sich her. Darauf steht: ‚Fuck AfD.‘ Das ist meine Haltung.“
Auch die Bild-Redaktion sei sich klar in dem, was sie sagt, was ihr Anspruch und ihre Haltung sei, aber eben gleichzeitig auch „verunsichert“, so Horn bei Kress. Und schiebt dann selbstkritisch nach: „Möchte ich, dass es auch nur ein Foto von mir mit Frau Weidel gibt? Nein. Ist das unjournalistisch? Leider ja.“
Der Trend geht nach rechts
Nun hat Bild schon immer den Anspruch gehabt, zu wissen, was das Volk will. Und der Trend geht nach rechts, weshalb es laut Horn „keine Konferenz mehr gibt, in der wir nicht hin und her diskutieren und sagen: Das hört sich jetzt an, als ob wir die AfD an der Macht haben wollten.“
Was die Schizophrenie von Bild auf den Punkt bringt. Die Führungsetage mag gegen die AfD sein. Das Blatt betreibt trotzdem immer wieder das Geschäft der Partei. Auch das ist unjournalistisch. Horns persönliche klare Kante sorgte immerhin bei einem für Reaktionen. Ihr gescheiterter Vorgänger Julian Reichelt schäumte im Diffamierungsportal Nius über die „absolut fatale, politisch propagandistisch aktivistische Äußerung“. Für andere hat der geschasste Bild-Chefredakteur nicht so viele Adjektive übrig.
Aber warum entschuldigt sich Horn jetzt plötzlich Anfang dieser Woche bei LinkedIn in Sachen Kress-Interview für einen „Fehler“ und schreibt, dass sie sich habe „provozieren lassen“? Und das auch noch „leider mit diesem blöden Spruch, den die Antifa für sich gekapert hat“. Macht sie den Rückzieher, weil sie das als Bild-Chefin anders sehen muss?
„Provozieren lassen“ klingt dabei hübsch, denn das Interview ist laut Kress ganz offiziell autorisiert, also Horn nochmals vorgelegt und von ihr abgenommen worden. Soll allerdings ein bisschen gedauert haben. Ach so, und das Flugzeug mit „Fuck AfD“ gibt es auch nicht. „Es hängt auch kein Poster in der Redaktion mit diesem Satz“, so Horn bei LinkedIn. Schade eigentlich.
„Das klingt irgendwie ausgedacht oder wie eine KI-Halluzination“, sagt die Mitbewohnerin. „Der KI kannste aber auch nicht für alles die Schuld geben!“
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