Betrugsfabriken in Kambodscha: Opfer werden ignoriert, sagt Amnesty International
Menschenrechtsbericht wirft Regierung in Phnom Penh wirkungslose Razzien gegen Zentren des Internetbetrugs vor. Diese weist die Kritik zurück.
Das Vorgehen von Kambodschas Regierung gegen sogenannte Betrugszentren ist wegen Absprachen der Polizei mit deren Betreibern weitgehend wirkungslos. Zu diesem Ergebnis kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) in einem am Montag vorgelegten Bericht. Nur in 24 von 86 untersuchten Fällen hätten staatliche Stellen überhaupt eingegriffen. Aber in keinem Fall seien die dort zur Betrugsarbeit gezwungenen Personen angehört und als gar Opfer von Menschenhandel oder Versklavung anerkannt worden.
Der Bericht basiert auf Interviews mit 73 Personen, die aus 33 Betrugsfabriken befreit wurden oder fliehen konnten. Sie waren meist unter falschen Jobversprechen dorthin gelockt worden. Der 150-Seiten-Bericht ergänzt einen AI-Bericht vom vergangenen Juli, der Interviews mit Zeugen aus 50 Betrugsfabriken in Kambodscha ausgewertet hatte und zu ähnlichen Ergebnissen kam.
„Alle Interviewten haben Folter und Misshandlungen erlebt oder bezeugt, wenn die Wächter oder Bosse der Betrugszentren Fluchtversuche verhinderten“, heißt es. „Das Ausmaß des Zwangs entspricht in vielen Fällen einer Versklavung.“ Sechs Frauen berichteten von Vergewaltigungen. Eine Frau wurde den Managern eines Betrugszentrums als Belohnung zum Missbrauch überlassen.
Von diesen oft in Verbindung mit Casinos stehenden Zentren zunächst von Kambodscha aus, dann auch aus anderen Staaten Südostasiens, verleiten kriminelle Netzwerke weltweit Internetnutzer, oft in Verbindung mit angeblichen Liebesversprechen, zu vermeintlich profitablen Investitionen in Cryptowährung. Dann geht alles Geld an die Kriminellen verloren. Im Februar bezifferte ein UN-Bericht den Umsatz südostasiatischer Betrugsfabriken auf 43 Milliarden Dollar mit geschätzten 300.000 Mitarbeitern aus 66 Nationen.
Zeugen: Polizisten kommen zum Kaffee ins Betrugszentrum
AI kritisiert das nur zur Schau gestellte Vorgehen von Kambodschas Behörden. Interviewte hätten berichtet, wie sie vor einer Razzia in Bussen weggefahren worden seien, Polizisten zum Kaffeetrinken vorbeikamen oder Zentren nach Razzien weiter betrieben wurden.
„Ohne Zustimmung oder Duldung durch den kambodschanischen Staat könnten nicht-staatliche Akteure den dokumentierten Missbrauch nicht begehen“, so der Bericht. Die Regierung verhindere jegliche Transparenz im Umgang mit den Betrugszentren. Immer wieder entpuppen sich Kriminelle als Geschäftspartner regierungsnaher Politiker, die nie belangt werden.
Die Innenstaatssekretärin Chou Bun Eng wies den AI-Report zurück. AI übersehe die Erfolge der Behörden. „Egal wie hart wir arbeiten, [AI] wird nie etwas Gutes anerkennen“, sagte sie laut Khmer Times.
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