Achtung von Menschenrechten: Misereor kritisiert Heidelberg Materials
Das katholische Hilfswerk Misereor wirft dem Weltkonzern Heidelberg Materials vor, gegen Sorgfaltspflichten des Lieferkettengesetzes zu verstoßen.
Foto: Anton Raharjo/imago
Der Weltkonzern Heidelberg Materials stellt sein umstrittenes Zementprojekt auf der indonesischen Insel Java infrage. „Das Projekt unseres indonesischen Tochterunternehmens PT Indocement im Kendeng-Gebirge befindet sich seit langer Zeit in einem ruhenden Zustand“, schreibt der Baustoffkonzern in einem Statement, „eine Entscheidung über die Umsetzung des Projektes wurde seitens des Unternehmens nicht getroffen.“
Dem vorausgegangen war ein jahrelanger Kampf von Menschenrechtsorganisationen und Anwohnern gegen ein Zementwerk und eine Mine. Am Dienstag war er in die nächste Runde gegangen: Einen Tag vor der Hauptversammlung des Konzerns haben die Menschenrechtsorganisation FIAN, das katholische Hilfswerk Misereor und die Organisationen Watch Indonesia und Inclusive Development International (IDI) eine Beschwerde beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gegen den Zementkonzern Heidelberg Materials eingereicht – gemeinsam mit zehn Betroffenen.
Gegenstand der Beschwerde sind Verstöße gegen unternehmerische Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit einem geplanten Zementprojekt im Kendeng-Gebirge in Zentraljava, Indonesien, schreiben die Organisationen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Falls das Projekt umgesetzt wird, drohen uns eine ökologische Katastrophe, Verarmung und die Verletzung unserer Menschenrechte“, erklärt darin Bambang Sutikyo, einer der Antragstellenden, der in der betroffenen Region lebt.
Mit der Planung einer Kalksteinmine und eines Zementwerks missachte es Menschenrechte und verstoße gegen das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz, werfen die Antragsteller dem Unternehmen vor. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen und eine durch das indonesische Präsidialamt beauftragte Studie aus dem Jahr 2017 wiesen auf die erheblichen Risiken des Abbaus in der Region hin. So würde die Umsetzung der Pläne die Wasserverfügbarkeit und die Bodenqualität unwiderruflich beeinträchtigen, heißt es weiter.
Heidelberg Materials sieht sich als Vorreiter im Klimaschutz
Als verantwortungsvoll handelndes Unternehmen „sind wir uns unserer Pflichten hinsichtlich der Einhaltung von Menschenrechten und des Schutzes der Umwelt bewusst“, teilt der Konzern mit. „Wir führen an allen Standorten Risikoanalysen durch, implementieren angemessene Präventions- und Abhilfemaßnahmen und berichten hierüber gemäß den Anforderungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG).“
Heidelberg Materials gibt sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und hat etwa im vergangenen Juni in Norwegen ein Zementwerk mit CCS-Technik zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid eröffnet. Zugleich sieht sich der Konzern – zusammen mit RWE – mit einer Klimaklage von pakistanischen Landwirten konfrontiert, die den Zementkonzern für die Flutkatastrophe in Pakistan 2022 mitverantwortlich machen.
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