Berliner Musiker zu Konzertabsagen: Fiese Störgeräusche der Krise

Die abgesagte Premiere vom Trio Spajic Stecher Möbius ist nur ein Beispiel im lahmgelegten Konzertbetrieb. Die Auswirkungen wird man lange spüren.

Guido Möbius, Svetlana Spajić und Andi Stecher

Jetzt erst mal nicht live: Guido Möbius, Svetlana Spajić und Andi Stecher Foto: Denis Laner

Hätte. Nach Plan also hätte am Sonntag in der Kantine am Berghain ein Konzert stattfinden sollen, bei dem sich das Trio Spajic Stecher Möbius erstmals in Berlin präsentieren wollte, als Abschluss einer kleinen Tour durch andere deutsche Städte. Ein Plan, der natürlich lange vor den aktuellen Coronaviruszeiten gemacht wurde und mit dem stillgelegten Kulturbetrieb auf den Livebühnen längst Makulatur ist.

„Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt“, sagt Guido Möbius am Telefon. „Das sollte jetzt der Startschuss sein für dieses Projekt. Und der ist nicht gefallen.“ Das sei zwar „nicht schön“, aber richtig tragisch will es der Musiker noch nicht nehmen. Schließlich handele es sich in seinem Fall gerade mal um eine Handvoll Konzerte, während er doch weiß, dass es viele KollegInnen wirklich heftig getroffen hat, die gerade die Absage von mit vielen Terminen gespickten Tourneen verkraften müssen.

Dass der 1969 geborene und Ende der 1990er Jahre von Köln nach Berlin gekommene Musiker aufgrund der Konzertabsagen für sich noch keine wirklich existenzielle Gefahr sieht, liegt auch daran, dass Möbius nicht nur Musiker ist. Seit über 20 Jahren betreibt er den Musikverlag Autopilot, und der ist im Moment wenigstens nur indirekt betroffen. Außerdem macht Möbius Pressearbeit. Auch für Berliner Festivals wie das CTM. Diese Plattform für experimentelle und elektronische Musik fand ja Anfang des Jahres bereits statt, die nächste Ausgabe kommt erst wieder Anfang des nächsten Jahres. Andere Termine aber sind nicht mehr zu halten. Deswegen, sagt Möbius, habe er auch bei der Pressearbeit Ausfälle zu vermelden.

Geräuschmusik mit Pop-Appeal

Als Musiker wiederum hat Guido Möbius etliche Alben vorgelegt, auf denen tricky ineinander verschraubte Sounds zu hören sind. Eine Geräuschmusik mit einem gehörigen Pop-Appeal, die manchmal richtig funky daherkommt. Also eine experimentelle Musik, die Laune macht. Vergangenes Jahr ist auch das Debütalbum von G.A.M.S. erschienen, dem Duo von Möbius und dem Schlagzeuger Andi Stecher. Hier spielt Möbius, von Haus aus eigentlich ein Gitarrist und deswegen gut vertraut mit allerlei Effekt­geräten, mit den klanglichen Möglichkeiten von Feedbacks, Rückkopplungen, die eigentlich sonst auf der Bühne als Stör­geräusche gelten oder nur des Effekts wegen eingesetzt werden.

Mit Svetlana Spajić, die bereits mit Marina Abramović gearbeitet hat, wird das Duokonzept nun zum Trio erweitert, und gern hätte man eben am Sonntag in der Kantine gehört, wie sich denn die Stimme der serbischen, in der Tradition des Balkans verwurzelten Sängerin mit der Feedback-Musik von Möbius verträgt.

Gerade arbeiteten die drei auch im Studio. Die Zeit muss genutzt werden trotz der ausgefallenen Konzerte. Denn das Trio ist eben eine musikalische Fernbeziehung, Svetlana Spajić muss aus Belgrad anreisen – und ist bereits wieder weg. Für das Berliner Konzert gibt es bereits einen Ausweichtermin im Herbst in der Kantine am Berghain. „Ob man den wahrnehmen kann“, sagt Möbius, „steht aber auf einem anderen Blatt.“

Die Luft wird dünner

Unternehmen, Freiberufler und Selbständige will das Land Berlin vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit insgesamt 600 Millionen Euro an Soforthilfen unterstützen. Das hat der Senat auf einer Sondersitzung am Donnerstagabend beschlossen. Allein 100 Millionen Euro soll es im laufenden Jahr an Soforthilfemaßnahmen für Kleinunternehmen und Soloselbständige sowie für Freiberufler geben, teilte der Senat mit.

Das „Soforthilfe II“ überschriebene Landesprogramm wende sich an die besonders hart von der Corona-Krise getroffenen Klein- und Kleinstunternehmen mit maximal fünf Beschäftigten sowie Freiberufler und Soloselbständige aus Bereichen wie Gesundheit, Handel und Dienstleistung, Jugend und Bildung, Kultur, Soziales, Sport sowie Tourismus. Die Höhe des Zuschusses ist laut Senat auf 5.000 Euro begrenzt. Er kann den Angaben zufolge aber gegebenenfalls mehrmals beantragt werden. (dpa)

Der Herbst ist sowieso die Hoffnung. „Die telefonieren sich alle wahrscheinlich gerade den Wolf, um ihre Konzerte in die zweite Jahreshälfte zu legen“, sagt Möbius. Und dass man die Ausfälle auch noch im kommenden Jahr spüren werde. Schließlich ist die Zahl der – durch die aktuelle Situation dazu gefährdeten – Spielorte begrenzt und die Konkurrenz darum nicht klein.

„Die Luft generell wird dünner“, so Möbius.

Auch wenn man sich gegenseitig kennt und freundschaftlich zunickt: Prinzipiell hat man es in der freien Berliner Konzertszene, bei den MusikerInnen wie den VeranstalterInnen, eher mit einem Einzelkämpfertum zu tun. Eine sich immer wieder lautstark zu Wort meldende und auch Forderungen stellende Interessenvertretung wie zum Beispiel die Clubcommission Berlin für die hiesige Clubszene findet sich nicht.

„Die Situation jetzt wird uns lange beschäftigen“, sagt Möbius. Im nächsten Jahr zum Beispiel bereits, selbst wenn es bald schon wieder auf die Bühne gehen sollte, im Hinblick auf die Gema-Ausschüttungen, wenn die jetzigen Konzertausfälle zu spüren sein werden.

Selbst aber will er die ­Zwangspause nutzen und Dinge, die liegen geblieben sind, erledigen. Die Steuererklärumg etwa. „Wir versuchen im Augenblick erst mal, die Nerven zu behalten.“ Ob das aber so bleibt, da solle man ihn, sagt Guido Möbius, doch mal im Sommer fragen.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

Bis zu 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland könnten mit dem Coronavirus infiziert werden, so heißt es in Schätzungen laut Robert-Koch-Institut. Es sei allerdings unklar, über welchen Zeitraum dies geschehen werde.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits zu befürchten ist. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Die Regeln sollen mindestens für zwei Wochen gelten und sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet. Dazu gehören:

■ Außerhalb des Hauses darf man sich nur noch allein, maximal aber zu zweit aufhalten oder „im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands“. In Bayern, Berlin, Brandenburg, Sachsen und dem Saarland sind die Regeln strenger. Hier braucht es einen „triftigen Grund“, um die Wohnung zu verlassen. In der Sonne zu sitzen etwa gehört da nicht dazu.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Weiter möglich bleiben der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an erforderlichen Terminen, die Hilfe für Kranke oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft.

Friseursalons und Restaurants müssen geschlossen bleiben - nur Lieferungen und der Verkauf außer Haus ist erlaubt. Sowohl Anbietern als auch KundenInnen drohen sonst Strafen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen veröffentlicht das Robert-Koch-Institut.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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