Berliner Klimaanpassungsgesetz: Bäume pflanzen, aber richtig
Bis zu einer Million Straßenbäume soll Berlin im Jahr 2040 haben. Die Stiftung Zukunft Berlin findet das gut, meint aber: Man muss schon wissen, wie.
Seit November gilt das Klimaanpassungsgesetz, das auf die Initiative Baumentscheid Berlin zurückgeht. Neben der Schaffung von „Kühlinseln“ für hitzegeplagte Quartiere und einer deutlich verbesserten Versickerung von Regenwasser – Stichwort „Schwammstadt“ – steht die Nach- und Neupflanzung von Straßenbäumen im Mittelpunkt. Bis Ende 2027 sollen wieder 440.000 Bäume die Berliner Straßen säumen, und bis 2040 soll diese Zahl massiv gesteigert werden. Die Rede ist von rund einer Million Straßenbäumen in der Stadt.
Mittlerweile kritisiert die Initiative Baumentscheid das schleppende Anlaufen der notwendigen Maßnahmen. In einer Petition fordert sie den Regierenden Bürgermeister auf, sein Wort zu halten und endlich ins Pflanzen zu kommen. Abgelehnt werden dabei Rechentricks, mit denen die Zahl der Bestandsbäume durch Nachzählungen erhöht werde.
Weil in Sachen Klimanpassung Quantität aber nicht alles ist, hat sich nun die Stiftung Zukunft Berlin (SZB) mit einem Katalog an Forderungen und Vorschlägen zu Wort gemeldet. Am Montag stellte sie ein Positionspapier vor, das sie der Senatsverwaltung für Umwelt und Klimaschutz unter der Leitung von Ute Bonde (CDU) überreichen will. Erarbeitet hat es die neu gegründete „AG Stadtgrün“ der Stiftung unter Vorsitz des Gehölz- und Pflanzenschutzexperten Hartmut Balder.
Um greifbarer zu machen, worum es den Fachleuten geht, hatte Balder zur Präsentation im Schöneberger Stiftungssitz ein paar welke Platanenblätter mitgebracht. Die stattlichen Bäume, die etwa den Ku’damm oder die Treptower Puschkinallee säumen, litten unter einer Pilzkrankheit, die die Blattnerven befalle und zu frühzeitigem Laubabwurf führten.
Ein Grund für die massive Ausbreitung des Pilzes sei, dass die Platanen vor Jahrzehnten viel zu dicht gepflanzt worden seien. „Alle sagen: Toll, dass der Ku’damm im Sommer wie ein grüner Tunnel aussieht“, so Balder. Das habe aber den Effekt, dass es zu wenig Luftaustausch unterhalb der Bäume gebe und Feuchtigkeit sowie Schadstoffkonzentration dort ansteige, was wiederum das Pilzwachstum begünstige.
Rückschnitt kann sinnvoll sein
Als man vor zwanzig Jahren die Ku’damm-Platanen einmal kräftig gestutzt habe, habe das die Pilzerkrankungen vor Ort reduziert. Allerdings sei die Maßnahme von den AnwohnerInnen und BesucherInnen nicht gerade positiv aufgenommen worden. Eine ähnliche Konfliktlage könne sich ergeben, wenn Kastanien gefällt würden, denen die Miniermotte zu stark zugesetzt habe.
Was mindestens zwei zentrale Punkte verdeutlicht: Wissenschaftlich fundierte Baumpflege tut not, in den Worten der AG: „Klimaanpassung darf nicht bei politischen Zielmarken und quantitativen Vorgaben stehen bleiben.“ Und: Die Kommunikation in die Stadtgesellschaft hinein ist genauso wichtig. „Klimaanpassung gelingt nicht gegen die Menschen, sondern nur mit ihnen“, wie es Stiftungs-Geschäftsführerin Beate Stoffers formuliert.
Dabei sieht sich die Stiftung Zukunft Berlin keineswegs in Opposition zur Initiative Baumentscheid – sie will aber die von dieser erkämpften gesetzlichen Vorgaben nachhaltig machen. Dazu fordert das Positionspapier unter anderem die Standardisierung der Baumpflanzungen über alle Bezirke hinweg. Das betreffe die Auswahl der Arten, die Bemessung der Pflanzgruben oder die Verlässlichkeit der Pflege in den Jahren nach der Pflanzung. Balder spricht von „Baumleitplänen“, die zu erarbeiten seien.
Eine Baumschule muss her
Schon bevor es ans große Pflanzen gehe, müsse das Berliner Baumkataster modernisiert und erweitert werden, inklusive einer Digitalisierung der sogenannten Leitungspläne. Schließlich ist ein entscheidendes Problem für Baumpflanzungen das Gewirr aus Leitungen für Wasser, Strom, Wärme oder Kommunikation unter Straßen und Gehwegen. Und damit in einigen Jahren das richtige Pflanzmaterial in ausreichender Menge zur Verfügung stehe, brauche Berlin wieder eine Landesbaumschule, die die Anzucht zentral übernehme.
Einen dringenden Wunsch, der nicht im Positionspapier steht, fügt schließlich noch Geschäftsführerin Stoffers an: Der „Wissenschaftliche Beirat Klimaanpassung“, das Expertengremium, das die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes begleiten soll, sei hochrangig besetzt worden, aber eine entscheidende Kompetenz fehle noch: „Es bräuchte hier unbedingt noch jemanden mit Fachverstand für die Funktionsweise der Berliner Verwaltung.“
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