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Berliner BehindertenorganisationLebenshilfe wird endlich inklusiv

Mit Christian Specht sitzt erstmals ein Mensch mit Einschränkungen im Vorstand einer Berliner Behindertenorganisation.

Bert Schulz

Aus Berlin

Bert Schulz

Christian Specht hat es geschafft: Am Samstag wurde er zu einem der fünf Vorstände der Lebenshilfe gewählt. Damit sitzt erstmals ein Mensch mit Behinderung in der Leitungsebene einer Berliner Behindertenorganisation. „Ich bin total überrascht von dem Ergebnis“, sagte der 48-jährige Specht am Sonntag der taz. Er habe nicht gedacht, dass er sich gegen zwei weitere Kandidaten durchsetzen würde.

Christian Specht kann wegen einer Lernschwierigkeit zwar nicht lesen und schreiben, ist aber seit Jahrzehnten in der linken Szene und in vielen – nicht nur linken – Parteien engagiert. Auch in der taz hat er einen Schreibtisch. In der Berliner Lebenshilfe will sich Christian Specht vor allem für die Klienten einsetzen. „Viele von ihnen sind unzufrieden, weil sie zu wenig betreut werden und dafür zu viel Bürokratie erledigen müssen“, so Specht.

Zudem will sich Specht für eine Frauenquote im Berliner Rat einsetzen – einem Gremium innerhalb der Lebenshilfe, bestehend aus Menschen mit Einschränkungen, das von Menschen mit Einschränkungen gewählt wird.

Die Berliner Lebenshilfe, 1960 als Selbsthilfeverein gegründet, kümmert sich um knapp 5.000 Menschen mit Behinderung, etwa in Wohngemeinschaften, im betreuten Einzelwohnen oder in Tagesstätten. „Die Wahl von Christian Specht ist für die Lebenshilfe ein deutlicher Schritt nach vorne“, sagte deren Sprecherin, Christiane Müller-Zurek. Die Wahl stärke die Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen. Daran beteiligten sich rund 200 der insgesamt 1.500 Mitglieder der Lebenshilfe, fast die Hälfte mittels Briefwahl.

Es gab noch einen weiteren Kandidaten mit Einschränkungen; er wurde laut Müller-Zurek jedoch nicht in den Vorstand gewählt. Bestätigt wurden Ludger Gröting als erster Vorsitzender und Ivonne Kanter als zweite Vorsitzende. Welche Aufgaben Christian Specht im Vorstand in den nächsten drei Jahren übernimmt, werde auf der konstituierenden Sitzung entschieden, so Müller-Zurek.

Korrektur: In einer früheren Fassung des Textes war der Name der zweiten Vorsitzenden falsch angeben.

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