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Bedingungsloses GrundeinkommenEhrenamt für alle

Wer sich in der Freizeit engagieren will, braucht etwas Geld. Für viele ist das nicht drin. Ein regelmäßiges Einkommen vom Staat könnte das ändern.

Soziales Engagement braucht Zeit und Geld. Fast 29 Millionen Freiwillige gibt es in Deutschland laut einer Umfrage des Familienministeriums aus dem Jahr 2019. Das sind etwa 40 Prozent der Bevölkerung.

Dabei ist der Anteil der Freiwilligen mit niedrigerem Bildungsstand und der von Armut betroffenen Menschen geringer. Das ist ein Problem, da diese Gruppen so weniger an gesellschaftlichen Entwicklungen partizipieren und weil ihre Perspektiven weniger wahrgenommen werden.

Illustration von Ali Arab Purian
Die taz total utopisch

🐾 Von der Kneipe an der Ecke bis zum solidarischen Garten in Bogotá: Junge Au­to­r*in­nen haben sich auf die Suche nach utopischen Ideen begeben. Die dabei entstandenen Artikel haben sie in einer Sonderausgabe der taz veröffentlicht.

Menschen mit höheren Einkommen können sich leichter engagieren, Mitgliedsbeiträge in Vereinen oder die Fahrtkosten sind für sie kein K.-o.-Kriterium.

Für im Engagement bislang unterrepräsentierte Gruppen könnte das bedingungslose Grundeinkommen, ein „Game-Changer“ für mehr Partizipation sein, sagt Katarina Peranić. Sie ist Vorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Aber dafür müssten sich Vereine und Organisationen auch für diese Gruppen öffnen und entsprechende Engagementangebote schaffen.

Grundeinkommen macht zufrieden

Für ein Grundeinkommen gibt es verschiedene Modelle mit dem gleichen Kerngedanken: Menschen sollen jeden Monat vom Staat so viel Geld erhalten, wie sie zum Leben benötigen. Das Pilotprojekt Grundeinkommen erforscht die Auswirkungen eines solchen Grundeinkommens auf unsere Gesellschaft. Dafür erhalten 112 ausgeloste Be­wer­be­r:in­nen drei Jahre lang 1.200 Euro monatlich.

Seit 2014 untersucht der dem Projekt angegliederte Verein Mein Grundeinkommen, wie die Utopie in der Praxis funktionieren kann. Ihr bisheriges Ergebnis: Das Grundeinkommen mache Menschen zufriedener und weniger gestresst. Es gebe ein Gefühl von Sicherheit, das zu nachhaltigeren und sozialeren Entscheidungen führe.

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen könnten mehr Ar­beit­neh­me­r:in­nen bessere Bedingungen erkämpfen und sich für eine geringere Stundenzahl entscheiden, schätzen Expert:innen.

Die Hoffnung: Wenn existenzielle Sorgen wegfallen, wären alle Menschen in der Lage, sich am gesellschaftlichen Leben, ehrenamtlich oder aktivistisch, zu beteiligen. Verschiedene Gruppen würden ihre Forderungen artikulieren. Aber Ex­per­t:in­nen streiten sich, ob ein Grundeinkommen tatsächlich finanzierbar ist.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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2 Kommentare

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  • Tuff

    Unabhängig davon, ob man sich ein Ehrenamt leisten kann: Was, wenn man einfach nicht will? Weil es im Leben schon ohnehin viel zu tun gibt, weil es einem keine Freude macht, weil zu viel Einsatz verlangt wird.

  • Philippo1000

    Ich kann die Einschätzung, dass nur finanziell Bessergestellte ehrenamtlich arbeiten, nicht bestätigten.



    Natürlich wäre Vieles leichter, wenn finanzielle Sorgen nicht bestünden. Wir leben aber auch in einer sozialen Marktwirtschaft und ich kenne sowohl Bürgergeldbezieher, als auch Asylbewerber, die ehrenamtlich arbeiten.



    Anerkennung ist nicht nur finanziell möglich.



    Es ist für mich ein Widerspruch, wenn Systmkritik, gegen "Kapitalismus", die Tatsache der Wertschätzung völlig übergeht und eine Entschädigung nur durch Geld



    für möglich hält.



    Ich bin übrigens, nach wie vor, für einen Wehr- oder Ersatzdienst.



    Das ist, obwohl oft als "Zwang" verteufelt, gar nicht so weit weg von der obigen Idee.



    Der Zivildienst war in sozialen und ökologischen Zusammenhängen möglich. Ungelernte Kräfte erhielten ab dem ersten Tag ein Einkommen, von dem sich leben ließ.



    Gerade heute, wo sich viele junge Erwachsene von der Fülle der Berufsmöglichkeiten überfordert fühlen, würde ein solcher Dienst Orientierung bieten.



    Dass die Zivis ein klarer Faktor gegen den



    " Pflegenotstand" war, dürfte klar sein.



    Neben der akuten Arbeit gegen den Trend, fanden Viele im erlernten Bereich auch eine berufliche Zukunft.



    Insgesamt war die Arbeit einer Generation für die Gesellschaft, gesellschaftsstiftend.



    Volkswirtschaftlich betrachtet, ist ein solcher Dienst am Land ebenfalls anerkennenswert. Für die Lösung der diversen Krisen brauchen wir Zusammenhalt, nicht coconing.



    Bei Abnahme idiologischer Scheuklappen eröffnen sich Möglichkeiten.



    Die Regierung hat mit den Einmalzahlungen die Tarifentwicklung positiv beeinflusst.



    Natürlich sind staatliche Maßnahmen in einem freien Markt nur ein Impuls. Doch die Inflation ist rückläufig.



    Betrachtet man den Umbau der Wirtschaft Deutschlands von Außen, wurde hier sehr souverän agiert.



    Ein "Bedingungsloses Grundeinkommen" berücksichtigt die " Lohn- Preisspirale" hingegen nicht.



    Staatliche Lenkung ist begrenzt und die Gefahr steigender Preise wäre wahrscheinlich.