Bayern München vor dem Ligastart: Souverän geht anders

Mit dem üblichen Triple-Anspruch startet der FC Bayern. Aber ohne einen Sieg in der Vorbereitung, ohne Boateng und Alaba und mit neuem Trainer.

Fußballprofis des FC Bayern München und ihr Trainer Julian Nagelsmann auf dem Trainingsplatz

Julian Nagelsmann (o.) und sein teures Ensemble Foto: Matthias Balk/dpa

Es ist ein Gefühl der Überlegenheit, das fast jeder neue Trainer beim FC Bayern ziemlich schnell kennenlernt. So schlecht kann die Vorbereitung auf die neue Saison gar nicht laufen, dass nicht das eine oder andere Erfolgserlebnis dabei ist. Zumindest in einem Testspiel gegen eine unterklassige Mannschaft geht in der Regel auch ohne noch im Urlaub befindliche vielbeschäftigte Nationalspieler nichts schief.

Dieses Mal aber gab es keine Trainingsspielchen in der Provinz, und auch die Partie der 1. DFB-Pokalrunde musste wegen mehrerer Coronafälle beim Gegner Bremer SV auf den 25. August verschoben werden. Dieses Mal gab es nur Partien gegen Li­ga­konkurrenten (1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach) und interna­tio­na­le Spitzenklubs (Ajax Amsterdam, SSC Neapel) – und dabei sprang kein einziger Sieg heraus für die Münchner und Julian Nagelsmann.

Erklärungen gibt es ein paar, aber die will der neue Trainer gar nicht mehr groß thematisieren. Sie liegen ohnehin auf der Hand. Die Vorbereitung startete Nagelsmann mit Nachwuchsspielern, Profis aus der zweiten Reihe und Neuzugang Dayot Upamecano als vielleicht einzigem Stamm­elf-­Kandidaten. Die EM-Fahrer kehrten ab Mitte Juli zurück, die letzten erst vor gut zwei Wochen, und womöglich wird deshalb der eine oder andere Leistungsträger der vergangenen Jahre beim Auftakt am Freitag gegen Borussia Mönchengladbach noch fehlen.

Trotzdem rumort es bereits ein wenig im Umfeld. Mit Siegen am Freitag und vier Tage später im Supercup gegen Dortmund wären „uns die Fans auch wohlgesonnen“, sagt Nagelsmann. „Dann kann man angreifen.“ Die Ziele sind klar – und jedes Jahr die gleichen bei den Münchnern. Meisterschaft, Pokal, Champions League – möglichst alle drei Titel gewinnen, aber auf jeden Fall die Bundesliga als Erster abschließen. „Die Mannschaft weiß, dass die anderen kein großes Interesse daran haben, dass wir zum zehnten Mal in Folge oben stehen. Sie werden alles versuchen, uns da wegzukriegen“, sagt der neue Vorstandschef Oliver Kahn.

Qualität wurde eingebüßt

Aber tatsächlich stehen die Chancen so gut wie schon lange nicht mehr für die Konkurrenz, die Münchner Vorherrschaft zu beenden, zumindest für ein Jahr. Der Kader ist zwar groß genug, aber ist er auch in der Breite gut genug? Mit dem Weggang von David Alaba und Jérôme Boateng haben die Bayern Qualität eingebüßt, aber in Upamecano nur eine aktuelle Verstärkung geholt.

Nagelsmann hat noch nie ein Star­ensemble trainiert, als Profi­trainer keinen Titel geholt.

Man werde den Markt beobachten, solange das Transferfenster offen ist, sagte Nagelsmann. Das müsse man als FC Bayern immer machen. Aber man werde „nicht jeden Preis mitgehen und mitgehen wollen“, versicherte er vor ein paar Tagen im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen. Das gelte sowohl bei einer Neuverpflichtung als auch bei der Weiterbeschäftigung etablierter Spieler.

Aber da haben die Bayern selbst Begehrlichkeiten geweckt mit ihrem sehr großzügigen Vertrag für Leroy Sané vor einem Jahr. Andere Spieler wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka erheben nun ebenfalls Anspruch auf dieses Gehaltssegment – und da stößt selbst ein finanziell so gut gestellter Verein wie der FC Bayern an seine Grenzen. Präsident Herbert Hainer hat bereits wissen lassen, dass es womöglich noch Bewegung im Kader gebe, aber „keine ganz großen Transfers mehr“. Innenverteidiger Upamecano mit gut 42 Millionen Euro Ablöse bleibt somit wohl der teuerste Einkauf der Münchner in diesem Sommer.

Und dann ist noch der Trainer, von dem man noch nicht genau weiß, ob er tatsächlich beim FC Bayern funk­tio­niert. Nagelsmann war der Wunschkandidat, und ohne Zweifel ist er hochtalentiert, selbstbewusst, hat ein gutes Gespür für Spieler und schaffte es bisher auch, diese weiterzuentwickeln – bei Hoffenheim und Leipzig. Aber er hat eben noch nie ein Star­en­semble trainiert – und noch keinen Titel gewonnen als Profitrainer. Es wird viel davon abhängen, wie gut er als Moderator ist. Den „Zampano“, versprach er bereits, werde er sicher nicht spielen. Er will sich nicht verstellen, sonst „wirst du nicht glücklich und wirst auch nie die beste Leistung bringen können“. Und das ist das, was am Ende zählt. Vor allem beim FC Bayern.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de