Bayern-Aus in der Königsklasse: Aus und Umbau

Nach dem Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League stehen die Zeichen auf Neustart – der Abschied von Trainer Hansi Flick inklusive.

Fußballspieler Thomas Müller.

„Große Enttäuschung“: Torjäger Thomas Müller nach der Partie gegen Paris Foto: Sebastien Muylaert/dpa

Thomas Müller, die alte Plaudertasche, hatte Mühe, passende Worte zu finden. Und das mag etwas heißen bei dem Offensivspieler des FC Bayern, der sich auf pointierte Aussagen sonst glänzend versteht. Er sprach von „viel Herzblut“, das die Mannschaft in diese Partie gegen Paris Saint-Germain gesteckt habe, und von einer „großen Enttäuschung“, trotz des 1:0-Sieges im Viertelfinalrückspiel aus der Cham­pions League ausgeschieden zu sein.

Die sportliche Analyse des Scheiterns ist dann aber erstaunlich schnell abgehakt. Der Titelverteidiger war gegen die Franzosen nicht die schlechtere Mannschaft, vor allem nicht beim 2:3 in München, aber eben die mit der insgesamt schlechteren Chancenverwertung. Ohne Weltfußballer Robert Lewandowski, ohne die treffsicheren Serge Gnabry und Leon Goretzka stießen die Münchner international an ihre Grenzen. „Wir pfeifen auf dem letzten Loch“, gab Kapitän Manuel Neuer angesichts der vielen Verletzten zu.

Weil keiner etwas für die Ausfälle kann, wird nicht alles infrage gestellt werden wie sonst schon manchmal nach einem Scheitern oder einer bitteren Niederlage auf europäischer Ebene – sofern die Mannschaft den Vorsprung in der Bundesliga ins Ziel bringt und den neunten Meistertitel erringt. 2012 hatte es nach dem verlorenen Finale daheim – und einer Saison ohne Titel – eine Zäsur gegeben, 2019 war das Achtelfinale-Aus gegen einen haushoch überlegenen FC Liverpool der Beginn der Demontage von Trainer Niko Kovač gewesen.

Und was wird aus Hasan Salihamidžić?

Allerdings steht auch jetzt steht ein Neubeginn bevor. Der betrifft weniger die Mannschaft, wobei auch da ein paar kleine Fehleinschätzungen korrigiert werden könnten. Sondern vielmehr geht es um die Machtverhältnisse beim FC Bayern, um neue Führungshoheiten und auch um alte Seilschaften. Und vor allem geht es um einen Trainer, der für eines der erfolgreichsten Jahre in der Bayern-Geschichte gesorgt hat, aber nun auf Abschiedstour zu sein scheint.

Dass Hansi Flick kaum mehr zu halten sein wird, offenbarte er in der Nacht von Paris selbst. In einem knapp fünfminütigen Monolog versuchte er, ein paar Antworten auf die großen drängenden Fragen zu geben, ohne zu viel preiszugeben. „Man macht sich immer Gedanken, was passiert und wie es weitergeht“, sagte er. Und Flick nahm in den Mund, was vor dem Spiel ein Tabu zu sein schien: den Namen seines womöglich künftigen Arbeitgebers. Seiner Familie, sagte Flick, wäre es egal, „ob ich jetzt vielleicht beim DFB bin und einen anderen Rhythmus hätte“.

Coach Hansi Flick am Rand des Spiels gegen Paris.

Der neue deutsche Bundestrainer? Hansi Flick, Noch-Trainer des FC Bayern München Foto: Franck Fife/dpa

Als Indiz für den bereits feststehenden Abschied zu werten, dass er einmal vergaß, den Konjunktiv zu benutzen, ist übertrieben. Der gesamte Auftritt, die ganze Rede deutete allerdings schon darauf hin, dass Flick über das Stadium des Nachdenkens längst hinaus ist und auch nicht mehr mitten in der Entscheidungsphase steckt, sondern schon sehr konkret weiß, was er tun will. Der Diskussion über Flick begegnet Kovač mit Unverständnis: „Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen, dass es trotz dieser Erfolge solche Debatten um ihn gibt“, sagte er.

Die Bayern müssen sich wohl einen neuen Trainer suchen, und der könnte Julian Nagelsmann heißen. Aber damit ist es womöglich noch nicht getan. Denn ob Hasan Salihamidžić seinen Posten als Sportvorstand behalten wird, ist mehr als fraglich. Zu stark ist der Gegenwind. Im Umfeld und an der Fanbasis. Und nun vielleicht sogar auch von den Kollegen in der Vereinsführung. Sein großer Fürsprecher Uli Hoeneß ist nur noch Ehrenpräsident, allerdings einer mit Einfluss. Wie groß der noch ist, wird sich jetzt zeigen. Karl-Heinz Rummenigge wird in seinem letzten Jahr als Vorstandsvorsitzender vermutlich nicht mehr die ganz großen Personalien entscheiden, sondern dies seinem designierten Nachfolger Oliver Kahn überlassen.

Der muss sich nun emanzipieren. Von Rummenigge, von Hoeneß. Er will, so hieß es vor dem Spiel in Paris, ein Gespräch mit Flick führen. Der wusste zwar noch nichts davon, habe aber Zeit, wie er sagt. Oliver Kahn wird auch mit Hasan Salihamidžić reden wollen, dem ehemaligen Teamkollegen. Die beiden verbindet zwar eine erfolgreiche sportliche Vergangenheit, aber die muss nicht unbedingt für eine weitere Zusammenarbeit auf Führungsebene reichen. Da sollten andere Faktoren zählen. Auf jeden Fall nicht die alten Seilschaften.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben