Basketballeuphorie in New York: Spaß an jeder Ecke
New York begeistert sich an den Erfolgen der Knicks und an sich selbst als bunte Stadtgesellschaft. US-Präsident Donald Trump wird ausgebuht.
Foto: Ryan Murphy/ap
W enn ich durch die Straßen meiner Nachbarschaft im Norden Manhattans laufe, werde ich in den vergangenen Tagen immer wieder mahnend gefragt, warum ich mir noch kein Knicks-Trikot besorgt habe. Und wenn ich mich dann so umschaue, dann schäme ich mich tatsächlich, dass ich es immer noch nicht geschafft habe, mir ein orange-blaues Textil zu verschaffen. Es gibt derzeit kaum jemanden, die nicht ihre Solidarität mit der Basketballmannschaft der Stadt modisch kundtut.
Meine Gegend ist in vielerlei Hinsicht typisch für New York. Es ist eine traditionell schwarz/lateinamerikanische Arbeitergegend, die vom Zulauf meist junger weißer Professionals noch nicht gänzlich überlaufen ist. Es gibt keinen Mangel an sozialen Reibungspunkten, doch seit ein paar Wochen ist das egal. Die Drogendealer an der Ecke können sich mit dem Architekten auf dem Weg zur Arbeit und mit dem jemenitischen Kioskbesitzer auf die Knicks einigen.
Es mag etwas kitschig klingen, aber in der Stadt herrscht seit dem Playoffs-Lauf der Knicks eine völlig andere Atmosphäre als sonst. Man nimmt Blickkontakt mit seinen Mitbürgern auf – ansonsten ein Tabu in New York. Man lächelt sich wissend an, manchmal raunt man sich ein „Go Knicks“ zu. Es macht gerade Spaß, in New York zu sein. Kultregisseur und Knicks-Edelfan Spike Lee hat es mit der schlichten Formulierung „Fun City – born again!“ beschrieben.
Die Möglichkeit, dass die Knicks ihre erste Meisterschaft seit 1973 gewinnen, hat die Stadt zusammengebracht wie kaum etwas anderes in der jüngeren Erinnerung. Und der Glaube daran ist immer noch stark, auch wenn am Dienstagabend die San Antonio Spurs die Final-Serie durch einen 115:111-Erfolg im Madison Square Garden auf 1:2 verkürzen konnten.
Neues Selbstbewusstsein
Dahinter steckt mehr als nur die Identifikation mit einem Basketballklub, dessen Fans jahrzehntelanges Leid hinter sich haben. Es ist auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins der Stadt, das der Knicks-Erfolg nur an die Oberfläche spült.
Ein Fan formulierte es nach dem zweiten Sieg gegen San Antonio in einem Spontan-Rap so: „My mayor is Muslim, my bagels are Jewish, my Christian Dior, Knicks in Four.“ Der junge Mann brachte zum Ausdruck, wie stolz man darauf ist, alles zu sein, was Trump und MAGA hassen.
Ein Ort, wo Muslime und Juden miteinander auskommen, wo man keine Angst vor dem „Great Replacement“ hat, sondern immer noch und immer wieder Pluralismus und Differenz zelebriert. Das passiert bei jeder der Hunderten von Public Viewing-Parties, die gerade bei jedem Spiel an jeder Ecke, in jedem Park und in jeder Kneipe stattfinden.
So wurde Trumps Besuch beim ersten Heimspiel der Serie am Montag mit lauten Buhrufen bedacht. Trump saß auf Einladung seines Freundes Jim Dolan, des Betreibers des Gardens, der in der Stadt auch nicht eben populär ist, in einer verglasten VIP-Box und verdöste den Großteil des Spiels. Aus Sicherheitsgründen mussten dafür die Straßen rund um den Garden gesperrt werden, Straßenpartys fielen aus. Der US-Präsident interpretierte dies indes als Jubel der Zuschauer. „Das waren in erster Linien Anfeuerungsrufe, scheint mir, lautstark und begeistert“, erklärte Trump.
Bürgermeister Mamdani hatte sich für die Finalpartie eine Stehplatzkarte für 1.000 Dollar besorgt – ein Schnäppchen, die teuersten Karten kosteten 90.000 Dollar.
Es ist in gewisser Weise das Mamdani-New York, das sich während dieser Finalserie feiert und selbstbewusst dem Land präsentiert. Ein buntes New York gewiss, aber auch ein optimistisches, freudiges, das daran glaubt, die eigenen Probleme und die des Landes überwinden zu können. So wie die Knicks jahrzehntelanges Missmanagement und einen Haufen Pech überwunden haben.
Von der Fußball-WM, die nächste Woche in die Stadt kommt, redet noch kaum jemand. Aber das Knicks-Fieber macht auch darauf Vorfreude. Dann nämlich kann sich die Stadt, so wie sie jetzt ist, der ganzen Welt präsentieren.
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