Vor den Finals in der NBA: Bekennender Softie
Victor Wembanyama führt die San Antonio Spurs ins Endspiel gegen die New York Knicks. Der Franzose vergießt Tränen der Freude und steht dazu.
S ie werden ihre geliebten Spurs also noch ein paar Tage mehr in ihre Gebete einschließen. Bilder der drolligen Schwestern vom Salesianerinnenorden des heiligen Don Bosco in San Antonio waren während der Finalserie um den Titel in der Western Conference der NBA viral gegangen. Die Damen, die Trikots ihrer Lieblingsfranchise über ihre weißen Gewänder gezogen hatten, waren aber auch wirklich ein Hingucker.
Vor Spiel vier der Serie gegen die Titelverteidiger der Oklahoma City Thunder segneten sie gar den Spurs-Center Luke Kornet. Jetzt stehen die Spurs doch tatsächlich im Endspiel um den Titel. In der Nacht auf Donnerstag beginnt die Serie gegen die New York Knicks.
Hat der Herrgott also die Gebete der Schwestern erhört? Quatsch! Es war bestimmt nicht der Herrgott, der die Serie entschieden hat. Es war Victor Wembanyama, der 2,26 Meter hohe Alleskönner in den Reihen der San Antonio Spurs. Nicht Gott also, aber doch ein Außerirdischer. Denn der Riese aus Frankreich mit dem ungewöhnlich feinen Gespür für den Ball wird gern „The Alien“ genannt.
22 Jahre jung ist Wembanyama, der zum besten Spieler der Serie um den Titel in der Western Conference gegen Oklahoma gewählt worden ist. Dass er weit mehr kann, als an den Brettern seine Größe einzusetzen, das wurde schon bewundert, als er 2023 in die NBA gekommen ist. Schon lange wundert sich niemand mehr über das ansehnliche Ballhandling des großen Mannes und dass er auch von jenseits der Dreierlinie recht treffsicher ist, auch daran hat man sich gewöhnt.
Viel diskutierte Tränen
Aber da ist noch etwas, was Wembanyama von den meisten seiner Kollegen unterscheidet. Er zeigt Gefühle. Nach dem entscheidenden 103:111-Erfolg im siebten Spiel der Serie gegen Oklahoma wollte der Franzose seine Tränen nicht verstecken. Und noch bevor die üblichen Machos in den üblen sozialen Netzwerken begannen, sich über den Softie lustig zu machen, da hatte er längst klargestellt, dass er zu seinen Gefühlsregungen steht. „Ich mag die Last, meine Emotionen zu verbergen, nicht auf mich nehmen“, stellte er klar.
Natürlich konnte das die Kommentatoren, für die echte Männer nur weinen dürfen, wenn ihre Partnerin ihnen ein Kind schenkt oder ihr Klub einen Titel gewonnen hat, nicht ruhigstellen. Wembanyama, der nach dem Sieg gegen Oklahoma zum wertvollsten Spieler gewählt worden war, hatte sich doch glatt erlaubt, schon vor dem Titelgewinn Gefühle zu zeigen. Und dann steht er auch noch dazu. Sachen gibt’s!
Da hat sich also ein ganz neuer Typus Mann auf den Weg gemacht, zum Superstar des Basketballs zu werden. Dass er das Zeug dazu hat, ist unbestritten. Dass er schon in so jungen Jahren zum ganz großen Coup ausholt, dass er das mit der jüngsten Truppe der NBA macht, sorgt für anerkennendes Staunen. Aber dass da einer unterwegs ist, der sich nicht dafür auslachen lassen will, dass er zu jeder Auswärtsfahrt ein Buch mitnimmt, daran muss sich die Liga erst noch gewöhnen.
Was er so liest, hat er jüngst auf einer Liste öffentlich gemacht. Stephen King ist dabei und Fantasy-Reihen wie „The Game of Thrones“. Die meisten Bücher auf der Liste sind auf Englisch, er liest aber auch französische Romane, „Le Magasin des Suicides“ von Jean Teulé zum Beispiel. In der Satire geht es um eine Milliardärsfamilie, die ihr Vermögen in Zeiten einer vom Klimawandel gebeutelten Welt mit Selbstmordutensilien gemacht hat. Finstere Gestalten sind das – bis auf einen, das weiße Schaf der Familie. Der sorgt dafür, dass aus dem Suizidbusiness ein Scherzartikelgeschäft wird.
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Er krempelt alles um. Beinahe so wie Victor Wembanyama das gerade mit der NBA macht.
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