BBC streicht bis zu 2.000 Stellen: Krise beim britischen Rundfunk
Die BBC plant, fast 10 Prozent ihrer Belegschaft zu entlassen. In den nächsten zwei Jahren will die Rundfunkanstalt Hunderte Millionen Euro einsparen.
afp | Die britische Rundfunkanstalt BBC will bis zu 2.000 Stellen streichen – fast 10 Prozent ihrer Belegschaft. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter erklärte Interimschef Rhodri Talfan Davies am Mittwoch, Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, „aber die Gesamtzahl der Arbeitsplätze wird um 1.800 bis 2.000 sinken“. Die BBC stehe unter „erheblichem finanziellem Druck, auf den wir zügig reagieren müssen“.
Laut einer Mail, die der AFP vorliegt, welche die BBC an ihre Mitarbeiter*innen verschickte, sollen „in den kommenden beiden Jahren“ 500 Millionen Pfund (575 Millionen Euro) von jährlich insgesamt 5 Milliarden Pfund Betriebskosten eingespart werden. Die BBC hatte kürzlich mitgeteilt, sie müsse Wege finden, um in den kommenden drei Jahren ihre Kosten um 10 Prozent zu senken. Laut ITV News und der Nachrichtenagentur PA handelt es sich um die größte Entlassungswelle seit fast 15 Jahren.
Die BBC wie die gesamte Medienlandschaft sind mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, darunter geänderten Nutzungsgewohnheiten und künstlicher Intelligenz. Der BBC-Interimschef verwies auf „eine Inflation der Produktionskosten“, einen Rückgang der Einnahmen sowie eine weiter instabile Weltwirtschaft.
Die Schwierigkeiten der BBC verschärften sich zuletzt zudem durch einen Rückgang der Einnahmen aus der Rundfunkgebühr. Das System wird in Großbritannien zunehmend grundsätzlich infrage gestellt, zudem häufen sich die Betrugsfälle. Diese Gebühr beträgt derzeit 174,50 Pfund (rund 200 Euro) im Jahr. Im März teilte die BBC mit, die Einnahmen aus der Gebühr seien seit 2017 inflationsbereinigt um 24 Prozent zurückgegangen.
Die BBC steckt auch wegen einer Verleumdungsklage von Donald Trump in der Krise. Der US-Präsident fordert mindestens 10 Milliarden Dollar Schadenersatz wegen einer von der BBC ausgestrahlten Dokumentation, in der Ausschnitte aus Trumps Rede vom 6. Januar 2021 so zusammengeschnitten worden waren, dass der Eindruck entstand, er habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen. Der Prozess in den USA soll im Februar 2027 beginnen.
Der damalige BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness hatten nach Trumps Beschwerde ihren Rücktritt erklärt. Inhaltlich wiesen sie seine Vorwürfe jedoch zurück. Die BBC hatte daraufhin angekündigt, sich juristisch gegen die Verleumdungsklage zu wehren.
Im kommenden Monat, am 18. Mai, tritt der neue BBC-Generaldirektor Matt Brittin, ein ehemaliger Google-Manager, sein Amt an. Der Brite übernimmt das Ruder bei der Rundfunkanstalt mit ihren rund 21.500 Beschäftigten in einem schwierigen Moment.
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