Auszeichnung für Schauspieler Lagerpusch: Ungewöhnliches Durchhaltevermögen
Der Schauspieler Ole Lagerpusch, dessen Darstellung eines Faschisten in Bochum für einen Eklat gesorgt hatte, bekommt den Therese-Giehse-Theaterpreis.
Foto: Armin Smailovic
Ein Monolog des Schauspielers Ole Lagerpusch hatte im Februar dieses Jahres während einer Premiere im Bochumer Schauspielhaus Tumulte ausgelöst. Nun erhält Lagerpusch für ebendiese Rolle den Therese-Giehse-Theaterpreis, wie der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) am Dienstag mitteilte.
Geehrt wird Lagerpusch, der 1982 geboren ist und an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin studiert hat, für seine Darstellung in Tiago Rodrigues' „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“. Das Stück erzählt von der besonderen Tradition einer Familie: Jedes Jahr wird ein Faschist getötet. Seit 70 Jahren wird das so verfolgt, dann kommt es zum Streit. Der Faschist, den Lagerpusch in der Bochumer Inszenierung verkörpert, entkommt und hebt zu jenem mit Fremdenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit gespickten Schlussmonolog an, der in Bochum die Gemüter erhitzte. Uraufgeführt wurde das Stück im September 2020 im Centro Cultural Vila Flor, im portugiesischen Guimarães, seitdem wird es international gezeigt. Die Fassung von Regisseurin Mateja Koležnik ist die erste in deutscher Sprache.
Mehrere der Bochumer Premierenzuschauer:innen hatten zunächst lautstark – so berichtete es im Februar dpa – ihren Unmut über den gut zehnminütigen „Monolog eines Faschisten“ geäußert. Schließlich hätten zwei Personen versucht, Lagerpusch von der Bühne zu zerren, um den Monolog zu beenden. „Es wurde handgreiflich“, wurde damals ein Theatersprecher zitiert. Im Anschluss engagierte das Theater einen Sicherheitsdienst. Außerdem wurden Diskussionen darüber laut, wie viel Provokation auf der Bühne erlaubt sei.
„Kaum erträglich“ für das Publikum nannte auch Theaterpate Felix von Manteuffel, der den Therese-Giehse-Preisträger in diesem Jahr ausgewählt hat, dessen Monolog in seiner Begründung für Lagerpusch. Der Schauspieler halte diesen „in nie nachlassender Freundlichkeit und unbeirrbarer Selbstgewissheit und mit großer schauspielerischer Überzeugungskraft“, heißt es weiter in der Mitteilung, auch Lagerpuschs „ungewöhnliches Durchhaltevermögen“ angesichts der Reaktionen auf sein Spiel hebt Manteuffel hervor.
Die Auszeichnung, die 2012 von der Berufsvertretung der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft ins Leben gerufen wurde, wird im Rahmen des Deutschen Schauspielpreises im September vergeben.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert