Ausländische Medien in China: Im Ton vergriffen

Drei Journalisten des „Wall Street Journal“ müssen China verlassen. Dabei haben sie mit den Vorwürfen gegen die Zeitung nichts zu tun.

Reporter umringen drei aus der Quarantäne entlassenen Japaner

Aus Wuhan evakuierte Japaner stellen sich am Ende ihrer Quarantäne internationalen Reporter:innen Foto: ap

Grenzwertig war die Überschrift, zutiefst beleidigend und für viele auch rassistisch: Wenn das Wall Street Journal einen Gastkommentar über China und seinen Umgang mit dem Coronavirus als „Der wahre kranke Mann in Asien“ betitelt, dann muss sich die Zeitung zu Recht heftige Kritik gefallen lassen. Dass nun drei Kollegen, die jenen Kommentar gar nicht verfasst haben, als Sündenböcke hergenommen werden und ihre Pressekarte verlieren – was heißt, dass sie das Land verlassen müssen –, lässt sich jedoch durch keine noch so untergriffige Formulierung rechtfertigen.

Treffen können hätte es beispielhaft jeden der Kolleginnen und Kollegen in Peking. Dass der Spiegel für sein kürzlich erschienenes Titelblatt „Made in China“ keine Konsequenzen zu tragen hatte, hängt nicht zuletzt auch mit der politischen Großwetterlage zusammen: Deutsche Medien können – im Gegensatz zu Kollegen aus den USA – auf ein Grundvertrauen zählen, da es um die deutsch-chinesische Beziehung zumindest wirtschaftlich gut bestellt ist.

Eklats gilt es allein aus geschäftlichen Gründen zu vermeiden. Dennoch: Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen genießen internationale Korrespondenten – insbesondere im Vergleich zu den lokalen Kollegen – immer noch relative Narrenfreiheit. Der Beweis dafür lässt sich bei der täglichen Zeitungslektüre erbringen: In fast jedem größeren Medium muss die chinesische Regierung heftige Kritik einstecken, die zuweilen auch übers Ziel hinausschießt. Oder sie muss sich zumindest ein vereinfachtes Bild gefallen lassen, das sich auf die Themenkreise Menschenrechtsverbrechen und Überwachungsstaat beschränkt.

Oftmals haben wir Korrespondenten nicht mehr zu befürchten als ein „klärendes Gespräch“ beim Außenministerium. Das sollte unsere Zunft aushalten können und nicht bei jeder Unannehmlichkeit laut aufschreien. Dann nämlich verschwimmt in der inflationär verwendeten Empörung das Gespür für wirkliche Einschüchterungsversuche autoritärer Regierungen. Genau ein solcher ist jedoch mit der Abschiebung der drei Kollegen passiert.

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Seit 2019 China-Korrespondent mit Sitz in Peking. Arbeitete zuvor fünf Jahre lang als freier Journalist für deutschsprachige Medien in Seoul, Südkorea. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.

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