piwik no script img

Auskunftei stellt Pläne vorSchufa sucht Transparenz

Die größte deutsche Auskunftei hat erstmals konkrete Pläne dazu vorgestellt, wie sie transparenter werden will. Den großen Schritt scheut sie dabei.

Aus Berlin

Svenja Bergt

Ein Jahr nach der Ankündigung der Schufa-Chefin, die Auskunftei transparenter machen zu wollen, hat das Unternehmen nun Einblick in die konkreten Pläne gegeben.

Neben kleineren Änderungen wie verständlicheren Textbausteinen für die schriftliche Kommunikation und Erklärvideos, die häufige Fragen beantworten, könnte für Ver­brau­che­r:in­nen dabei vor allem ein Tool interessant werden: Ver­brau­che­r:in­nen sollen damit auf der Webseite simulieren können, wie ihr eigener Score zustande kommt und wie er sich in Zukunft entwickelt. So sollen sie beispielsweise herausfinden, was passiert, wenn sie einen offenen Kredit weiter abbezahlen oder noch einen weiteren Mobilfunkvertrag abschließen. Wie viele der über 100 bonitätsrelevanten Merkmale die Nut­ze­r:in­nen dabei erfahren, ist allerdings noch unklar. „Der Score muss beeinflussbar sein“, sagte Schufa-Chefin Tanja Birkholz. Gleichzeitig wolle man aber eine Manipulierbarkeit vermeiden.

Die Schufa ist Deutschlands größte Auskunftei im Verbraucherbereich. Im Schnitt gehen täglich 500.000 Bonitäts-Abfragen bei ihr ein, an Spitzentagen wie dem Black Friday sind es laut Birkholz auch mal über eine Million Abfragen. Abfragende Unternehmen sind beispielsweise Händler, die die Bonität von Kun­d:in­nen einschätzen wollen, sowie Banken und Kreditinstitute. Die Einschätzung der Bonität entscheidet aber auch mit darüber, ob Menschen einen Mobilfunkvertrag erhalten – oder eine Wohnung. Somit steht die Schufa immer mehr unter Druck, bei ihren Bonitätseinschätzungen für Transparenz zu sorgen.

Die neue Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke bezeichnete das Zustandekommen des Schufa-Scores jüngst als „Black Box“. Gleichzeitig wirbt ein neuer Investor, der Anteile der Schufa übernehmen will, mit einem Mehr an Verbraucherschutz und Transparenz, wenn ihm der Einstieg in das Unternehmen gelingt.

Die nun vorgestellten Neuerungen sollen teilweise im Frühjahr sichtbar sein, das Tool für die Simulation des eigenen Scores erst später im Jahr. Allerdings wird eine zentrale Information weiterhin unter Verschluss bleiben: die Formel zur Berechnung des Schufa-Scores.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Bolzkopf

    Das ist dann wohl eher unter "Marketingkampagne" abzubuchen.