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Ausbreitung des Coronavirus Warten auf die Pandemie

Felix Lee

Kommentar von

Felix Lee

Das Coronavirus wird kommen. Solange es geht, müssen wir es lokal eindämmen – auch mit Zwangsmaßnahmen.

M enschenleere Straßen, abgeriegelte Städte, rasant steigende Infektionszahlen – nicht von China ist die Rede, sondern von Italien. Das Coronavirus, das seit zwei Monaten das Leben in China lahmlegt, hat nun auch Europa erreicht. Mehr als 100 Infizierte melden die italienischen Behörden. Auch Iran und Südkorea melden drastisch steigende Zahlen. Was bei diesen Ausbrüchen Sorge bereitet: Die Ansteckungswege lassen sich nicht mehr zurückverfolgen.

Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 ist kaum mehr zu stoppen. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hierzulande die Zahlen deutlich steigen werden – zumal kein europäisches Land so intensiven wirtschaftlichen Kontakt mit China pflegt wie die Bundesrepublik. Umso mehr erstaunt die Nachlässigkeit, mit der Deutschland bislang agiert: Anders als etwa auf dem Flughafen von Wien wird im internationalen Drehkreuzflughafen Frankfurt auch weiterhin bei ankommenden PassagierInnen aus Fernost nicht standardmäßig Fieber gemessen. Eine Dunkelziffer an Infizierten dürfte in Deutschland schon jetzt vorhanden sein.

Soll man jetzt resigniert alles laufen lassen – und hoffen, dass es so schlimm nicht wird? Nein, solange eine Chance besteht, die Ausbreitung des Virus lokal einzudämmen, sind Zwangsmaßnahmen wie Quarantäne, Schließung öffentlicher Einrichtungen und die Absperrung ganzer Orte sinnvoll. Dass Chinas Führung nach anfänglichem Verschleiern mehr als 60 Mil­lio­nen Menschen unter Quarantäne gestellt hat, war richtig. Und auch wenn eine weltweite Ausbreitung trotz aller Maßnahmen nicht zu stoppen ist, gewinnen Behörden, Krankenhäuser und WissenschaftlerInnen wichtige Zeit, sich auf eine Pandemie vorzubereiten und an Impfstoffen zu arbeiten.

Nach derzeitigem Stand ist Corona nicht gefährlicher als ein Influenza­virus. Sollte die Zahl der Corona-Infizierten hochschnellen, sollten sich Gesundheitsbehörden, Ärzte und Pflegekräfte wie bei einer Grippe auf die Behandlung von Menschen konzen­trieren, die als besonders gefährdet gelten, also Ältere und chronisch Kranke.

Für alle anderen gilt: Gesund essen, häufig Händewaschen, ausreichend schlafen. Sprich: Ruhe bewahren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Felix Lee

Felix Lee Wirtschaft & Umwelt

war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun ist er in der taz-Zentrale für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.
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1 Kommentar

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  • MJ07 MJ07

    Wenn ich richtig rechnen kann, ist die Situation wesentlich dramatischer als hier geschrieben,



    Die Sterblichkeitsrate von Corona ist etwa 2,3 %.



    Die Sterblichkeitsrate von Influenza in Deutschland ist etwa 0,022 %, weltweit unter 0,05%.



    (www.gbe-bund.de/oo...71&p_aid=75841276)



    Der Corona-Virus ist meiner Meinung nach etwa 100 mal gefährlicher als die jährliche Grippe.