Virus-Alarm auf dem Traumschiff: Gefangen in der Kabine

Heile Welt und ein Sorglos-Urlaub sollten es sein. Und jetzt das: globale Bedrohung und gefährliche Viren auf dem Luxusliner.

Das unter Quarantäne gestellte Kreuzfahrtschiff Diamond Princess.

Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne: die Diamond Princess im Hafen von Yokohama Foto: Kenzaburo Fukuhara/Kyodo News/ap

Es ist infam. Ein Virus breitet sich weltweit aus und legt auch die schwimmenden Hochburgen des neuen Massentourismus lahm. Es hat sich eingeschlichen in den scheinbar geschützten Kokon dieser Ozeanriesen, die die Welt befahren, ohne dass sich die Passagiere deren Zumutungen aussetzen müssten: Armut, Elend, Kriminalität müssen draußen bleiben.

Das ist ein Versprechen der Traumschiffe. Sicherheit scheint käuflich im bequemen Kosmos der schwimmenden Konsumhochburgen. Und nun das: globale Bedrohung und Virus-Alarm auf dem Luxusliner.

Schiffe unter Quarantäne, Anlegeverbote in den Häfen. Wegen des sich in Ostasien weiter ausbreitenden Coronavirus müssen viele Kreuzfahrer derzeit Änderungen ihrer Reisepläne hinnehmen.

Zwei Wochen lang stand die „Diamond Princess“ in Yokohama nahe Tokio unter Quarantäne. Fast 500 der über 3.700 Passagiere und Crewmitglieder wurden positiv getestet. Alle Infizierten werden in Kliniken betreut. Am Mittwoch endete die Quarantäne, die Passagiere kehren nach und nach in ihre Herkunftsländer zuück.

In Italien sind binnen weniger Stunden zwei Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Das meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag. Auch im Iran ist ein weiterer Mensch an den Folgen des Coronavirus gestorben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Samstag steigt die Zahl der toten Covid-19-Patienten in dem Land damit auf fünf. Vor allem in Südkorea greift das Virus derzeit weiter um sich. Die Behörden des asiatischen Landes meldeten am Samstag, dass sich mittlerweile 433 Personen infiziert hätten. Das sind achtmal so viele wie noch am Dienstag. In China gibt es 397 neue Krankheitsfälle. Die Gesamtzahl der Infizierten gab die nationale Gesundheitskommission mit 76.288 an, die Zahl der Toten mit 2.345. (dpa/rtr/ap)

Der „Westerdam“, einem Kreuzfahrtschiff der Holland America Line, hatten mehrere asiatische Länder das Anlegen untersagt. Das Schiff befand sich auf einer zweiwöchigen Tour, die am 1. Februar in Hongkong gestartet war. Nach tagelanger Irrfahrt durch asiatische Gewässer konnte das Schiff schließlich in Kambodscha andocken.

Nachdem bei einer Amerikanerin (83) das Coronavirus Sars-CoV-2 entdeckt wurde, sitzen die 233 Passagiere sowie 747 Besatzungsmitglieder fest. Sie dürfen das Schiff nicht verlassen, und wenn sie es verlassen, kommen sie wieder in Quarantäne.

Die Kreuzfahrtunternehmen erhöhen ihre Vorsichtsmaßnahmen und routen um. Die Rostocker Reederei Aida Cruises hat ihre Asien-Saison vorzeitig beendet. Norwegian Cruise Line, Celebrity Cruises, Cunard und P&O haben geplante Anläufe in China abgesagt. Der internationale Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) hat Reisen von Besatzungsmitgliedern durch das chinesische Festland ausgesetzt.

Gäste und Besatzungsmitglieder, die innerhalb der letzten 14 Tage vom oder durch das chinesische Festland angereist sind, einschließlich Hongkong und Macao, werden nicht an Bord gelassen. Die CLIA-Mitglieds-Reedereien stehen in engem Kontakt mit Gesundheitsexperten und Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt, einschließlich der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Entscheidet hingegen der Kunde, seine Schiffs-Weltreise aufgrund des Coronavirus nicht anzutreten, bleibt er vermutlich auf den Kosten sitzen. Im Rahmen einer Standard-Reiseversicherung ist der Ausbruch einer Epidemie am Reiseziel kein gedeckter Grund für die Stornierung der gesamten Reise. Sicherheit ist nicht immer voll käuflich, ob mit oder ohne Außenbordkabine.

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Schwerpunkte: Reise und Interkulturelles. Alttazzlerin mit Gang durch die Institutionen als Nachrichtenredakteurin, Korrespondentin und Seitenverantwortliche. Politologin und Germanistin mit immer noch großer Lust am Reisen.

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