Thema dieses Artikels ist, was die Überschrift nicht erwarten lässt, der deutsche Rassismus. Auffallend ist, dass bereits in der Überschrift ein Hinweis auf eine Ursache fuer diese gesellschaftlich weit verbreitete Einstellung gegeben wird.
Auch und gerade die linken -Kritiker- der gemeinhin als “Rechte“, oder „Nazis“ bezeichneten, bekennenden Ausländerfeine werden von Herrn Bolz als zumindest Mitschuldige dingfest gemacht.
Als Ursache werden 3 „dogmatische Lebensluegen“ angeführt. Doch dazu später.
Zunächst einmal bedient sich Herr Bolz des Stilmittels der Beleidigung des „Linken“ und „Rechten“:
„Nicht alle Probleme, die unser Land bewegen, sind heillos komplex. Manchmal würden schon ein wenig historische Bildung und gesunder Menschenverstand genügen, um sie zu lösen.“
Im -Gegensatz- dazu, sieht Herr Bolz Probleme klar vor Augen. Eigentlich wären viele Probleme ganz einfach zu lösen.
Ein bißchen Bildung, manchmal nur der ganz normale Menschenverstand -wären- ausreichend.
Aber, Fehlanzeige, selbst dieses Wenige an Voraussetzung, wenig Bildung und „eigentlich“ normaler Menschenverstand, ist nicht vorhanden oder blockiert.
Herr Bolz nutzt seine Bildung und seinen Menschenverstand um Links und Rechts auf die Sprünge zu helfen:
„Das zeigt sich vor allem in der Integrationsdebatte. Dass es hier keine Fortschritte gibt, liegt nicht an den Dummen und Ewig-Gestrigen, die man an den Stammtischen vermutet, sondern an den Linken. Das ist erstaunlich, denn Linke sind in der Regel intelligent und gebildet. Was ihr Denken blockiert, lässt sich aber sehr genau bestimmen. Es sind drei dogmatische Mythen, die wir hier kurz skizzieren wollen.“
Überraschend stellt er die erste These auf, dass die bekennenden Nationalisten mit ihrem praktiziertem Rassismus nicht das eigentliche Problem sind, sondern die Linken mit ihrer „Anti-Assimilationspolitik“ die Lösung des Problems Rassismus wenigstens zeitlich verzögern, bremsen und behindern und somit auch Wasser auf die rechten Mühlen spülen.
Diese Vorstellung und Argumentation setzt voraus, dass man die „Argumente“ der Nationalisten inhaltlich teilt, und als „Lösungsweg“ die gesellschaftliche Durchsetzung der rechten Forderungen vorschlägt. Deswegen fällt einem Herrn Bolz auch sofort ein, „dass wir in einem der ausländerfreundlichsten Länder leben“ und entzieht anders lautetenden Beurteilungen linker Kritiker den Bezug zur Realität.
Schengen, Aufenthalts-, Arbeitserlaubnis, Terrorismusverdacht; Alles ist ein „Mythos der Ausländerfeindlichkeit“ . Bitte beachten Sie, dass Herr Bolz nicht bestreitet, dass es Rassismus in Deutschland gibt. Er behauptet, dass es sich bei den offiziellen, staatlichen Massnahmen nicht um Rassismus handelt.
Der dann folgende Katalog der Kritik der „linken Lebenslügen“ mündet, ohne Ausnahme, in ein -Ja- zu allen Sonderbedingungen welche national denkende Menschen in Regierungsverantwortung einem „Ausländer“ zum Vorbehalt der Erlaubnis seines Aufenthalts auf deutschem Staatsgebiet auferlegen.
Das Verhalten und Erscheinungsbild von Neofaschisten, „Kranke Hirne unter Glatzen, Springerstiefel und Kampfhunde“, bekämpft ein Herr Bolz ebenso wie das „pathologische Verhältnis zum Patriotismus“ der Linken. Denn; „Gerade hinter ostentativer Ausländerfreundlichkeit versteckt sich oft nichts anderes als Deutschenhass.“
Die „Rechten“ und „Linken“ behindern in seinen Augen den eingeforderten „normalen“ Rassismus, der zum gesetzlichen Rahmen Europas und wiederkäuender, meinungsbildender Bestandteil jeder Talkshow geworden ist.
Vergessen Sie bitte nicht, dass der Geburtsort eines Menschen nicht in dessen Hand liegt.
Vergessen Sie bitte nicht, dass die Staatszugehörigkeit als Anspruch einer Nation an den dort geborenen Menschen zwangsweise -vollzogen- wird.
Nationalität ist keine Eigenschaft von Menschen. Nationalität ist der Anerkennunganspruch der jeweiligen Herrschaft an die dort ansässigen Menschen.
Die Gewalt der Herrschaft verwandelt die Menschen in national -sortierte- Völker.
Und damit sind wir bei Herrn Erdogan und dem von ihm in Deutschland bei einem Staatsbesuch geäußerten Satz „Assimilation ist ein Verbrechen“. Herr Erdogan hat die in Deutschland lebenden türkischen Mitbürger, als sein Volk angesprochen. Entsprechend der deutschen Definition von Menschen zum „Ausländer“, mit allen rechtlichen Konsequenzen, sieht er die Sache logischerweise genauso, aber aus der Perspektive des türkischen Staates.
Jeder türkische Passinhaber ist nur Gast, nicht Bestandteil des deutschen Volkes. Staatsrechtlich ist das die Realität (die Mischformen, 2 oder mehr Pässe, sind als Sonderformen, die Ausnahme der Regel).
Assimilation ist von dieser Seite aus betrachtet, die Mißachtung des Zuständigkeitsanspruches einer Herrschaft über sein Volk im Ausland. Integration ist die Anpassung an die Anforderungen in der Gastgebernation. Die mangelhafte „Integration der Herzen“, Erdogan betonte nämlich dass es wichtig sei 2 Sprachen zu beherrschen (1. türkisch damit man 2. besser deutsch lernt), wurde von Merkel mit der diplomatischen Formel „"In Deutschland gilt nicht die Scharia" eine Absage erteilt.
Gestritten wird hier um das Bekenntnis zur Nation. Für Herrn Erdogan heisst das eben 1. türkisch und für Frau Merkel ist das die falsche Reihenfolge.
Seither wird kritisch die Frage gewälzt, was denn besser sei für das Bekenntnis von „Ausländern“ zu Deutschland; Anerkennung des Islam oder dessen Ablehnung im Namen der „eigenen kulturellen Identität“.
Herr Bolz, und da steht er wie gezeigt nicht allein, sondern neben Angela Merkel und ihren Berufskollegen, erkennt in diesem Fall sofort das schlechte „Nationale“. Weil es sich um einen anderen Nationalismus, eben den der türkischen Herrschaft handelt. Das geht natürlich nicht, da gehört sich wenigstens ein Bekenntnis zu Europa das politisch und geografisch bekanntlich nicht identisch ist. Alles andere ist ein Angriff auf Traditionen und Werte der
Bundesrepublik.
Die moderne Staatenkonkurrenz in der „globalisierten“ Welt braucht ein Volk, das in seiner Zusammensetzung den Erfolg der eigenen Nation in dieser Konkurrenz sicherstellt. Hunger, kein Wasser, Krieg und Krankheit sind zwar für die betroffenen Menschen Fluchtgründe aber so entstehe laut Norbert Bolz „der Eindruck der Invasion am leichtesten bei Wirtschaftsflüchtlingen und beim Nachzug von Großfamilien. Natürlich muss Deutschland stets politisch Verfolgten Asyl gewähren; aber die Kriterien dafür sollten dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein.“
Der gesunde Menschenverstand gemäss eines Norbert Bolz sieht die „Invasion“ und sortiert die Zuwanderer vom Standpunkt der als Fluchtziel gewählten Gastgebernation Deutschland.
Wer „egostisch“, dem „Mythos von der Unmenschlichkeit des ökonomischen Arguments“ folgend, vor Hunger, Krieg und Krankheit flüchtet, oder hierzulande als Linker die Fluchtgründe als Asylgrund aktzeptieren will, liefert dem „Rassismus“ nicht nur die Munition, sondern sei mitverantwortlich für die Taten und Äusserungen derer, die es lieber sähen, dass Hunger, Krieg und Krankheit das Urteil von Rassisten -im Herkunftsland- gemäss ihrer "Qualitätskriterien“ vollstrecken.
Eine nette Alternative die hier als Angebot an „Ausländer“ und als Kritik an Links geäussert wird. Entweder die als „Wirtschaftsflüchlinge“ diskriminierten Menschen ertragen die widrigen „Lebensbedingungen“ in ihrer „Heimat“, oder sie dürfen ich nicht wundern, wenn hierzulande „kranke Hirne unter Glatzen, Springerstiefel und Kampfhunde“ wegen der „Invasion“ von „Ausländern, dann aber verständlicherweise!, an gutem Benehmen und
Gastfreundschaft zu wünschen übrig lasssen.
Dieses Verständnis müssen „Wir“ schon voraussetzen dürfen, und kommt von Angela Merkel, repräsentativ, poltisch formuliert, als Anforderung an Zuwanderungskandidaten in die Medien; „Sehr gutes deutsch“ ist schon erforderlich!
Die historische Bildung eines Norbert Bolz kennt auch einen Kemal Atatürk. Der war irgendwie für Europa, was schon irgendwie näher dran sei am Deutschen.
Kühn formuliert Herr Bolz seine Theorie vom Desinteresse der Linken am Thema Rassismus mit deren Präsenz auf Gemüsemarkten und der Abwesendheit derselben am Kottbusser Tor und auch am Hermannplatz.
Nur einer ist überall und beweist -dass- es möglich ist Gemüse zu kaufen und am Kottbusser Tor und am Hermannplatz zu sein. Der Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln.
Linke haben keine Kinder! Und wenn doch wollen die ihre Kinder nicht einmal auf Schulen schicken deren „Lehrer längst resigniert haben“!?
Gerade wo Herr Bolz optimistisch werden wollte, schulpflichtige Kinder machen normalerweise irgendwie vernünftig, enttäuscht die Linke abermals mit der ihr eigenen Verantwortungslosigkeit.
Damit nicht genug. Zweitens: „der Mythos des Multikulturalismus“.
Kolonien waren mit militarischer Gewalt zur Rohstoffquelle geformte Menschen- und Landmassen.
Auch in diesem Fall kommt Norbert Bolz zu einem überraschenden Ergebnis. Nicht die Opfer sind historisch betrachtet die Geschädigten, sondern die Kolonialherren. „Das Abendland als ein Schuldzusammenhang konstruiert“, ist eine fehlerhafte Selbstkritik.
So betrachtet bringen sich die ehemaligen Eroberer in einen „Schuldzusammenhang“. Links und Rechts verhalten sich dann irgendwie „undialektisch“ zwischen Multi-Kulti und Leitkultur. Die Wahrheit, das Richtige leitet Herr Bolz, brilliant und schnurgerade, durch eine kurze Analyse dieser beiden Irrwege her.
Man nehme von Multi-Kulti die Anderen, „die wir brauchen“, mische das Ganze mit den „selbstbewussten Grenzen der Toleranz“ und stelle klar wer hier das Sagen hat;
„Wahrer Multikulturalismus setzt eine Leitkultur voraus.“ Und fertig ist das, was -eigentlich- selbstverständlich ist, „dass Einwanderer sich mit dem Land ihrer Wahl identifizieren“.
Nationalismus ist der Wahre und einzige Weg dem Rassismus Einhalt zu gebieten.
Und was ist mit den Linken? Die sind gegen den Nationalismus und das ist eigentlich „Deutschenhass“ und das ist jawohl auch Rassismus! überhaupt erfinden die Linken sich das „Böse“ und heben ständig neue Synomyme für Rassismus aus der Taufe, damit sie selbst als „die Guten“ dann meinen sich alles erlauben zu können.
Und es geht noch weiter, Drittens: „der Mythos von der Unmenschlichkeit des ökonomischen Arguments.“
Herr Bolz spielt hier mit der unter Linken weit verbreiteten Meinung, dass die Bezeichnung von Menschen als „Wirtschaftsflüchtling“ und die Nichtanerkennung von wirtschaftlichen Gründen als Fluchtgrund in der Asylpolitik, dem Inhalt nach menschenverachtend und rassistisch ist.
Menschenverachtend deswegen, weil die historische und aktuelle Herrichtung der „Entwicklungsstaaten“ zu „unseren Roststoffquellen“ in diesen Staaten die zu besichtigenden Konsequenzen hat. Rassistisch deswegen, weil diese Konsequenzen als ein selbstgemachtes Resultat der vor Ort ansässigen Menschennatur vorgestellt werden.
Das ist für einen Herrn Bolz Mythos und damit keiner weiteren Betrachtung wert. Er kommt sofort zum Punkt. Deutschland braucht Personal. Nur welches?
„Vor produktiven Immigranten, die sich mit Deutschland identifizieren, hat niemand Angst. “
Wenn man die wirtschaftlichen und politischen Fluchtgründe, die Motivation der Zuwanderer, zum Ausgangspunkt der Asylpolitik macht, entsteht der „Eindruck der Invasion“. Messerscharf daher die Kritik an der 3. Lebenslüge der Linken, welche durch die „Abschaffung der Qualitätskriterien bei der Einwanderung“ dem Rassismus Tür und Tor öffnet: „Deutschland bekommt die Leute, die es braucht. Und die, die dann kommen, sind herzlich willkommen.“
Asylpolitik kann so einfach sein, wenn die Linke endlich damit aufhören würde den Rassimus in Deutschland zu fördern, indem sie die Interessen und
Bedürfnisse der Opfer von Gewalt und wirtschaftlicher Not zum Maßstab der Asylpolitik machen will. Asylpolitik soll und muss, nach Herrn Bolz, selbstverständlich nach Leistungsfähigkeit und Job-Qualifikation fragen. Der einzige Fluchtgrund der Anerkennung verdient ist der Bedarf Deutschlands an Arbeitskraft. Alles andere ist Invasion und fördert Rassismus.
Soviel Menschenverstand bringe die Rechten zum Schweigen und entlarve die Linke jetzt auch als Quelle von Rassismus. Die Grenze der Toleranz gegen Links ist erreicht.
Der Nationalismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Siehe auch:
http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/der-blick-ist-versperrt/
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