Auftakt in türkischer Süper Lig: Crashout, Macker und jede Menge Ragebait
Die türkische Liga startet mit einem Aufsteiger, der einen kurdischen Namen trägt. Das sorgt für mehr Aufregung als die großen Klubs aus Istanbul.
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D ie Sommerpause im Fußball ist vorbei – sofern man das überhaupt eine Pause nennen kann. Die Süper Lig beginnt in zehn Tagen. Das ist wirklich „Süper“ – ein Wort, das es offenbar auf die Shortlist für das Jugendwort des Jahres geschafft hat. Ironischerweise passt das Wort weniger zur türkischen Topliga als andere Begriffe auf der Shortlist: Crashout, Macker oder Ragebait. Hier also einige Dinge, auf die man in der kommenden Saison der Süper Lig achten sollte.
Nach einigen Jahren mit ständigen Veränderungen sieht es so aus, als würde Beşiktaş unter dem italienischen Trainer Vincenzo Italiano endlich wieder eine ordentliche Mannschaft zusammenstellen. Bislang sind sie noch nicht aus der Europa League ausgeschieden. Das letzte Mal, dass Beşiktaş seinen Fans solche Hoffnung machte, war vor fast zwei Jahren, als sie Galatasaray im türkischen Supercup mit 5:0 abschossen – nur um kurz darauf komplett auseinanderzufallen.
Seitdem hatte Beşiktaş fünf Trainer und war nie wirklich konkurrenzfähig. Andererseits können sie auch in zwei Tagen deutlich gegen den tschechischen Klub FC Hradec Králové verlieren und dann doch aus der Europa League ausscheiden: Crashout.
Die zweite Geschichte ist die Rückkehr des einzig wahren Aziz Yıldırım zu Fenerbahçe. Fenerbahçe leidet unter dem Atatürk-Komplex, wie ich ihn nenne. Weil man davon ausgeht, dass Atatürk Fenerbahçe-Fan war und die überwiegend säkulare Anhängerschaft ihn schmerzlich vermisst, sucht der Verein immer nach einer starken, legendären Führungsfigur. Und niemand ist legendärer als Aziz Yıldırım, der Macker von Fenerbahçe.
Wütend, kompromisslos, unberechenbar – und höchst unterhaltsam. Zwanzig Jahre lang war er Präsident von Fenerbahçe. Als er 2018 schließlich abgewählt wurde, verglichen das manche mit einem Sturz Erdoğans. Danach folgten acht Jahre ohne Meisterschaft. Und jetzt ist er zurück und auf Rache aus. Der Verein hatte zuvor hohe Schulden aufgenommen, und alles wurde auf die Meisterschaft gesetzt.
Doch Galatasaray war am Ende zu stark. Jeder wird dieses Jahr versuchen, die Bayernisierung von Galatasaray zu verhindern – eine fünfte Meisterschaft in Folge wäre Rekord. Wenn es jemand schafft, dann würde ich mein Geld allerdings eher auf Trabzonspor setzen.
Kommen wir zur dritten und meiner Meinung nach wichtigsten Geschichte der diesjährigen Süper Lig: Amedspor steigt in die Süper Lig auf. Allein die Aussprache des Vereinsnamens sorgt bei Rassisten in der ganzen Türkei für einen Kurzschluss. Ein Name, der für Rassisten ganz ohne Absicht Ragebait ist. Amed ist der kurdische und historische Name von Diyarbakır, der größten mehrheitlich kurdischen Stadt der Türkei. Aber wehe, man nennt sie Amed statt Diyarbakır, dann ist man gleich Terrorist.
Allein die Tatsache, dass Amedspor den Aufstieg geschafft hat, wird Folgen für die türkische Gesellschaft und Politik haben. Ein Faktor, der eine ansonsten geradlinige Anti-Amedspor-Haltung kompliziert macht, ist der angeblich laufende, hochgradig intransparente und im Schneckentempo voranschreitende Friedensprozess zwischen der AKP-Regierung und verschiedenen Teilen der kurdischen Bewegung, der zur Auflösung der PKK geführt hat.
Umso erstaunlicher ist es, den Vorsitzenden der MHP und der Grauen Wölfe, Devlet Bahçeli, zu hören, der noch vor drei Jahren sagte, es gebe keinen Ort namens Amed, und nun den Aufstieg des Vereins feiert. Rassismus gegen Kurden ist im Land allgegenwärtig. Schon eine sehr kleine Veränderung der politischen Lage wird sich unmittelbar auf die Stadien übertragen, und die Türkei wird schneller auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt sein, als deutsche Jugendliche ein neues Wort lernen.
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