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Auf den Drahtseilen meines GewissensDas, was nicht sterben darf

Woraus ist unser Bewusstsein, ist unser Rückgrat gemacht? Treffen sich vier und erkunden das eigene Gewissen.

W ährend wir Pfannkuchen essen, fragt A.: „Wenn dein Gewissen eine Form hätte, welche Form hätte es?“

Mein Gewissen ist etwas, das in sich selbst verknotet ist. Es besteht aus einem Material, das sehr hart ist. Drahtseile – oder Stahl. Mein Gewissen ist an unterschiedlichen Pfeilern befestigt. Es wird von Kräften, stärkeren und schwächeren, in verschiedene, gegensätzliche Richtungen gezogen. Die verschiedenen Stränge meines Gewissen treffen sich in der Mitte, begegnen sich, verbinden sich, umschlingen sich, halten sich aneignender fest, zurren sich aneinander fest, verhaken sich, verklemmen sich, verknoten sich. Die Kräfte ziehen weiter, in alle vier Richtungen gleichzeitig. Sie machen den Knoten dichter, unentwirrbarer. Je mehr sie ziehen und damit nach Auflösung verlangen, desto fester ziehen sich die Knoten in der Mitte. Wo ich bin, in Bezug auf dieses Gewissen, weiß ich nicht. Vielleicht sitze ich in der Mitte des Knotens, vielleicht bin ich eine der Kräfte, die an ihm zieht, um ihn zu entwirren, und ihn dabei verfestigt. Vielleicht bin ich alle diese Kräfte auf einmal.

Nicht alle Gewissen sind so knotig und verbindungsreich wie meines. A. sagt: „Mein Gewissen ist irgendwas, was auf und ab hüpft. Ein Tamagochi. Nicht die Plastikhülle. Nur das immaterielle Ding, was innen drin wohnt. Das, was man durch Drücken auf die Tamagochiknöpfe füttern muss. Das, was nicht sterben darf.“

B. sagt: „Mein Gewissen ist etwas, das kleiner und größer werden kann. Etwas, das sich aufbläst und die Luft wieder herauslässt. Ein Kugelfisch, mit Stacheln, die aber nicht stechen.“

C. sagt: „Mein Gewissen ist ein Pfeil. Ein Dartpfeil. Klar und präzise. Buchstäblich zielgerichtet. Die Dartscheibe ist das, worauf das Gewissen angewendet wird.“

Ich wünschte, ich könnte lernen, auf den Drahtseilen meines Gewissens herumzuklettern wie eine Seiltänzerin. Ein buchstäblicher Drahtseilakt. Ohne Absturz.

Das Gewissen ist linguistisch mit der Gewissheit verwandt. Mit dem Wissen um etwas.

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