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Arte-Dokumentation „Wie Kriege enden“Tiefe Müdigkeit der Verhandler

„Wie Kriege enden“ zeigt, welch übermenschliche Anstrengung es braucht, um Frieden zu schaffen. Denn dazu braucht es ständige Gespräche.

Ambros Waibel

Aus Berlin

Ambros Waibel

Wie Kriege enden, ist eine dringende Frage. Gerade ist die Versuchung allerdings groß, sich in absoluter Demut auf den Boden zu werfen und zu betteln und zu flehen, dass sie schlicht irgendwie enden mögen: die Kriege in der Ukraine, in Gaza, in Israel und Syrien, in Myanmar und im Sudan.

In unserer deutschen, emotional und erinnerungspolitisch verankerten Tradition enden Kriege mit dem totalen Zusammenbruch einer der Parteien; und es spielt natürlich eine Rolle, dass diese Partei die eigene ist, die aber sozusagen externalisiert wird: Niemand wünscht sich, das Kaiserreich der bis heute unangenehmen Hohenzollern hätte den Ersten Weltkrieg gewonnen; und die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg ist im Lauf einer langen ideologischen Auseinandersetzung erfolgreich zur Befreiung umgelabelt worden.

Dass Sieger und Besiegte sich meist nicht so klar voneinander abgrenzen lassen, zeigt die Arte-Dokumentation „Wie Kriege enden und Frieden möglich ist“. Immer wieder muss gesprochen werden, immer wieder werden Gespräche unterbrochen, immer wieder kommt es zu Gewalt, die dann wieder verziehen werden muss, um wieder sprechen zu können.

Das führte etwa im Fall Südafrika zu einem echten qualitativen Wandel: Aus einem Unrechtsstaat wurde ein Gemeinwesen, das unter gewaltigen Ungerechtigkeiten leidet, aber eben grundsätzlich alle Menschen in ihm als gleichberechtigt anerkennt.

die doku

„Wie Kriege enden und Frieden möglich ist“

in der Arte-Mediathek

bis 14. Oktober

Bei den Verhandlern, die zu Wort kommen – fast ausschließlich Männer – kann man eine tief verwurzelte Müdigkeit spüren, ein posttraumatisches Syndrom der fast übermenschlichen Anstrengungen, immer wieder ins Gespräch zu kommen. Bei den aktuellen Konflikten lässt sich diese Bereitschaft beim führenden Personal nur sehr partiell erkennen, beim ukrainischen Präsidenten Selenskyj etwa. Lassen wir die Gutwilligen nicht allein.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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1 Kommentar

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  • "Denn dazu braucht es ständige Gespräche. "

    Nein, es braucht nicht endlose Gespräche, sondern den Sieg der guten Seite – zumindest in verbrecherischen Angriffskriegen. Hören wir auf, vom bequemen Ende des Krieges in der Ukraine zu träumen, bei dem wir nichts tun müssen. Wir müssen der Ukraine helfen, Russland in der Ukraine eine Niederlage zuzufügen – und zwar so lange, bis die Russen das gesamte Land verlassen haben.

    Schon aus purem Eigeninteresse: Es ist viel günstiger, russischen Imperialismus in der Ukraine zu stoppen, als später selbst massiv aufrüsten zu müssen. Wollen wir wirklich diese „Gelegenheit“ verstreichen lassen und lieber Jahre und Milliarden mehr in unsere eigene Verteidigung stecken, als nach einer russischen Niederlage nötig wäre?

    Einen Brand beim Nachbarn löscht man am besten, indem man ihm maximal hilft – nicht, indem man abwartet, bis das Feuer aufs eigene Haus übergreift. Dafür braucht es nicht einmal Moral oder demokratische Werte. Schon vorausschauender Egoismus sollte uns überzeugen!