Arte-Dokumentation „Wie Kriege enden“: Tiefe Müdigkeit der Verhandler
„Wie Kriege enden“ zeigt, welch übermenschliche Anstrengung es braucht, um Frieden zu schaffen. Denn dazu braucht es ständige Gespräche.
In unserer deutschen, emotional und erinnerungspolitisch verankerten Tradition enden Kriege mit dem totalen Zusammenbruch einer der Parteien; und es spielt natürlich eine Rolle, dass diese Partei die eigene ist, die aber sozusagen externalisiert wird: Niemand wünscht sich, das Kaiserreich der bis heute unangenehmen Hohenzollern hätte den Ersten Weltkrieg gewonnen; und die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg ist im Lauf einer langen ideologischen Auseinandersetzung erfolgreich zur Befreiung umgelabelt worden.
Dass Sieger und Besiegte sich meist nicht so klar voneinander abgrenzen lassen, zeigt die Arte-Dokumentation „Wie Kriege enden und Frieden möglich ist“. Immer wieder muss gesprochen werden, immer wieder werden Gespräche unterbrochen, immer wieder kommt es zu Gewalt, die dann wieder verziehen werden muss, um wieder sprechen zu können.
Das führte etwa im Fall Südafrika zu einem echten qualitativen Wandel: Aus einem Unrechtsstaat wurde ein Gemeinwesen, das unter gewaltigen Ungerechtigkeiten leidet, aber eben grundsätzlich alle Menschen in ihm als gleichberechtigt anerkennt.
„Wie Kriege enden und Frieden möglich ist“
in der Arte-Mediathek
bis 14. Oktober
Bei den Verhandlern, die zu Wort kommen – fast ausschließlich Männer – kann man eine tief verwurzelte Müdigkeit spüren, ein posttraumatisches Syndrom der fast übermenschlichen Anstrengungen, immer wieder ins Gespräch zu kommen. Bei den aktuellen Konflikten lässt sich diese Bereitschaft beim führenden Personal nur sehr partiell erkennen, beim ukrainischen Präsidenten Selenskyj etwa. Lassen wir die Gutwilligen nicht allein.
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