Rodungen im Dannenröder Wald: Tag X ist gekommen
Pünktlich zum Ende der Vegetationsphase rücken Baumfäller und Polizei im besetzten Wald an. Hier soll für den Weiterbau der A49 gerodet werden.
Um 7.25 Uhr twitterten Umweltaktivist:innen, die seit mehr als einem Jahr dort leben, die ersten zehn Polizeifahrzeuge seien im Herrenloswald zu sehen gewesen, „schön mit Blaulicht und Sirenen über den Feldrand gefahren“. Um 8 Uhr hieß es, die Polizei habe Baumhäuser im Herrenwald umstellt. Die “Osthessen News“ zeigten um 8.34 ein Foto, das Polizeifahrzeuge zeigt, die einen Bagger schützen sollen, „der heute für die Rodungen benötigt wird“.
Greenpeace kündigt an, ab 11 Uhr vor dem Landtag gegen die Waldrodung zu protestieren – und zwar mit einem 1,7 Tonnen schweren, abgeholzten Baum aus dem Dannenröder Forst. Die Polizei hat das Gebiet weiträumig abgesperrt, um anreisenen Aktivist:innen den Zugang zu erschweren.
Man gehe von einer „komplexen und schwierigen Einsatzmaßnahme“ aus, hatte Polizei-Pressesprecherin Silvia Frech am Mittwochnachmittag vor Journalist:innen erklärt. Neben Polizisten aus Hessen sollten auch weitere Kräfte aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengezogen werden. Die Beamten rechnen mit „einem wochenlangen Einsatz“, bis die Baumhäuser und im Wald geschaffenen Strukturen geräumt sein könnten. „Wir rechnen mit großem Widerstand“, sagte die Sprecherin. Was die Straßenbaufirma für Donnerstag genau plane, sei unklar.
Größere Dimension als im Hambacher Wald
Wegen der Größe des Gebiets habe der Einsatz größere Dimensionen als rund um den Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen. Etwa 150 Aktivist:innen halten sich nach Angaben der Polizei derzeit im Wald auf. Seit einem Jahr protestieren Umweltschützer:innen im Dannenröder Forst gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel, die durch den Wald führen soll.
In einem im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichten Video der Polizei hieß es, dass es nicht geduldet werde, wenn sich Aktivisten der Maßnahme widersetzten. „Wir werden ganz klar dagegen vorgehen, wenn es zu Straftaten kommt und Meinungen nicht friedlich und im rechtskonformen Rahmen geäußert werden“, sagte Sprecherin Sylvia Frech.
Der eigentliche Bau der Autobahn soll laut dem Landkreis Vogelsberg am 1. September 2021 beginnen. Als Vorbereitung dazu sollen zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 rund 27 Hektar des Walds gerodet werden. Die Strecke durch den Dannenröder Forst soll den Planungen zufolge rund drei Kilometer lang werden.
In der vergangenen Woche hatte der Landkreis per Allgemeinverfügung die weitere Nutzung der Baumhäuser im Wald verboten. Die Aktivisten wurden dazu aufgefordert, das Gebiet bis Mittwoch zu räumen. Als Reaktion kündigten die Umweltschützer Widerstand an.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Verkehrsminister wollen Kostensenkung
Luxusgut Führerschein
Urteil gegen Marine Le Pen
Populistische Wut am Köcheln halten
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten