Proteste im Dannenröder Wald: Erste Bäume gefällt

Seit einem Jahr besetzen Aktivist*innen den Dannenröder Wald, um eine Rodung zu verhindern. Nun rückten die Holzfäller an.

Ein roter Harvester und zwei behelmte Polizisten zwischen Bäumen

Die ersten Rodungsarbeiten im Herrenwald beim Dannenröder Forst Foto: Andreas Arnold/dpa

HAMBURG taz | Im Barrio „Okay im Norden“ ist seit Donnerstagmorgen, 1. Oktober, nichts mehr okay – Polizist*innen haben es umstellt. „Barrios“ heißen die Baumhaussiedlungen, die Klimaaktivist*innen in bedrohten Wäldern, wie 2018 im Hambacher Forst, errichten. In diesem Jahr ist der Hotspot der radikalen Baumschützer*innen der Dannenröder Wald im hessischen Vogelsbergkreis. Seit einem Jahr sind sie vor Ort um die Abholzung des Mischwaldes zugunsten der Autobahn A49, die Kassel und Gießen verbinden soll, zu verhindern.

Seit dem 1. Oktober ist die Vegetationsphase vorbei – nun dürfen Bäume gefällt werden. Kurz nach Sonnenaufgang meldeten die Aktivist*innen auf Twitter die Ankunft erster Polizeifahrzeuge am Waldrand.

Um neun Uhr ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort, die Autobahngesellschaft Deges rückt mit Kettensägen an. Um zehn fällt der erste Baum. „Wir sind wütend und entsetzt“, sagt Marie K., Aktivistin des Bündnisses „Wald statt Asphalt“. „Dass die schwarz-grüne Landesregierung im Jahr 2020 einen Wald für eine Autobahn roden lässt, ist ein Zeichen für eine absolut verfehlte Verkehrspolitik.“

Gerodet wird zuerst allerdings nicht direkt im Dannenröder Wald, sondern im nördlich davon gelegenen Herrenwald – einem Fauna-Flora-Habitat- Schutzgebiet (FFH) mit selten gewordenen Tieren und Pflanzen. Der Dannenröder Wald und der Herrenwald sind zudem Trinkwasserschutzgebiete, die auch die Bevölkerung des Rhein-Main-Gebiets versorgen.

Naturschützer*innen und Anwohner*innen wehren sich seit Jahrzehnten gegen den Bau der A49. Zuletzt im Juli wies das Bundesverwaltungsgericht zwei Klagen des BUND zurück, obwohl es der Argumentation der Umweltschützer*innen zum Teil folgte.

Keine einfache Räumung

Dass die Räumung keine einfache Sache wird, darauf stellt sich auch die Polizei ein. Mehrere Hundert Aktivist*innen haben es sich im letzten Jahr auf den Bäumen so gemütlich gemacht, wie es eben geht. Brücken in mehreren Metern Höhe verbinden die Baumhäuser, Gemeinschaftsräume und Küchen hängen in den Ästen. Auf dem Boden haben die Aktivist*innen Barrikaden und schwer räumbare Tripods errichtet. Die Polizei rechnet mit einem Einsatz von mehreren Wochen.

Nach dem Blockadewochenende von Ende Gelände im Rheinland waren einige Aktivist*innen gleich in der Region geblieben, um sich dem Protest im Dannenröder Wald anzuschließen. Am Freitagmittag errichteten Unterstützer*innen Sitzblockaden, um die Holzfällmaschinen zu blockieren. Parlamentarische Beobachter*innen und Pressevertreter*innen berichteten auf Twitter, dass die Polizei sie nicht zum Ort des Geschehens lasse. Mehrere Journalist*innen gelangten trotzdem in den Wald.

Der Fotograf Björn Kietzmann berichtete der taz, dass die Polizei ihn mit der Androhung, sein Auto abzuschleppen, aus dem Wald holte. Auf Druck der Reporter*innen richtete die Polizei mit Flatterband abgesperrte Zonen für die Berichterstattung ein – allerdings in einiger Entfernung zu den Baumhäusern.

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