Arbeitskampf in Frankreich: Reinigungskräfte gegen Hotelkonzern

Rachel Keke und weitere Frauen streiken seit 22 Monaten für bessere Arbeitsbedingungen bei der Hotelkette Accor – und bezwingen das Unternehmen.

Portrait von Rachel Keke

Kämpfen lohnt sich, sagt sie: Rachel Keke im Interview mit dem online Medium „Urbania“ Foto: Urbania/youtube/screenshot taz

„Kämpfen zahlt sich aus, auch wenn es zehn Jahre dauert“, rief Rachel Keke bei der letzten Kundgebung mit ihren Mitstreiterinnen. Und gekämpft hat sie lange. Keke ist Putzkraft in einem Ibis Hotel des Pariser Viertels Batignolles und schloss sich vor 22 Monaten mit 20 anderen Frauen zum Streik zusammen.

Der Gegner: Die Hotelkette Accor. Als „femmes de chambre“, als „Zimmerfrauen“ waren die Streikenden von dem Subunternehmen STN angestellt, Überstunden wurden nicht gezählt, Jobsicherheit gab es erst recht nicht. Wechselte Accor das Subunternehmen, konnten sie alles verlieren. Die Frauen, alle aus verschiedenen Ländern Afrikas eingewandert und zumeist ohne französischen Pass und ohne Abschluss, schienen am kürzeren Hebel zu sitzen.

„Was sie vergessen: Wir machen sie reich“, sagte Rachel Keke schon 2020 in einem Interview mit dem online Medium Urbania. „Die Arbeit der Zimmerfrauen hat sie zu Milliardären gemacht. Aber wenn wir nicht arbeiten?“

Tatsächlich stand die börsennotierte Hotelkette mit den Milliardenumsätzen unter Druck, als die Zimmer des zweitgrößten Hotels Frankreichs nicht hergerichtet waren. Vor gut einem Jahr wurden Keke und ihre Mitstreiterinnen coronabedingt allerdings in die Teilarbeitslosigkeit entlassen. Ende des Streiks? Von wegen. Mit gelben Warnwesten und Trommeln kamen die Frauen regelmäßig vor verschiedene Hotelfilialen von Accor, warfen Konfetti – auch das höchst unangenehm für den Konzern, da die Kundschaft zwangsläufig aufmerksam wurde.

Nach dem fast zwei Jahre dauernden Kampf, der selbst Teilen der Gewerkschaft CGT irgendwann zu viel wurde, können die Streikenden nun auf Erfolge blicken. Am Dienstag Vormittag unterzeichnen sie eine Einigung.

Ein feministischer Kampf

250 bis 500 Euro monatlich mehr haben sie erkämpft – je nach Anstellungsverhältnis. Auch der Verpflegungszuschuss wird verdoppelt. Bisher mussten die Putzkräfte außerdem unter Androhung von Kündigung in 17 Minuten ein Zimmer samt Badezimmer putzen: 17 Minuten für Bettwäschenwechsel, Staubsaugen, Müll leeren, lüften und Aufräumen. „Das macht uns krank und zerstört unseren Körper“, beschrieb Keke diesen Arbeitsrhythmus. Nun wird schriftlich festgehalten: Zwei bis drei Zimmer stündlich sind das Maximum. Auch soll ein Zählsystem verhindern, dass unbezahlte Überstunden geleistet werden.

Die ursprüngliche Forderung der Gewerkschafterinnen bleibt zwar unerfüllt: Die Frauen wollten eine Anstellung bei Accor, statt über ein Subunternehmen beschäftigt zu werden. Die aktuelle Einigung ist für sie trotzdem ein Sieg: Demnach dürfen sie nicht entlassen werden, auch nicht, wenn Accor mit anderen Subunternehmen arbeitet. Die Einigung über die Arbeitsbedigungen gilt also sowohl für den Konzern wie auch für alle möglichen Nachunternehmen.

Rachel Keke und tritt seit 2019 auf linken Portalen in Talkshows auf und kommt in Podcasts zu Wort. Im Interview kündigt sie an, sich in der Folge feministisch organisieren zu wollen. Die Frauen in der Hotellerie behielten viel für sich. „Aber wenn du auf sie zugehst, lernst du und denkst: wow! Deshalb muss man eine große feministische Organisation schaffen.“

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