Antirassismus in Manchester: Solidarität mit Marcus Rashford

Im Heimatort des Fußballstars wurde sein Wandgemälde nach der EM beschmiert. Nun ist es ein antirassistischer Versammlungsort.

Dutzende Menschen schauen auf ein Wandgemälde

Das Wandgemälde von Marcus Rashford in Manchester, Dienstag Foto: Peter Powell/reuters

LONDON taz | „Du solltest stolz sein auf alles, was Du für unser Land getan hast,“ schreiben Jordan und Tina. Tausende solche Botschaften stehen auf Karten, Briefen und Zetteln, mit individuellen Widmungen, Gedichten, Kindergemälden. Dazu gibt es Englandfahnen mit Unterschriften, Herzen in allen Farben, ein Druck mit der Black Power Faust, und immer wieder die Worte „Danke“, und „unser Held“.

So antwortet die empörte Mehrheit in Manchester darauf, wie jemand mit rassistischen Schmierereien seinen Frust über die Fußballniederlage Englands im EM-Finale gegen Italien am Sonntag mit rassistischen Worten auf einem übergroßen Wandgemälde des Fußballers Marcus Rashford in Manchester ausgelassen hatte.

Bereits am Montag wurden die rassistischen Worte auf dem Wandgemälde in dem Stadtteil, in dem Rashford aufwuchs, abgedeckt. Inzwischen ist die Wandmalerei anderweitig verziert – mit einem bunten Mosaik der individuellen Widmungen und Danksagungen.

Es pilgern nun auch von überall Leute hierher, als Ausdruck ihrer Solidarität – mit Rashford, aber auch mit den beiden anderen schwarzen englischen Nationalspielern Jadon Sancho und Bukayo Saka. Alle drei hatten ihre Elfmeter beim EM-Finale verschossen, was Italien den Sieg bescherte. In sozialen Medien ergossen sich daraufhin rassistische Beschimpfungen über sie. Die Beschimpfungen wurden in Politik und Gesellschaft einhellig scharf verurteilt.

Solidarisches Mosaik ist drei Meter hoch

Das solidarische Mosaik ist inzwischen bis zu drei Meter hoch und dürfte noch weiter wachsen. Am Dienstagnachmittag kam es zudem zu einer kleinen Versammlung, bei der die Anwesenden gemeinsam als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gingen, Danke sagten und „Black Lives Matter“ skandierten. Ein kleiner etwa sieben Jahre alter Junge erklärte über eine Sprechanlage, er habe mit Rashford gezittert und sei ihm für seinen Fehlschuss „gar nicht böse“.

Rashford hatte am Montagabend ein zweiseitiges Statement in den sozialen Medien veröffentlicht, in dem er über seinen verschossenen Elfmeter schrieb, und über sein Gefühl, das Team im Stich gelassen zu haben. „Ich kann Elfmeter im Schlaf verwirklichen, wieso nicht diesen? Alles, was ich sagen kann, ist Entschuldigung. Ich wünschte, es wäre anders verlaufen“, schrieb er.

Dass nun seine Hautfarbe und sein Aufwachsen thematisiert werde, erwarte er, so Rashford – auch Kritik an seinem Elfmeter. Er werde sich aber nie dafür entschuldigen, wer er sei und er herkomme. „Ich bin Marcus Rashford, ein 23 Jahre alter Mann aus Withington und Wythenshawe, Südmanchester. Wenn ich nichts anders habe, habe ich das. Danke für Eure lieben Botschaften. Ich werde stärker daraus hervorgehen, wir werden stärker daraus hervorgehen.“

Rashford setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Schulkinder aus ärmeren Verhältnissen – Umstände, die er aus der eigenen Kindheit kennt – auch während des pandemiebedingten Lockdowns und in den Schulferien kostenlose Schulmahlzeiten erhalten. Er rang Premierminister Boris Johnson entsprechende Zugeständnisse ab und erhielt letztes Jahr den Verdienstorden der Queen. Und auch daran erinnert die Solidarität jetzt in Manchester. „Danke für all unsere Abendessen“ steht da auf einem gelben Zettel in Kinderschrift. Unterschrieben: Reggie, sechs Jahre alt.

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