Ankunft in der Wohnung nach dem Urlaub: Karnickelweg 7b frisch renoviert
Bei unserer Rückkehr nach sechs Wochen Urlaub erkennen wir unser Wohnhaus kaum wieder. Meine Frau freut sich. Und mir kommt eine lukrative Idee.
Foto: Maurizio Gambarini/dpa
W ir haben mit der Familie sechs Wochen Urlaub in der Türkei verbracht und wir sehen jetzt so richtig knackig braun aus, dass die Nachbarn im Karnickelweg 7b Schwierigkeiten haben, uns wiederzuerkennen. Wir unserseits tun uns auch schwer, unser eigenes Haus zu erkennen.
Die Wohnungsbaugesellschaft hat die Außenfassade und das Treppenhaus komplett „modernisiert“. So steht es jedenfalls in dem Brief, den wir in unserem ebenfalls „modernisierten“ Briefkasten gefunden haben.
„Bestimmt wird jetzt die Miete erhöht“, schimpfe ich. „Ich kenne diese Halsabschneider. Wenn sie auch nur einen einzigen rostigen Nagel reinhauen, wollen sie gleich mehr Kohle!“
Im Gegensatz zu mir freut sich meine Frau riesig über das „neue“ Treppenhaus: „Endlich sieht der Flur aus, als würden hier Menschen wohnen und nicht irgendwelche Tiere“, ruft sie begeistert.
„Wenn das so ist, kann ich ja meine groß angelegte Suche nach einer neuen Wohnung getrost zu den Akten legen“, antworte ich.
„Von welcher groß angelegten Suche redest du, Faulpelz? Durch Rumlümmeln auf dem Sofa hat noch niemand eine Wohnung gefunden!“
„Eminanim, jetzt sei mal nicht so ungerecht. Vor dem Urlaub habe ich sogar bei einer Wohnungsanzeige angerufen.“
„Ich weiß, du hast bei einer sogenannten Modellwohnung angerufen und stundenlang mit einem Callgirl namens Chantal über ihren Stundenlohn verhandelt.“
„Ich dachte, das sei die Monatsmiete für unsere zukünftige Wohnung.“
Um weiteren Vorwürfen aus dem Weg zu gehen, packe ich die Koffer und schleppe sie nach oben in die Wohnung.
„Osman, weißt du, was in dem Brief der Baugesellschaft noch steht?“, ruft mir meine Frau hinterher.
„Ich kann mir schon denken, was noch drinsteht: Wir müssen die Farbe für die Renovierung selbst bezahlen. Übrigens, Zartrosa fürs Treppenhaus halte ich für problematisch. Da hätten wir auch gleich in die Modellwohnung ziehen können.“
Eminanim überhört meine Beschwerde und liest fröhlich aus dem Brief vor: „Liebe Familie Engin, nach sechs Wochen ist die Zeit des Bohrens und Hämmerns endgültig vorbei. Um Ihre Geduld während der Renovierungsarbeiten zu würdigen, möchten wir Sie wegen des Lärms und der Unannehmlichkeiten mit 150 Euro entschädigen.“
„Das ist doch großartig. Ich schreibe denen sofort zurück“, freue ich mich.
„Osman, das ist wirklich lieb von dir. Zivilisierte Menschen müssen sich bei so viel Fürsorge und gutgemachter Arbeit einfach erkenntlich zeigen und ihren Dank aussprechen.“
„Dank? Spinnst du? Wofür denn? Ich schreibe denen, dass die letzten Wochen für uns die Hölle waren und dass wir deshalb in die Türkei flüchten mussten. Ich verlange, dass sie unsere gesamten Flug- und Hotelkosten in Höhe von 10.780 Euro übernehmen. Und zwar komplett. Das würde sogar die zartrosa Wände zum Strahlen bringen. Ich lasse mich doch nicht bei derart Unannehmlichkeiten mit nur 150 Euro abspeisen.“
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