Alles getürkt: Mein Facebook-Freund Trump
Osman hat überraschend eine Freundschaftsanfrage des US-Präsidenten erhalten, aber unter dessen Kumpane will er sich lieber nicht einreihen.
Foto: Anna Ringle/dpa
N achdem Trump seit Jahren keinen Fettnapf ausgelassen und sich darin ausgiebig gesuhlt hat, steht er nun völlig allein da – wie ein Funkturmwärter im äußersten Norden Grönlands, der gar nicht merkt, dass der Strom abgestellt ist. Selbst mitten in Istanbuls Feierabendverkehr wäre er einsam, davon mal abgesehen.
Deshalb ist es keine Überraschung, als ich heute Morgen auf Facebook diese Nachricht erhalte.
„Donald Trump möchte mit dir befreundet sein.“
Beim Blick in seine Freundesliste verspüre ich beinahe Mitleid. Gerade mal sechs Namen stehen dort: Putin, Netanjahu, Weidel, Vance, Orban, Epstein.
Nicht sehr rühmlich
Wer, bitteschön, würde schon freiwillig mit ihm befreundet sein – außer Waffenhändlern?
Also formuliere ich eine diplomatische Antwort – wissend, dass Diplomatie nicht sein Ding ist:
„Hallo Trump, in der Türkei sagt man: Wer selbst fällt, soll nicht rumheulen. Aber um dich, die USA und die restliche Welt vor dir zu schützen –, werde ich deine Freundschaftsanfrage prüfen. Es ist logisch, dass ich das nicht an die große Glocke hänge. Es wäre nicht sehr rühmlich, mit dir befreundet zu sein – außer für die Kriegstreiber und Waffenhändler natürlich.“
In dem Moment ploppt eine Nachricht von ihm auf – und zwar auf Deutsch. Sein Opa, der Bordellbetreiber, stammt ja aus Ostdeutschland.
„Hallo Osman, du als Moslem: Seit drei Wochen bombardiere ich Grönland. Bringt nichts. Soll ich mit Halal-Bomben probieren?“
„Hallo Trump, du meinst den Iran. Den Grönländern ist Halal sowas von egal“, antworte ich.
„Hallo Osman. Beide stehen auf meiner To-do-Liste zu bombardierender Länder ganz oben. Nach Grönland kommt der Iran dran“, freut er sich.
„Hallo Trump, meine Frau Eminanim schimpft die ganze Zeit mit mir. Ich muss dich blockieren. Sonst verursachst du noch einen Krieg.“
Kurz danach ploppt noch eine Frage auf – diesmal von Epstein!
„Lieber Osman, du willst die 150 Seiten Pikante-Sex-Dokumente, die ich über dich gesammelt habe, sicher diskret erwerben, nicht wahr?“
Sein Kumpel mischt sich sofort ein:
„Hallo Osman, wenn du mich blockierst, erhebe ich 100 Prozent Zölle auf den Kaufpreis der Epstein-Akten!“
„Hallo Epstein, wo bliebt hier Diskretion, wenn der geschwätzigste Kerl der Welt es auch weiß?“, schreibe ich.
„Wenn ich schon dabei bin, 100 Prozent Zölle auf alle orientalischen Waren“, meint der Kriegstreiber.
„Ich habe deutschen Pass“, antworte ich.
„200 Prozent Zölle auf alle deutschen Waren. Nicht wegen dir, sondern wegen dem blöden Friedrich April“, meint der Zollmeister.
„Mensch Trampel, halt endlich die Klappe!“, brülle ich im Namen der acht Milliarden Menschen und schlage ihm als siebten Freund Iwan den Schrecklichen vor.
„Osman, du bist neidisch, weil ich in Epstein-Akten 33.000-mal drin bin und du nur 150“, kommt als Antwort.
Ich blockiere beide. Sollen sie doch in ihrem Sumpf versinken – ohne mich!
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