Aktionstag für das Recht auf Abtreibung: Für legale und sichere Abtreibung!

In vielen Ländern Lateinamerikas gehen Frauen für das Recht auf sicheren Schwangerschaftsabbruch auf die Straße. In Chile ist Abtreibung jetzt legal.

Eine Frau mit grüner Mundschutzmaske steht in einer menschenmenge

Beim globalen Aktionstag in Santiago de Chile am Dienstag Foto: Matias Basualdo/ZUMA/imago

BUENOS AIRES taz | Am globalen Aktionstag für einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch haben in Lateinamerika und der Karibik zahlreiche Frauengruppen und feministische Organisationen für das Recht auf Abtreibung demonstriert. „Unser Recht auf Abtreibung ist und wird Gesetz in der ganzen Region sein!“, lautete eines der Mottos.

Für Jubel und Zufriedenheit sorgte eine Nachricht aus Chile. Dort hatte das Abgeordnetenhaus dem Gesetz zur Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen mit knapper Mehrheit zugestimmt.

75 Abgeordnete votierten am Dienstag für das Recht auf einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 14 Schwangerschaftswochen. 68 Abgeordnete stimmten dagegen, zwei enthielten sich. „Die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist beschlossen“, twitterte die kommunistische Abgeordnete Camila Vallejo. Die Zustimmung des Senats steht allerdings noch aus.

2017 war Chiles striktes Abtreibungsverbot erstmals gelockert worden. Seither sind Abbrüche erlaubt, wenn eine Gefahr für das Leben der Mutter besteht, der Fötus keine Überlebenschance hat oder die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.

Angst vor Rückschritten in Argentinien

In Buenos Aires waren am Dienstag vor allem junge Frauen vor das Kongressgebäude im Zentrum der Hauptstadt gezogen. In Argentinien ist ein freiwilliger Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche seit Anfang des Jahres gesetzlich erlaubt. Aus vielen Provinzen werden jedoch immer wieder Behinderungen bei der Anwendung des Gesetzes gemeldet. „Wir fordern die wirksame Umsetzung des Abtreibungsgesetzes im gesamten Staatsgebiet, eine umfassende sexuelle Aufklärung an allen Schulen und den Zugang zu Verhütungsmethoden“, sagte Yanina Waldhorn von der Kampagne für das Recht auf eine legale, sichere und kostenlose Abtreibung.

Der Protest vor dem Kongressgebäude richtete sich denn auch gegen den neuen Kabinettschef von Präsident Alberto Fernández. Erst vor zwei Wochen war der konservative und entschiedene Abtreibungsgegner Juan Manzur auf den wichtigen Regierungsposten berufen worden.

Die Ernennung des ehemaligen Gouverneurs der Provinz Tucumán wurde im linksprogressiven Teil der Regierungskoalition und in den feministischen Basisorganisationen mit großer Sorge aufgenommen. 2019 war in der Provinz Tucumán einem elfjährigen Mädchen nach einer Vergewaltigung der in diesem Fall gesetzlich zulässige Schwangerschaftsabbruch verweigert worden. Damals hatte die heutige Frauenministerin und Rechtsanwältin Elizabeth Gómez Alcorta Strafanzeige gegen Manzur wegen Behinderung einer legalen Abtreibung erstattet.

Strikte Verbote in großen Teilen Lateinamerikas

Ein freiwilliger Schwangerschaftsabbruch ist in Lateinamerika und der Karibik nur in Argentinien, Uruguay, Puerto Rico, Kuba, Guyana und in den mexikanischen Bundesstaaten Mexiko-Stadt, Oaxaca, Hidalgo und Veracruz erlaubt.

In Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Panama, Paraguay, Peru und Venezuela sind Abtreibungen nur in wenigen Ausnahmefällen zugelassen.

In den Ländern El Salvador, Honduras, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik herrscht noch immer ein striktes Abtreibungsverbot. Die Dunkelziffer der dennoch vorgenommenen Abtreibungen ist hoch.

Der globale Aktionstag geht zurück auf ein Treffen lateinamerikanischer und karibischer Frauen im November 1990 im argentinischen Küstenort San Bernardo. In ihrer damaligen Erklärung forderten sie die Legalisierung der Abtreibung und bestimmten den 28. September als „Tag für das Recht auf Abtreibung von Frauen in Lateinamerika und der Karibik“.

Das Datum war ein Vorschlag brasilianischer Frauengruppen. Am 28. September 1871 war in Brasilien das sogenannte Gesetz der „freien Bäuche“ verabschiedet worden, das allen von versklavten Frauen zur Welt gebrachten Neugeborenen die Freiheit zusicherte.

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