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Adipositas und Abnehmpillen Eine Pille hilft nicht gegen Fehlanreize

Manuela Heim

Kommentar von

Manuela Heim

Ungesunde Ernährung hat – wie das Rauchen und das Trinken – massive Konsequenzen. Statt Konsum sollte viel stärker der Verzicht propagiert werden.

S tarkes Übergewicht ist jetzt noch leichter kurierbar – verspricht die Werbung. Den Wirkstoff der Abnehmspritze Wegovy gibt es seit dem 1. September auch als Tablette für rund 200 Euro im Monat in der Apotheke. Die in der Regel selbst zu zahlende Therapie ist aber vor allem eines: eine Verlagerung der Folgen gesellschaftlicher Fehlanreize auf den Einzelnen. Ungesundes Essen und Bewegungsmangel gelten neben Rauchen und Alkoholkonsum als Hauptursachen für vermeidbare Erkrankungen.

Die gesundheitlichen Folgen trägt der einzelne Mensch – die finanziellen die Gemeinschaft der gesetzlich Krankenversicherten. Die „Schuld“ an – oder je nach Partei auch die Freiheit zu – solch gesundheitsschädlichem Verhalten wird auf politischer Ebene häufig dem Einzelnen zugewiesen. Dabei tragen Gesellschaften, in denen zum Beispiel übermäßiger Zuckerkonsum normalisiert und Kinder entsprechend konditioniert werden, ganz klar eine Mitverantwortung.

Dagegen hilft auch keine Pille. Als eine der wirksamsten Strategien der Prävention gilt: Der gesündere Weg sollte der leichtere Weg sein. Darin politisch zu investieren ist nicht nur mit Blick auf überbordende Gesundheitskosten geboten, sondern auch eine Frage des gleichberechtigten Zugangs zu einem gesunden Leben. Wie schwer sich die Politik mit dieser Form der Prävention tut, zeigt schon die Diskussion um die Einführung einer Abgabe für gesüßte Getränke, Stichwort Zuckersteuer.

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In diese Lücke zielt letztlich auch das Angebot des Herstellers von Wegovy, sich mit einer Tablette pro Tag schlanker und gesünder zu medikamentieren. Dabei ist klar: Ohne eine Änderung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten ändert sich an der Ursache nichts, und nach Absetzen des Medikaments ist es mit der Wirkung unmittelbar vorbei. Für manche Patient*innen, die ärztlich gut begleitet werden, kann die Option der Abnehmpille oder -spritze sicher eine wertvolle sein. Von der politischen Verantwortung zu wirksamer Prävention darf sie aber nicht ablenken.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Manuela Heim

Manuela Heim Gesundheit und Soziales

Redakteurin in der Inlandsredaktion, schreibt über Gesundheitsthemen und soziale (Un-) Gerechtigkeit.
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