Abkommen zwischen Damaskus und Moskau: Russlands Ära in Syrien endet
Russlands Ära als engster militärischer Partner Syriens ist vorbei. Die russischen Militärbasen am Mittelmeer gehen an die neue syrische Regierung.
Foto: Adrien Vautier/Le Pictorium/imago
Einst galten der Hafen in Tartus und der Flughafen in Latakia an Syriens Mittelmeerküste als Symbole für Russlands enge Partnerschaft mit Diktator Baschar al-Assad. Sie waren Moskaus wichtigste Militärbasen am Mittelmeer – und die einzigen, die nicht in ehemaligen Sowjetstaaten lagen. Diese Ära ist nun offiziell zu Ende. Nach monatelangen Diskussionen wurden der Hafen und der Flughafen am Sonntag in die Kontrolle der neuen syrischen Regierung übergeben.
Anderhalb Jahre hatten Syriens neue Machthaber mit Russland verhandelt. Laut dem vereinbarten Abkommen sollen die einst russischen Armeeeinrichtungen nun binnen drei Monaten zu „gemeinsamen Ausbildungszentren“ für die syrische Armee werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.
Jahrzehntelang hatten die Sowjetunion und danach Russland die Assad-Herrschaft in Syrien gestützt – auch und vor allem im Bürgerkrieg gegen Rebellengruppen ab 2012. Im September 2015 sprang Russland Assad direkt militärisch zur Seite und half mit großflächigen Bombardierungen gegen die syrische Bevölkerung und Rebellen entscheidend, ihn an der Macht zu halten.
Zentral dabei: die Luftwaffenbasis Hmeimim auf dem Flughafen in Latakia. Von dort aus starteten russische Kampfjets, um weite Teile Syriens massiv zu bombardieren: die von Aufständischen gehaltenen Teile von Aleppo, die Ghouta-Ebene im Umland von Damaskus, das Umland der Städte Homs und Latakia, auch Daraa im Süden. Offiziell sprach Russland von Militäreinsätzen gegen Terroristen. Tatsächlich traf es insbesondere die Zivilbevölkerung – am längsten in der Region Idlib, nach 2017 die letzte Rebellenhochburg Syriens.
„Symbol der russischen Intervention“
Das russische Verteidigungsministerium zählte bis 2018 mehr als 39.000 russische Kampfeinsätze in Syrien. Die UN und Menschenrechtsorganisationen dokumentierten Bombardierungen von Krankenhäusern, Schulen, Märkten und Wohngebieten. Tausende Zivilist*innen wurden getötet und Millionen vertrieben.
„Im Mai 2029 wurde mein Haus getroffen“ schreibt der Journalist Fared Al Mahlool. „Für viele Syrer war Hmeimim nie bloß ein Militärstützpunkt. Er war Symbol der russischen Intervention, die das Assad-Regime stützte und dessen militärische Position im Verlauf des Krieges stärkte. Heute wandelt sich dieses Bild.“
Das russische Militär testete auch in Syrien die Waffensysteme, die es später gegen die Ukraine verwendete. „Wir haben in Syrien mehr als 320 verschiedene Waffentypen überprüft“, prahlte Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu im Jahr 2021.
Als ein Rebellenbündnis Ende November 2024 von Idlib aus innerhalb weniger Tage Stadt um Stadt in Syrien vom Regime eroberte, konnte Russland nur ohnmächtig zuschauen. Am 7. Dezember, einen Tag vor dem kompletten Sturz des Regimes, sagte Außenminister Sergei Lawrow: „In der Weltdiplomatie läuft nie alles reibungslos, aber die Ereignisse, die wir heute erleben, zielen eindeutig darauf ab, alles zu untergraben, was wir in diesen Jahren erreicht haben.“ Einen Tag später nahm Russland Assad in Moskau auf, wo er mehrere Luxuswohnungen besitzen soll und bis heute „humanitäres Asyl“ genießt.
Unter anderem deswegen hat Syriens neue Regierung Russland nicht komplett den Rücken gekehrt. Ende Januar besuchte Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Putin lobte Scharaas Erfolge. Keiner der beiden verlor auch nur ein Wort über Russlands Militärpräsenz in Syrien. Die Strategie aus Damaskus lautet Annäherung und Anerkennung – nicht nur durch die USA, Europa und den Golfstaaten, sondern auch durch Russland.
Russland wollte seine Militärbasen in Syrien auch nach Assads Strurz nicht aufgeben. Die Regierung in Damaskus hatte eigentlich im Gegenzug die Auslieferung Assads gefordert. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür. Die neue Einigung ist ein Kompromiss.
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