Abgelehnter Rücktritt des Kardinals: Papst braucht Marx

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx muss im Amt bleiben. Es zeigt die personelle Not, die in der deutschen katholischen Kirche herrscht.

Portrait von Kardinal marx

Kardinal Marx in Gdansk, August 2018 Foto: Michael Fludra/imago

Eines kann man derzeit mit Sicherheit sagen über die hiesige katholische Kirche: Langweilig ist sie nicht. Große Schlagzeilen und überraschende Wendungen gibt es viele. Nun hat Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München, nicht angenommen, was ziemlich ungewöhnlich ist.

Zwar kommt die Nichtannahme solcher Bitten in der katholischen Kirche gelegentlich vor. Aber sie bleibt doch eine Ausnahme. Denn es ist wie in der Politik: Wer öffentlich seinen Unwillen bekundet, im bisherigen Amt zu bleiben, dem oder der traut man eher nicht zu, doch noch mit voller Energie weiterzumachen, und sei es um höherer Ziele willen.

Was bedeutet also dieser Schritt des Papstes? Zum einen zeigt er, dass Franziskus den Münchner braucht, für die Aufarbeitung des Skandals um sexualisierte Gewalt in Deutschland, aber auch für sein Reformprogramm für die Weltkirche – wobei „Reformprogramm“ ein etwas zu starkes Wort ist, so zögerlich, wie er sich zuletzt darum gekümmert hat.

Die Weigerung des Papstes zeigt weiterhin, wie wenig verlässliche und starke Partner oder Freunde er hat. Der Pontifex Maximus ist im Vatikan tatsächlich „unter Wölfen“, wie der Vatikanexperte Marco Politi es beschreibt. Schließlich zeigt der Schritt die personelle Not, die in der deutschen katholischen Kirche herrscht: Es gibt, siehe Priestermangel seit vielen Jahren, wenige Priester, denen man es derzeit zutrauen würde, ein solch großes und wichtiges Bistum wie das in München zu leiten.

Papst will wahrscheinlich auch Woelki halten

Nicht unwahrscheinlich ist aber auch, dass der Papst mit diesem Schritt einen weiteren vorbereitet, der die Reformkräfte in Deutschland entmutigen würde: Wenn er den Rücktritt von Marx nicht annimmt, könnte er nach dem Ende der Visitation in Köln – einer Art Inspektion durch den Vatikan – auch einen möglichen Rücktritt des dortigen Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki ablehnen.

Um auch den Konservativen das Signal zu geben: Ihr gehört noch dazu. Klar ist deshalb derzeit nur eines – die Turbulenzen in der katholischen Kirche werden noch lange weitergehen.

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