ARD-Doku über Taylor Swift: Märchen einer Milliardärin
Eine ARD-Reihe gibt Einblicke in die Karriere des frisch verheirateten Popstars Taylor Swift. Und traut sich auch an kritische Töne.
Letztes Wochenende heiratete Popstar Taylor Swift. Von der Hochzeit ist wenig bekannt, da unter dem Vorwand der Privatsphäre nur wenig nach außen dringen sollte. Mitten in New York, im Madison Square Garden, nahm sie Travis Kelce zum Ehemann. Zeitgleich erschien die Doku „The Taylor Swift Years – Schicksalsjahre eines Superstars“ in der ARD-Mediathek. Ein „modernes Märchen“, das ihre Geschichte über Ruhm und Hürden in der patriarchal geprägten Musikindustrie erzählt.
Taylor Swift ist eine der erfolgreichsten Musiker*innen unserer Zeit, „die erste Milliardärin, die mit Musik ihre Milliarden gemacht hat“, sagt Autorin Janina Rook in der Doku. Die Erzählung springt zwischen den „Eras“ und porträtiert im wahrsten Sinne das Märchen von dem Mädchen aus Pennsylvania, das Countrysongs spielte, bis ihre Finger bluteten, hin zum weltweit gefeierten Star, der die umsatzstärkste Konzerttournee der Musikgeschichte lieferte.
„Taylor Swift macht für mich Textbook White feminism. Sie kann sich immer dann äußern, wenn es für sie passt“, kritisiert die Moderatorin Hadnet Tesfai in der ARD-Reihe. Damit gemeint ist Swifts langes Schweigen zum politischen Geschehen, gefolgt von vereinzelten Statements. So passte ihr Album „Lover“, mit dem sie sich für die Rechte von LGBTIQ* und Feminismus einsetze, in den Zeitgeist der 2010er Jahre. Später unterstütze sie die Kandidatur von Kamala Harris, doch alles ein wenig „too little, too late“, wie Influencerin Alicia Joe gegenüber ARD sagt.
Unter der aktuellen Trump-Regierung ist es politisch still um sie geworden und die Kreise, in denen sie sich bewegt zunehmend konservativ. Unbestreitbar ist Taylor Swift ein internationales Popphänomen, die Generationen von Frauen geprägt hat, die Musikindustrie mehrmals herausgefordert hat und ihre „Swiftie“-Fanbase ist eine Community „for the girls and the gays“. Unbestreitbar ist aber auch, dass am Wochenende vom 4. Juli eine Milliardärin einen Millionär in einer Sportarena geheiratet hat, in einem Land, das gerade die eigene Demokratie abschafft. Ist das ihr Happy End?
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert