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8.-März-Demos in BerlinZwei Lager, ein Kampftag

Zahlreiche Gruppen mobilisieren für den feministischen Kampftag. Grabenkämpfe über den Nahostkonflikt überschatten den Kampf für Gleichberechtigung.

Lilly Schröder

Aus Berlin

Lilly Schröder

Der 8. März steht auch in diesem Jahr erneut im Zeichen des Nahostkonflikts. Gegenüber stehen sich zwei unversöhnliche Lager: ein liberaler, westlicher, oftmals weißer Feminismus, der in seiner vermeintlich emanzipatorischen Haltung auch exklusiv ist, und eine jüngere queerfeministische Bewegung, die stark durch dekoloniale Kämpfe geprägt wurde.

Zum ersten Lager kann das antikapitalistische und israelsolidarische Bündnis „Feminism Unlimited“ gezählt werden, das ab 13 Uhr zu einer All-Gender-Demo am S-Bahnhof Schönhauser Allee aufruft. Im Fokus stehen das Thema Armut und die enge Verwobenheit von Patriarchat und Kapitalismus. Im Aufruf betont das Bündnis für „universelle feministische Solidarität“ ausdrücklich den Kampf gegen Antisemitismus.

Das antiimperialistische Gegenstück bilden gleich drei Demos. Die Demo „Rise in Rage. Build in Struggle“, die ab 15 Uhr am Kottbusser Tor beginnt, wird von palästinasolidarischen Gruppen wie „Anarchists4Palestine“ und „Alliance of International Feminists“ organisiert; auch BDS Berlin ist beteiligt. Im Aufruf heißt es, der Fokus liege ausdrücklich auch auf „palästinensischen Flinta*, die für Befreiung kämpfen“. Ebenso einseitig propalästinensisch positioniert sich die Flinta*-only-Demo, die um 15 Uhr am S-Bahnhof Gesundbrunnen startet. Dazu aufgerufen hat unter anderem die Gruppe „Young Struggle“, die den Hamas-Terrorangriff auf Israel in der Vergangenheit als „Gefängnisausbruch“ und „Widerstand“ bezeichnet hatte.

Auch die traditionell linksradikale Abenddemonstration „Fight by Night“, die ab 19 Uhr am Mariannenplatz in Kreuzberg startet, zeigt sich palästinasolidarisch. Im Aufruf kündigt die „anti-imperialistische Organisation“ an, dass Länderflaggen, etwa von Israel oder Deutschland, nicht erwünscht sind. Palästina-Flaggen hingegen seien willkommen, denn diese stünden nicht nur für einen Staat, sondern für eine „revolutionäre anti-imperialistische Praxis“. Im vergangenen Jahr war es bei der Demo zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Angeführt wird die Demo von einem Flinta*-only-Frontblock, gefolgt von einem All-Gender-Block.

Nicht alle Demos beziehen Stellung

Zwei weitere Demonstrationen verzichten auf eine Positionierung zum Nahostkonflikt. Unter dem Motto „Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ mobilisieren Gewerkschaften und andere Gruppen zu einer Demo mit Schwerpunkt auf Arbeitskämpfe und Gleichstellung. Auftakt ist um 11.30 Uhr am Oranienplatz, Ziel ist das Rote Rathaus. Parallel organisiert das queerfeministische Kollektiv „Purple Ride“ eine Flinta*-only-Fahrraddemo. Los geht es um 12 Uhr am Mariannenplatz in Kreuzberg.

Für den 9. März kündigt das Bündnis „Enough!“ einen globalen Frau­en*­streik an und fordert Flinta* auf, sowohl bezahlte als auch unbezahlte Arbeit niederzulegen. Nach eigenen Angaben zählt das Bündnis über 1.000 Mitglieder aus mehr als 50 Organisationen und 42 Regionalgruppen. Zu den beteiligten Gruppen in Deutschland gehören unter anderem Fridays for Future, Omas gegen rechts und Landesfrauenräte. Die zentrale Kundgebung in Berlin beginnt um 12 Uhr vor dem Brandenburger Tor.

Richtigstellung. In einer früheren Version des Texts hieß es über den Protest von „Feminism Unlimited“: „In den vergangenen Jahren wurde der Protest von einer großen Fahne der israelischen Streitkräfte angeführt.“ Diese Behauptung ist nicht richtig. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Die Redaktion.

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