5G-Ausbau der Telekom in Bremen: 18 neue Highspeed-Antennen

Mit den ersten 18 Highspeed-5G-Antennen hat die Telekom den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards vorangetrieben. Bedenken dagegen haben es schwer.

Ein Sendemast für Mobilfunk vor blauem Himmel

Ein Sendemast für Mobilfunk – für manche ein Segen, für andere ein Grund für schlaflose Nächte Foto: Patrick Pleul/dpa

BREMEN taz | Seit November sind 18 neue Antennen der Telekom in der Stadt in Betrieb. Es sind die ersten Bremer Highspeed-5G-Antennen, die für das mobile Internet eine Übertragungsrate von bis zu einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen und damit für „Standorte mit viel Publikumsverkehr“ geeignet sind. Das teilte die Telekom mit. Diese Top-Geschwindigkeit sei der genutzten Frequenz 3,6 Gigahertz zu verdanken. Die Antennen stehen in den Stadtteilen Buntentor, Hastedt, Neuenland, Osterholz und Überseestadt.

Die 18 Antennen sollen das bestehende Angebot ergänzen. Seit Sommer stehen in Bremen bereits 300 5G-Antennen, die das Frequenzband auf 2,1 Gigahertz bedienen. Sie haben eine hohe Reichweite, sind aber nicht so schnell wie die Highspeed-Kollegen. In Städten können sie bis zu 600–800 Megabit pro Sekunde übertragen.

Seit 2019 wird der Mobilfunkstandard 5G, der Nachfolger von der vierten Generation LTE (Long Termin Evolution) ausgebaut. Dafür werden zusätzliche Frequenzen benötigt, die von der Bundesnetzagentur versteigert wurden. 5G ist vor allem deutlich schneller als das LTE-Netz, welches aber weiterhin als Ergänzung genutzt wird. Daneben sorgt es aber auch für eine höhere Netzkapazität, weswegen es besonders die Bedarfe der Industrie anspricht und der stets steigenden Datenmengen gerecht werden soll.

Nach Angaben der Telekom haben zwei Drittel der Menschen in Deutschland ein 5G-fähiges Endgerät. Jeder zweite Vertrag oder Vertragsverlängerung werde zudem momentan mit einem 5G-Gerät abgeschlossen.

Die Vorzüge von 5G liegen auf der Hand: Das Internet wird bedeutend schneller, was wichtig ist für Anwendungen wie fahrerloses Fahren. Die höher frequente Strahlung dringt zudem weniger tief in den menschlichen Körper ein – was gesundheitlich ein Vorteil sein könnte. Sie trifft auch viel zielgenauer diejenigen, die sie gerade nutzen: Das Signal wird 64-fach parallel und direkt auf den Empfänger ausgestrahlt.

Im Tierversuch wurde gezeigt, dass eine dauerhaft verabreichte extreme Dosis von 5G-Strahlung das Krebrisiko männlicher Mäuse erhöht. Ähnliches gilt für ganzkörperbestrahlte Ratten.

Das Risiko der Erbgutschädigung kann nicht ausgeschlossen werden: Nur wer nicht ganz bei Trost ist, steckt sein Handy in die Hosentasche.

In dem Kontext wirkt die Installation der 18 Antennen sinnvoll, doch es gibt Kritik. Klaus Buchner, ehemaliger Europa-Abgeordneter der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) und Atomphysiker, hält die Strahlung für gefährlich – stellt aber, oder gerade deswegen, vorweg die Frage: „Bringen die neuen Highspeed-Antennen wirklich etwas?“

Für einzelne Nutzer*innen ermögliche die schnelle 5G-Variante zwar einen schnelleren Download, ja, aber 4G reiche selbst für hochauflösende Filme aus. „In einer Stunde kriegen Sie bei 5G mehr Filme heruntergeladen, als Sie den Rest Ihres Lebens anschauen können“, sagt Buchner. „Darauf können wir verzichten.“

Aber der große Vorteil von 5G liege vor allem bei der Industrie, sagt die Telekom selbst. Ein Stichwort, was in dem Kontext immer wieder fällt: autonomes Fahren. „Viele meinen, das geht nicht ohne 5G“, sagt Buchner. Es brauche Technik mit einer kleinen Reaktionszeit. „Mein Problem ist aber: Jeder Fehler einer Funkverbindung kann hier tödlich enden.“ Buchner hält autonomes Fahren grundsätzlich für zu fehleranfällig. Für die restliche Industrie sei 5G grundsätzlich nötig – „aber dazu bräuchte man nicht nach außen funken“.

Für die entstehende Strahlung gibt die Bundesnetzagentur Grenzwerte vor. „Diese Grenzwerte werden von uns unterschritten“, sagt ein Telekom-Sprecher. Hier werde jedoch nur der Durchschnittswert bedacht, entgegnet Buchner. Wegen der intelligenteren Technik sinke die Strahlung bei 5G pro übertragenes Bit zwar, da der Datenfluss aber so massiv zunehme, steige sie insgesamt deutlich. Vor allem in den sogenannten Spitzen der Strahlung, also in den Höchstwerten, sei sie extrem, sagt Buchner, teilweise zehn- oder hundertfach höher als der Durchschnitt.

Schädlich seien diese Strahlen, weil sie zu einer Änderung der Erbanlagen führten. Die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krebsarten steige. Das würden viele Studien beweisen. „Offiziell heißt es, die wissenschaftliche Lage ist ungeklärt“, sagt Buchner. „Aber die Betreiber werfen alle Studien in einen Topf.“ Sie würden nicht unterscheiden zwischen den Studien zu verschiedenen Zellarten.

„Man weiß inzwischen, dass die Änderungen bei Knochenzellen gar nicht, bei Muskelzellen schwach auftreten. Aber bei der Weichteilzellen sind sie sehr groß.“ So wie bei Ei- und Samenzellen. Auch die Handynutzung am Ohr führe zu mehr Krebszellenbildung im Frontal- und Seitenlappen – in den anderen Hirngegenden sei die Entwicklung konstant, habe eine Studie des britischen Gesundheitsamtes belegt.

Klaus Buchner, Physiker und ÖDP-Politiker

„In einer Stunde kriegen Sie bei 5G mehr Filme heruntergeladen, als Sie den Rest Ihres Lebens anschauen können“

Auch Bürgerrechte sieht Buchner mit dem 5G-Netz bedroht. Die Informationen, die Endgeräte senden, gingen ins 5G-Netz und seien damit abrufbar für Firmen, denen man für die Nutzung „notgedrungen“ die Lizenz dazu gegeben habe.

Der BUND Bremen hat mit Buchner vor wenigen Wochen eine Veranstaltung zum Thema durchgeführt. Die Bremerinnen Heike Roaten und Sibylle Grimm vom BUND-Arbeitskreis Elektrosmog fürchten die Strahlenbelastung durch die neuen Antennen. „In den Stadtteilen wird jeder Winkel bestrahlt“, sagt Grimm. Das sei bei 4G und 3G anders gewesen. Ihre Nichte sei vor Kurzem in die Überseestadt gezogen, Grimm sorge sich um sie.

Die pensionierte Biolehrerin Roaten beschäftige sich mit der „biologischen Wirkung“ von 5G-Strahlen, die sich bereits unter den festgelegten Grenzwerten zeige. Menschen könnten unter ihrem Einfluss „elektrohypersensibel“ werden, sagt sie. Grimm sei davon selbst vor acht Jahren betroffen gewesen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen wegen der „gepulsten Strahlung“ seien die Folge gewesen. Sie fordern die Anerkennung von Elektrohypersensibilität als Krankheit und ein Moratorium für die 5G-Antennen, bis es eine Folgenabschätzung gibt.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Elektrosensibilität, wie es anderswo auch genannt wird, sind umstritten. Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung ist – genau wie bei der Debatte um Handystrahlen und Zellveränderungen – nur schwer nachzuweisen.

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