UMTS-Netze werden abgeschaltet: Das Ende von 3G

Vergangene Woche begann die Abschaltung des Mobilfunk-Standards der dritten Generation. Rückblickend lief es schon zu Beginn nicht gut.

Eine Frau benutzt ihr Smartphone und tippt

Still und leise verschwindet die 3G-Verbindung Foto: Diego Cervo/imago

In der Nacht zum 1. Juli begann die monatelange vorbereitete Abschaltung des Mobilfunkstandards der dritten Generation (3G). Nach 20 Jahren ist Schluss mit der veralteten Übertragungstechnik. Vodafone und die Telekom schalteten ihre Netze schon endgültig vergangene Woche ab, Telefónica/O2 wird ihre schrittweise bis Ende des Jahres vom Netz nehmen. Wer noch ein sehr altes Smartphone besitzt, wird weiterhin telefonieren und SMS verschicken können. Das Internet allerdings ähnelt aber vermutlich doch sehr den Anfängen der 2000er Jahre, denn die Geräte greifen auf die noch bestehenden EDGE-Verbindungen zurück. Still und leise verschwindetdie 3G-Verbindung also, dabei schien sie doch so vielversprechend.

Im Sommer 2000, da war das Internet heißer Scheiß, ein riesiges digitales Neuland. Damals besaßen 48 Millionen Menschen in Deutschland ein Mobiltelefon, kaum eins hatte eine Internetverbindung. Praktisch niemand nutzte das 1999 eingeführte WAP mit seinen 9,6 kBit/s. UMTS oder auch 3G genannt versprachen nun 384 kBit/s – also praktisch Lichtgeschwindigkeit. Am 18. August 2000 wurden die sechs Lizenzen für das UTMS-Band versteigert. Die Endsumme waren 99.368.200.000 Deutsche Mark, umgerechnet 50 Milliarden Euro. Deutschland ist damit ewiger Weltmeister in Pro-Kopf-Kosten für Mobilfunk­lizenzen. Die Gebote gingen durch die Decke, vor allem die etablierten Firmen wie Telekom trieben sie hoch, um neue Konkurrenten auszuschalten.

Pleiten, Pech und Pannen

Erhofft haben sich die sechs meistbietenden Firmen, E-Plus Hutchison, Group 3G (Quam), Mannesmann (Vodafone), MobilCom Multimedia, T-Mobile und Viag Interkom (O2) den absoluten Durchbruch. Den allermeisten erging es anders: Mobilcom hat die teure UMTS-Lizenz an den Rand der Pleite gebracht. Genau sowie die Group 3G, ein Konsortium aus der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera. Sie hatten für jeweils über 16 Mil­liarden Mark eine Lizenz ergattert. Doch beide mussten ihre Lizenzen zurückgeben, weil sie die vorgegebenen Ausbauziele nicht erfüllten.

Den restlichen Auktionsteilnehmern fehlte nun wegen zu hoher Kosten das Geld für den schnellen Netzausbau. Dabei waren die Auflagen für die Provider nicht besonders hoch: Innerhalb von fünf Jahren mussten sie gerade einmal 50 Prozent der Bevölkerung mit UMTS versorgen. Vier Jahre später gab es dann zwar die ersten UMTS-Tarife, das Netz deckte aber nicht viel mehr ab als die großen Ballungsgebiete. Ein Tarif mit 500 Megabyte kostete bei T-Mobile zur Einführung 110 Euro im Monat.

An all die unschönen Details will sich heute niemand mehr zurückerinnern, und so verschwindet das 3G-Netz nun, um Platz für die Zukunft zu machen. Die freigewordenen Frequenzen werden nun für den Ausbau der LTE- und 5G-Netze genutzt. Lassen wir also die Vergangenheit hinter uns, vielleicht wird aus dem Funkloch Deutschland, das zu den datenteuersten EU-Ländern zählt, in den nächsten 20 Jahren doch endlich mal Vorreiter. Falls die Bundesregierung denn Lust dazu hat, sich um die Digitalisierung zu kümmern.

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Jahrgang 1994 | bei der taz seit 2016 | früher auf Deutschlandreise für taz.meinland & Editorial SEO für die taz | seit 2019 Redakteurin für Gesellschaft und Medien | spricht mit im Podcast Weißabgleich und schreibt die Kolumne Digital Naives | Interessiert sich für Datenpolitik, Fake News & Social Bots.

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