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570 For­sche­r*in­nen gegen RechtsruckHoch die interdisziplinäre Solidarität!

Das Bündnis Wissenschaft gegen Faschismus veranstaltet eine Aktionswoche gegen Autoritarismus. Das ist vor den Landtagswahlen auch Selbstverteidigung.

Demonstranten von Studis gegen rechts mit Transparent: Unser Campus Nazifrei Foto: Stefan Boness

Große Teile der Wissenschaftslandschaft schlagen Alarm: Über 570 For­sche­r*in­nen haben sich im Bündnis Wissenschaft gegen Faschismus zusammengeschlossen. Sie fordern die Gesellschaft, aber insbesondere auch ihre Hochschulen, Unis und Kol­le­g*in­nen auf, dem Aufstieg von Rechtsextremisten entschiedener entgegenzutreten. Man müsse Klimakrise und Demokratiekrise zusammendenken, innerhalb der Forschung solidarisch sein und brauche eine antifaschistische Wirtschaftspolitik, so zentrale Forderungen des Aufrufs.

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Das Bündnis will bewusst alle Disziplinen in Mithaftung nehmen: „Verantwortung von Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr“, lautet der Untertitel des Aufrufs. Das Bündnis veranstaltet eine bundesweite Aktionswoche vom 1. bis zum 7. Juni mit mittlerweile mehr als 240 Veranstaltungen an über 70 Hochschulstandorten, Tendenz steigend. Vernetzt wurde das Bündnis unter anderem von den „Studis gegen rechts“, mittlerweile unterstützen auch ganze Unis und Institute. Und es dürften noch mehr werden: Wis­sen­schaft­le­r*in­nen rufen dazu auf, in dieser Woche bundesweit Lehrveranstaltungen am Thema auszurichten.

In einem von mehreren gemeinsamen Aufrufen geht die Ökonomin Isabella Weber dabei mit ihrer Disziplin hart ins Gericht: „Die Wirtschaftswissenschaft präsentiert sich gerne als politisch neutrale Wissenschaft. Tatsächlich ist sie mit der materiellen Organisation unserer Gesellschaft befasst. Sie ist inhärent politisch.“

Mit der Aktionswoche appelliere man an die Verantwortung der Wissenschaft, sich angesichts des Rechtsrucks zu solidarisieren: „Mein Vorschlag ist eine antifaschistische Wirtschaftspolitik, die die Sicherung der Lebensgrundlagen aller als oberstes Ziel verfolgt“, so Weber.

Auch der Klimaforscher Pao-Yu Oei von der Uni Flensburg unterstreicht die notwendige Solidarisierung innerhalb der Wissenschaft: „Hochschulen sind keine neutralen Räume – sie sind gesellschaftliche Verantwortungsträger der gelebten Demokratie.“ Schweigen sei keine Option. Gerade in der Klimapolitik zeige sich: „Wer Ungleichheit ignoriert, riskiert nicht nur die Erde, sondern auch die Demokratie und den friedlichen Zusammenhalt“, so Oei.

Angriffe auf Wissenschaftsfreiheit

Besondere Dringlichkeit sieht das Bündnis aufgrund der anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Chance auf exekutive Macht für die extrem rechte AfD so wahrscheinlich wie nie zuvor ist. Eine AfD-Landesregierung könnte der Wissenschaft kurzerhand den Geldhahn zudrehen, um unter anderem unliebsame Forschungsfelder oder studentische Selbstorganisation de facto abzuschaffen.

Die Humangeografin Uli Beisel von der FU Berlin warnt: „Wir haben in den letzten Jahren zunehmend Angriffe auf Wissenschaftsfreiheit gesehen. Dazu zählt die Diffamierung von Wissen in der Klimaforschung, der Virologie und Impfforschung, Gender Studies und Forschung zu Rassismus.“

Dagegen komme es nun auf die Verteidigung und Aufklärung an, wie die Kulturwissenschaftlerin Margarita Tsomuo unterstreicht: „Autoritäre Kräfte greifen zuerst nach Kultur und Bildung – wer das nicht verteidigt, hat nichts mehr zu lehren.“ Wissen über Faschismus sei kollektives Schutzwissen, das auf die Straße und die Öffentlichkeit gehöre – deshalb fordere sie: „Hochschulen öffnen, diskutieren, handeln. Jetzt, nicht irgendwann!“

Unis als Orte demokratischer Aufklärung

Ein Höhepunkt der Aktionswoche soll unter anderem eine hybride Diskussionsveranstaltung zur Aktualität des kontroversen Faschismusbegriffes sein. Die findet am 3. Juni an der Humboldt-Uni in Berlin statt. Dort diskutieren die Philosophin Rahel Jaeggi, der Verfassungsblog-Chef Maximilian Steinbeis und die Integrationsforscherin Naika Foroutan sowie Kulturwissenschaftlerin Tsomou zur Frage: „Faschismus benennen? Warum? Analyse, Verantwortung und demokratischer Widerstand in Zeiten faschistischer Gefahr“.

Einig sind sich viele der Wis­sen­schaft­le­r*in­nen darin, dass auch Nichtstun politisch sei. Erst recht, wenn autoritäre Politik auch ohne AfD-Regierung normalisiert werde, müssten Minderheiten und Vielfalt umso dringender geschützt werden – auch und gerade an den Unis.

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