30 Jahre Interflugs an der UdK: „Keine Uni ohne uns“

Uni-Streiks, Freie Klassen, Videozeitung: Mit „feral: methods“ ist ein Archiv studentischer Bewegung an der UdK entstanden – im Netz und in der nGbK.

Studierende mit Kisten auf dem Kopf tragen ein Banner zum Studentenprotest 1988/89 mit der Aufschrift "Uni-Streik"

Uni-Streik 1988/89: Der Gründungsmoment von interflugs (bis 28. 3. bei „feral methods“ zu sehen) Foto: interflugs / nGbK

Häufig sind es Studierende, die an „Guerrilla (Girls)“-Methoden anknüpfen und den Status quo an Kunsthochschulen ins Wanken bringen. An der UdK (damals HdK) z. B. entstand im Kontext der Unistreiks Ende der 80er die autonome Studierendenorganisation Interflugs, die selbstbestimmte Lernformen entwickelte. Zeitsprung nach 2020 und Interflugs fährt gerade die Kampagne „exit racism UdK“.

Die 30-jährige Geschichte von Interflugs abzubilden, hatte sich nun die Projektgruppe „Interflugs 30: feral methods“ (Erfan Aboutalebi, Ernest Ah, Nino Bulling, Bilge Emir, Immo Heat, Lucia Krug, Kornelia Kugler und Caio Soares) zur Aufgabe gemacht. In den Räumen der nGbK haben t blank und Lee Stevens von der Raumerweiterungshalle / Selbstuniversität e. V. ein begehbares Archiv mit Flugschriften und Dokumaterial aufgebaut. Es gibt sogar einen Kopierer.

Eine dezentrale Alternative bietet die Webseite „feral me!“ mit Archivauszügen, Ausgaben der berüchtigten VideoZeitung und Talks. Bei „Oral Herstrory“ kommen verschiedene Interflugs-Generationen und Mitglieder assoziierter Projekte des Autonomen Bereichs wie Videozeitung/Qcine, Freie Klasse und Klasse Comix ins Gespräch, darunter der Filmemacher Rüzgar Buşki und Gründer:in­nen der VideoZeitung, die VHS-Aktivismus in den 80ern/90ern reflektieren.

Auch die „Artist Talks“ sind großartig: Judith ann Braun erklärt 1992 erst mal, was es heißt ein „middle aged sex maniac“ zu sein. 1995 führt Diane Torr in Gender-Performativität und Drag-King-Kultur ein. Die Künstlerin Esra Ersen stellt 2007 ein Projekt zu Gentrifizierungsprozessen in Liverpool vor. 2011 spricht Sandy Kaltenborn von image-shift über politisches Grafikdesign.

Postkoloniale Kunstaktionen und „Zoombies“

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

„interflugs 30: feral methods“, nGbK, bis 28. 3., Oranienstr. 25; Freitag, 26. 3., 11–18 Uhr: Besuch im Archivraum vor Ort (mit Termin).

Projekt-Webseite: feralmethods.ngbk.de

Für „Feral TV“ erstellten u. a. Rojava Film Commune und Polizeiklasse Dresden eigens für die Ausstellung aktuelle Arbeiten. So auch Anonymous art students Copenhagen mit einem studentisches Zeugnis der Solidarität mit Katrine Dirckinck-Holmfeld, selbst Künstlerin und Lehrende an der Royal Danish Academy of Fine Arts. Die Vorsitzende des Theoridepartments wurde letztes Jahr der Academy verwiesen, nachdem sie am Hafen von Kopenhagen den Abguss einer Büste des Academy-Gründers König Frederik V. als „Happening“ zur Kolonialgeschichte Dänemarks ins Wasser geworfen hatte. Ein rechter Backlash in den Medien folgte. Die Anonymous art students bringen also ihre eigene Version von „exit racism RDAFA“ auf den Weg.

Unter dem Motto “KEINE UNI OHNE UNS“ geht es im Rahmen der letzten Woche von „Interflugs 30: feral methods“ schließlich noch einmal ganz weit zurück, zu den Interflugs-Anfängen: zwei Filme zeigen den Berliner Unistreik aus den Jahren 1988/89 (bis 28. 3.). Am Freitag, den 26. 3., ist letzter Tag für einen Live-Besuch im Archiv (Anmeldung erforderlich) und es kommen noch einmal zwei politische Gruppen zusammen: das kollektiv und maiz.

22.–28. März: Filmwoche “KEINE UNI OHNE UNS“ mit Filmen zum Uni-Strei 1988/89, Screening (ganztags) über Vimeo.

Freitag, 26. März,
19–21 Uhr: “Wir weigern uns, Zoombies zu bilden! – Radikal kritische Bildungsarbeit mit migrierten und geflüchteten Frauen*“, Gespräch mit das kollektiv und maiz, via Zoom.

Anträge auf Interflugs-Projektförderung – für Studierende und Nicht-Studierende – bis 4. 4., Info: www.interflugs.de.

Im Gespräch „Wir weigern uns, Zoombies zu bilden!“ geht es u. a. um Bildungsarbeit mit migrierten und geflüchteten Frauen*, Humankapital, neoliberale Bildungstechniken, zoom und Zombies. Lustiger Weise ausgerechnet auf zoom, doch Techniken lassen sich auch aneignen, heißt es in der Ankündigung. Utopische Imagination wird also auch hier Gesprächststoff sein. Das Ausstellungsprogramm mag danach zu Ende gehen, das Archiv aber bleibt.

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