Sachsen-Anhalt und AfD : Lasst sie einfach mal regieren!
Es würde einen hohen Preis kosten. Mittelfristig könnte es aber vielleicht etwas bringen, wenn die AfD in die regionale Regierungsverantwortung käme.
M anuela Segger, AfD-Wählerin, sagt in einem von der New York Times verlinkten Video: „Entweder es wird gut oder es wird nicht ganz so gut, dann wählen wir sie wieder ab.“ Was die Frage aufwirft: Wäre es besser, die AfD mitsamt dem ehemaligen Raumduftverkäufer Ulrich Siegmund käme im kleinen Sachsen-Anhalt in die Regierungsverantwortung?
Wäre es besser, als wenn demokratische Parteien, die eigentlich für sehr unterschiedliche Perspektiven stehen, in einer erzwungenen gemeinsamen Abwehrhaltung erstarren, während sich ihre unterschiedlichen Identitäten dabei auflösen?
AfD-Wähler:innen werden von den nicht AfD wählenden bürgerlichen Eliten gerne klassifiziert, psychologisiert, pathologisiert und als Objekt behandelt. Laut dem Politikwissenschaftler Philip Manow spalten sich die Milieus in Europa auf in die sozial besser gestellten „Integrationsfreunde“ und in die „Integrationsskeptiker“, die meistens, aber nicht immer, aus eher schwächeren Milieus stammen. Wenn das so stimmt, dann könnte man die AfD-Wähler:innen erst mal nur den zweiteren zuordnen, ohne sie damit gleich zu verachten.
Die AfD-Wähler:innen kämen damit aus der Objektrolle heraus, könnten sich dann aber auch nicht aus der Verantwortung stehlen, für eine rechtsextreme Landesregierung verantwortlich zu sein, die ihr Leben nicht besser macht. Denn was würde passieren, wenn geduldete Geflüchtete unter einer AfD-Regierung ihre Arbeitserlaubnis verlören, wenn Migrant:innen einen Bogen um das kleine Bundesland machten und die Bevölkerung dann auf Ärzt:innen, Pfleger:innen, Lieferant:innen, Kellner:innen verzichten müsste?
Wetten, die Demokratie gewinnt?
Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.
Welcher Protest vor Ort würde erwachsen, wenn das erste gut integrierte Kind mit Downsyndrom aus seiner Regelklasse genommen und in eine Sonderschule gesteckt wird? Eine AfD-Regierung wäre auch ein Test für die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt und drumherum. Vielleicht sollte man es darauf ankommen lassen. Trotz der hohen Risiken.
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