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DFB-Pokalspiel Kaiserslautern – MannheimWoher der ganze Hass?

In ersten Pokalrunde trifft der 1. FC Kaiserslautern auf Waldhof Mannheim. Das Kurpfalz-Derby ist eines der krassesten Derbys im deutschen Fußball.

Gerade mal 25 Mal sind die beiden Mannschaften bislang in Pflichtspielen gegeneinander angetreten (einschließlich eines Spiels von 1942). Und trotzdem gehört das Kurpfalz-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern zu den brisantesten Aufeinandertreffen zweier deutscher Fußballvereine. Ein sogenanntes Risikospiel ist das. Spielen die „Roten Teufel“ gegen die „Buwe“ kann man sicher sein, dass das Polizeiaufgebot groß sein wird, die Stimmung aufgeheizt und die Rauchwolke im Stadion stark.

Waldhof gegen FCK, das heißt Gewalt und Feindschaft bis in den Tod. So auch diesen Freitag um 18 Uhr in Mannheim. Denn das Los wollte, dass die beiden absoluten Erzrivalen nach über vier Jahren mal wieder aufeinandertreffen. Und zwar in der ersten Runde des DFB-Pokals. Sportlich gesehen ist vermutlich der Zweitligist aus Lautern eher der Favorit gegen den Drittligisten.

Der letzte Sieg von Waldhof liegt auch schon fast 30 Jahre zurück und beim letzten Spiel im Februar 2022 – als beide noch in der 3. Liga spielten – trennte man sich unentschieden. Doch das wird beim K.-o.-Spiel am Freitag nicht möglich sein. Es muss einen Sieger geben, was die Lage noch angespannter sein lässt.

Ziel der Polizei wird vor allem eines sein: verhindern, dass die beiden Fanlager irgendwie aufeinandertreffen. Unter anderem mit Shuttlebussen vom Hauptbahnhof zum Stadion sowie einer polizeilichen Eskorte für anreisende FCK-Fans. Über die Anzahl der eingeplanten Beamten möchte man aber „aus einsatztaktischen Gründen“ keine konkreten Angaben machen. Sicher ist: Es werden viele sein.

Die Geburtsstunde der Rivalität

Denn die Fans sind heiß auf das seltene Derby, der Hass ist groß. Doch warum eigentlich? Woher rührt diese Fanfeindschaft? Knapp 53 Kilometer Luftlinie trennen das Lauterer Fritz-Walter-Stadion und das Mannheimer Carl-Benz-Stadion. Dazwischen verläuft auch noch der Rhein und damit die Grenze zwischen Pfalz und Baden. Dennoch interessierte das lange Zeit niemanden und die Vereine spielten (in unterschiedlichen Ligen) nebeneinanderher. Bis 1983.

Geburtsstunde der Rivalität war der Aufstieg der Blau-Schwarzen in die 1. Bundesliga, wo sie auf die „Roten Teufel“ trafen. Das Problem: Das Waldhof-Stadion war nicht bundesligatauglich, weswegen die Mannheimer eine Ausnahmegenehmigung erhielten, ihre Heimspiele vorübergehend im linksrheinischen Ludwigshafener Südweststadion auszutragen. Heißt auf Lautern-Territorium.

Das störte den damaligen FCK-Präsidenten Udo Sopp sehr. Er fürchtete, Waldhof könnte den „Roten Teufeln“ durch den Spielort in der Vorderpfalz Zuschauer und Anhänger wegnehmen. Um das Territorium zu verteidigen, forderte er die Fans dazu auf, „in Ludwigshafen mit dabei zu sein und im Übrigen über dieses Spiel hinaus Flagge für unseren 1. FCK“ zu zeigen. Man könnte sagen, die Rivalität beider Fanlager war von oben verordnet. Von den Fans selbst liebend gerne angenommen, wird sie bis heute zelebriert.

Inklusive „kreativer“ Eskalationen: Bei einem Drittligaspiel im Jahr 2019 setzten FCK-Fans zum Beispiel in der Nähe des Mannheimer Stadions ein lebendes, mit Anti-Waldhof-Parolen beschmiertes Schwein aus. Es sollte eine Reaktion sein darauf, dass kurz zuvor am Elf-Freunde-Kreisel am Fuße des Betzenbergs in Kaiserslautern die Köpfe zweier Betonfiguren abgeschlagen worden waren.

Um den Sport geht es da schon lange nicht mehr.

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9 Kommentare

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  • Waldo

    Danke für die Info. So sieht Journalismus auch im Sport aus. Hat sich der Herr Sopp eigentlich je zu dem Thema geäußert ? Wo doch die christlichen Kirchen, ev. wie kath., immer so schön die Nächstenliebe predigen.



    Wie kann man(n) diesen tollen Sport nur so zugrunde richten. Vielleicht doch eine "offizielle" 3. Halbzeit im "Last Man Standing"-Modus einführen mit Eintrittsgeldern die den Hinterbliebenen gespendet werden. Wer gewinnt, darf sich auf lebenslanges Stadionverbot, allg. Schmerzensgeldzahlungen, Übernahme der Krankenkassenkosten der Unterlegenen "freuen". Vielleicht hört dann dieses Hooligan- und Pseudofantun auf. Und ja Pyro, ist ein Verbrechen.

  • Martin Rees

    "Leidenschaftlicher Hass"



    Ein klassisches Oxymoron im Fußball?



    Leidenschaft als "heftige Zuneigung" und als "starke Begeisterung"...



    Hier bin ich extrem stark abgeneigt und das Verhalten sorgt für maximale, also komplette Entgeisterung.



    Die Vorboten der Eskalation waren wie Kassandra-Rufe, die Konsequenzen werden nicht auf sich warten lassen können.



    www.spiegel.de/spo...-aa1a-a393a1f4efd6



    Die sogenannten Supporter dieser Eskalation waren wirklich 'von allen guten Geistern verlassen'.

  • Krumbeere

    Der Aufruf des FCK-Präsidenten ist nur die eine Hälfte der Ursache.



    In den Bundesligajahren hatte der Waldhof eine positive Erfolgsbilanz gegen Kaiserslautern. Diese fürchteten um ihren "Thron" als Nummer 1 in der Pfalz/Kurpfalz. Nach dem Abstieg des SV Waldhof brachten die Kaiserslauterer einen Autoaufkleber mit dem Aufdruck "Nie mehr Waldhof" heraus. Diese Unsportlichkeit sorgte dafür, das die sportliche Rivalität sich in Hass verwandelte.

  • Ignaz Wrobel

    Welches historisches Vorbild der kommentarlos abgebildete Banner zitiert, ist der Autorin oder dem verantwortlichen Bildredakteur hoffentlich bekannt und wer wem damals das "Verrecken" leider nicht nur gewünscht hat?



    Wie kann man so eine Fanszene feiern?

    • Vigoleis

      @Ignaz Wrobel:

      Gefeiert wird die "Fan"-Szene im Text nicht. Dieser bemüht sich um sachliche Berichterstattung.



      Recht haben Sie aber mit dem Kontext der abgebildeten Parole. Im Text wird zudem noch eine Szene geschildert, wo ein von ebenfalls den "Fans" des 1. FCK mit Hassparolen beschmiertes Schwein eine Rolle spielt. Damit reproduzieren diese "Sportsfreunde" ein aus dem Mittelalter bekanntes antisemitisches Motiv, die sogenannte "Judensau".



      Beides, Banner und "Aktion" zeigen wohl, wes Geistes Kind die Anhängerschaft der "Roten Teufel" sind.

    • Il_Leopardo

      @Ignaz Wrobel:

      Wieso kommentarlos? Es folgt doch ein Text! Und die taz feiert hier doch garantiert nicht!

  • Il_Leopardo

    Ich (in der Vergrößerung) keine einzige Frau. Was ist eigentlich mit diesen Männern los?



    Irgendwie kommt mir der Spruch bekannt vor: Man muss nur das erste Wort durch ein anderes ersetzen!

    • Desdur Nahe

      @Il_Leopardo:

      Wieso Männer? Wäre das bei Frauen, wenn sie den gleichen Testosteron-Wert (und damit die gleichen Muskeln) wie Männer hätten, anders?



      Gewaltneigung liegt den Menschen im Wesen, mal mehr, mal weniger. Der psychisch gesunde Mensch benötigt allerdings eine Legitimation, um diesen Drang auszuleben.



      Das ist im Sport eine andere Mannschaft, woanders eine andere Religion oder Ideologie. Wichtig ist, dass die eigene Gruppe die Gewalt honoriert.



      ich habe mich mal mit einem Hool über das Thema unterhalten: Der hat geradezu euphorisch geklungen, über den Zusammenhalt und die Anerkennung in der Gruppe, das Hochgefühl im Kampf. Man schaue sich mal das Gesicht dieses einen Typen an, während er bei der Demo den Nius-Mensch schlägt. Vermutlich kommt er vor Gericht, aber was ist das schon gegen diesen Moment seines Hochgefühls und die lebenslange Anerkennung durch die eigene Gruppe? Sogar jemand, der anderen Menschen einen Hammer auf den Kopf schlägt, kann mit Jubel rechnen. Wenn es aus den "richtigen" Gründen war.



      Von daher: Ich will sowas nicht "normal" nennen, aber das gab es immer und wird es immer geben. Und dann lieber Hools, die sich (hoffentlich) nur gegenseitig verletzen.

    • Martin Rees

      @Il_Leopardo:

      Mich erinnert ein solches Auftreten an diese Vorboten der Androhung von Gewaltbereitschaft:



      www.karlsruhe-insi...ch-karlsruhe-35271